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Liest man in der Literatur über den Aktienmarkt, dann bekommt der Interessent schnell erklärt, dass die Börse Unsicherheit hasst. Jede Art von ungewissem Ausgang wird von den Markteilnehmern gemieden, heißt es, denn niemand will auf dem falschen Fuß erwischt werden. Jetzt sollte es bereits dämmern, dass in Italien gerade Parlamentswahlen sind und die Finanzmärkte und auch die EU in Sorge sein sollten, dass Berlusconi punktet. Am Aktienmarkt merkt man davon nichts.

Von wegen, die Börsianer mögen keine Unsicherheit. Die Börsianer mögen den Profit, sie mögen das Geld. Gibt es eine Hoffnung auf Rendite, dann geben die Anleger nichts auf die Unsicherheit am Markt oder auf irgendwelche Börsenweisheiten. Dominierend und für alle Marktteilnehmer gleich ist die Absicht, den Einsatz zu vermehren. Warum sollte ein Börsianer sich diese Chance wegen einem Berlusconi entgehen lassen?

Es gibt verschiedene Gründe für den Anstieg. Entweder der Anleger hat Indizien, wie die Wahl in Italien ausgehen könnte. Dies verleitet ihn zu der Annahme, dass Berlusconi nicht gewinnen werde und die Märkte in eine Erleichterungsrally übergehen werden. Da will der Investor natürlich dabei sein. An der Börse kommt es eben darauf an, als erster investiert zu sein. Wer heute schon kauft und morgen haussieren die Kurse, der hat am meisten gewonnen. Wenn dieses Szenario greift, dann werden die Anleger morgen zu solch günstigen Preisen wie heute nicht in den Markt kommen. Also werden bereits heute Aktien gekauft.

Oder die Anleger zocken hier kurz. Während die Medien gebannt auf den Verlauf der Wahl in Italien blicken, kümmert sich der Anleger nicht um die nächsten x-Stunden. Er  konzentriert sich auf den Vormittag und noch einige Stunden vom Nachmittag. Solange die Wahllokale geöffnet haben, gibt es nichts Konkretes aus Italien (Buy the rumour (kaufe das Gerücht)), und solange das der Fall ist, kann man den montagmorgendlichen Anstieg ruhig mitnehmen, so die Marktteilnehmer. Die Unsicherheit könnte erst zur Veröffentlichung der Ergebnisse auftreten.

Daher wird jetzt kurzfristig gehandelt und in wenigen Stunden entzieht sich der Anleger dem Markt. Das würde zu fallenden Kursen am Nachmittag führen (Sell the fact (verkaufe die Fakten)). Es würde jedoch erklären, warum die Kurse am Vormittag steigen. Das Risiko, auf dem falschen Fuß erwischt zu werden, besteht erst, wenn die Wahllokale schließen, noch sind sie jedoch geöffnet und deshalb kann der Anleger handeln.

Nach Ende der letzten Woche hielt man den unsicheren Wahlausgang in Italien für einen Grund, am Markt Aktien zu verkaufen. Jedenfalls lauteten die Nachrichten so. Genaues weiß man natürlich an der Börse nicht. Das ist heute auch der Fall. Genaues weiß man nicht, jedoch steigen die Kurse. Und das nicht zu gering. Derzeit ist das Plus im DAX auf 2 % angestiegen. Gebannt blicken die Investierten und auch die anderen Anleger auf die DAX-Parkettkamera und versuchen sich einen Reim auf diesen DAX-Verlauf zu machen.

Eine weitere Erklärung für den Anstieg ist folgende: Wenn der DAX sich so isoliert verhält und nur stetig steigt, dann haben die Handelscomputer ihre Finger meist im Spiel. Sie kümmern sich nur um ihre Algorithmen und scheren sich nicht um Unsicherheiten. Sie kaufen, weil die Kurse steigen und das fortwährend. Es bleibt spannend.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

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