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An Tagen wie dem gestrigen, an dem der Aktienmarkt stark verliert, sind die Anleger meist beunruhigt. Die Anleger fragen sich, was los ist (Italien Wahl), wie es weitergeht, und vor allem, ob der Kurssturz weitergehen kann. Noch am Montag hatte man den starken Mann heraushängen lassen, hatte sich nicht beirren lassen und hatte Aktien gekauft. Jetzt heult der gleiche Anleger wie ein kleines Kind über die fallenden Kurse. Meist will der Anleger groß und stark sein, verhält sich jedoch oft klein und hilflos.

Hat man gestern die nervösen Händler beobachten können, wie sie an ihren Bildschirmen die Stirn gerunzelt haben, dann war man als Betrachter der Szene geneigt zu fragen: Habt ihr denn gar nichts von einer Italien Wahl gehört? Wenn der Ausgang der Wahl unsicher war, warum seid ihr dann nicht schon am Montag aus dem Markt gegangen? Sich nachträglich zu beklagen, dass die Kurse fallen, ist typisch Börsianer. Solange er die Gelegenheit hat auszusteigen, will er nicht, fallen die Kurse, ist das Geheule groß.

Mit dem Individuum Anleger ist es aber auch ein Kreuz. Gier und Angst sind seine ständigen Begleiter. Gier ist immer dann anwesend, wenn die Kurse steigen und die Vorzeichen grün sind. Der Anleger hat Lunte gerochen und er will mehr, mehr Anstieg und mehr Gewinn. Nie würde er auf den Gedanken kommen, bei steigenden Kursen seine Anteile zu verkaufen. Die Gier hat ihn übermannt, der Blick ist tunnelartig, die Wahrnehmung subjektiv. Am Montag hätte solch ein Anleger nicht verkauft, wohl auch nicht können, wenn er denn gewollt hätte.

Dann fallen die Kurse. Der so dominante, starke und gierige Anleger wird plötzlich von einem Mann zu einem kleinen ängstlichen Kind. Er ist kaum wiederzuerkennen. Angst dominiert sein Handeln. Er sucht nach Gründen für den Fall der Kurse. Er sucht die Nähe zu anderen ängstlichen Marktteilnehmern, um seine Angst zu teilen. Und er hat Angst, dass die Verluste größer werden könnten. Die Sorge, die Chance für den Verkauf zu verpassen, lässt ihn oftmals panisch reagieren.

Zwischen diesen beiden Extremen bewegt sich der Anleger jeden Tag. An manchen Tagen lassen die Anleger den großen starken Investor heraushängen und loben sich selbst für das, was sie geleistet haben. Wie zum Beispiel, dass sie zur rechten Zeit im Markt waren, dass sie am Tagestief gekauft haben, oder dass sie den Mut hatten, fallende Kurse auszuhalten. Alles Attitüden, die einen Mann besonders stark darstellen. So einer ist unser Anleger an guten Tagen.

Aber wehe, unser Anleger liegt falsch, dann ist das Geheule groß. Kinder werden mit Heulen in Zusammenhang gebracht. Plötzlich kann der Anleger die Auswirkungen seines Handels nicht mehr abschätzen. Was will er jetzt machen? Er ist hilflos. Wie ein kleines Kind schaut er sich um und versucht sich zu orientieren. Am liebsten würde er aus dem Aktienmarkt rennen, sich verkriechen und mit all dem nichts zu tun haben. So fühlt sich der gleiche Anleger, wenn die Verluste sich häufen.

Wer an der Börse ein richtiger Mann sein will, der muss auch Entscheidungen treffen. Vor allem muss er zu seinen Urteilen auch stehen. Nur zusehen und mal freuen und mal weinen, wird der Aufgabe, nämlich dem Handel an der Börse, nicht gerecht. Es hilft schon viel, wenn man für seine Gewinne und Verluste selbst verantwortlich ist. Das ist auch der Schritt zum Erwachsenwerden.

In diesem Sinne. Viel Erfolg.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

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