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Was konnte man aus den Krisen der letzten Jahre lernen? Die einzige Antwort ist: Wie man am besten auf Zeit spielt. Ist das nicht traurig? Das Einzige, was all die Euroretter, Staaten und Zentralbanken auf die Beine gestellt haben, ist eine Illusion, dass die Krise vorüber sei. Und dass, indem sie die Wunden mit Geld beklebt haben. Der Schmerz wird kurzfristig weniger. In der Folge eitert die Wunde jedoch, weil die Zeit für eine normale Heilung abläuft. So ist das, wenn man wichtige Dinge nicht angeht.

Das Spiel auf Zeit ist ein sehr gefährliches, denn wenn man abwartet und hofft, dann lässt man wichtige Zeit verstreichen, die man für eine Rettungsmaßnahme nutzen könnte. Die Zentralbanken spielen dieses Spiel sehr oft und gerne. Sie hoffen, indem sie die Zinsen senken (passive Stimulierung), werden sich die Wirtschaftssubjekte durch diesen Anreiz Geld leihen und investieren bzw. konsumieren. Oder die Zentralbank mischt sich ein und kauft selbst Wertpapiere wie Anleihen (aktive Stimulierung) und pumpen dadurch Geld in den Markt, weil das Warten vielleicht nichts gebracht hat.

In beiden Fällen wird erst mal Geld maximal bis zu den Banken freigegeben und kommt nicht in den Wirtschaftskreislauf. So, nun sitzt man da als Zentralbank und beginnt zu hoffen. Wann geben die Menschen wieder Geld aus, wann investieren die Unternehmen und wann stellen sie wieder Arbeitnehmer ein? Alles Fragen, auf die es im Spiel auf Zeit keine Antwort gibt. Denn dieses Spiel basiert nicht auf Antworten, sondern auf Hoffnungen und Abwarten.

Wenn z. B. die japanische Zentralbank ihre eigene Währung schwächt, um ihre Produkte auf dem Weltmarkt günstiger erscheinen zu lassen, dann ist das zunächst eine Maßnahme mit ungewissem Ausgang. Man hofft, dass ein positiver Effekt eintreten wird. Die Zentralbank kann die Güter jedoch nicht selbst verkaufen, sie kann nur warten und hoffen, dass ihre Stimulierung hilfreich sein wird. Denn zum Verkauf eines Produktes gehört mehr als nur der Preis. Das weiß auch die Zentralbank. Das Spiel, die eigene Währung zu schwächen, ist nicht ohne Nebenwirkungen. Im Falle Japans werden die Importe teurer und das Sparvermögen der Bürger wird weniger wert. Ob diese Maßnahme fruchtet, weiß niemand, es muss halt abgewartet werden.

In der Eurozone hat man die Wunden der Krisenstaaten erst mal behandelt. Die vornehmlich südeuropäischen Staaten haben Geld erhalten. Man nahm ihnen den Druck vom Anleihemarkt. Die Staaten konnten sich wieder zu „normalen“ Bedingungen refinanzieren. Damit glaubte man, die Staaten würden wieder in der Gunst der Geldgeber steigen und die Situation würde sich in Wohlwollen auflösen. Der Staat kümmert sich zur selben Zeit um Reformen, Ausgaben werden gesenkt, Strukturen werden erneuert und die Wirtschaft wird wieder wettbewerbsfähiger. So hatte man sich das gedacht. Die Euroretter haben erst mal gemacht und gewartet.

Nur was passiert, wenn die Würfel nicht so fallen, wie man sich das erhofft hat? Indem die Zinsen für die Krisenstaaten künstlich gedrückt wurden, gab es keinen Spardruck mehr. Es hat einen Grund, warum die Zinsen für überschuldete Staaten steigen, sie sollen sich zügeln und nicht weiter Geld ausgeben. Diesen Mechanismus haben die Euroretter ausgehebelt. Dieser Weg bringt auch der Politik etwas Zeit. Sie kann noch länger an der Macht bleiben und muss sich nicht sofort den drängenden Fragen der Gesellschaft stellen.

Jeder, der auf Zeit spielt und hofft, Dinge werden sich bessern, indem man abwartet, der wird sich über kurz oder lang getäuscht sehen. Denn solange nichts Heilendes unternommen wird, wuchert die Wunde, bis sie am Ende irreparabel wird. Dann ist es für eine Heilung zu spät. Ein Systemcrash wäre die Folge. Das wollen wir für die Welt nicht hoffen.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

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