Indikatoren-Trading

An Tagen wie dem heutigen, an dem der DAX gewinnt, da ist manch einem Trader zum Heulen zumute. Am gestrigen Tag ist der DAX nämlich gefallen und hat die Position des Traders ausgestoppt. Nun beschleicht ihn das Gefühl, dass die gestrige Stopp-Loss-Order falsch gesetzt wurde. Hätte er nur nicht verkauft, dann wäre er noch im Markt gewesen und könnte sich an den Pluszeichen erfreuen. Hätte, Wenn und Aber sind die ständigen Begleiter an der Börse.

Heute wäre es schön gewesen, noch dabei sein zu können, so redet sich der Trader seine Situation schön. Heute, da steigt der Markt und man selbst hatte ja schon den richtigen Riecher gehabt. Nur, und jetzt wird der Schuldige beim Namen genannt, diese Stopp-Loss-Order, hätte die ihn nicht aus dem Markt katapultiert, dann wäre die Welt noch in Ordnung. Das alles sagt der Trader, nachdem er sieht, wie der weitere Verlauf des Marktes aussieht.

Gestern war er noch froh, nicht mehr dabei zu sein. Heute wäre er auch froh gewesen, wäre der DAX weiter gefallen. So sucht sich der Trader die Rosinen aus. Er suggeriert sich selbst, dass er die Möglichkeit gehabt hätte, richtig zu handeln. Als hätte er den gestrigen „Fehler“ umgehen können. Das ist aber falsch. Tatsächlich handelt es sich nicht um einen Fehler, denn hätte der Trader es besser gewusst, dann hätte er seine gestrige Position nicht geschlossen.

Immer wieder Hätte, Wenn und Aber. An der Börse findet sich für jede Situation eine passende Antwort. Oft hört man von Anlegern, hätte man nur vor 20 Jahren Microsoft Aktien gekauft, dann wäre man jetzt ein gemachter Mann. Damals hat man sich jedoch nicht getaut. Der damalige Kaufpreis klingt heute auch viel günstiger, als es damals der Fall war. Das alles vergisst das Gehirn, wenn es darum geht, vom Reichtum zu träumen.

Eine andere Art des Schönredens ist folgende: Wenn man nur lange genug in einer Aktie oder im DAX dringeblieben wäre, dann hätte man heute einen Riesenprofit erwirtschaften können. Damit soll ausgedrückt werden, dass man als Anleger nur stark genug sein muss und sich nicht vom Pfad abbringen lassen soll. Leider kann man das im Nachhinein immer sagen, denn es gibt unzählige Beispiele, bei denen es doch gut war, rechtzeitig zu verkaufen, siehe z. B. Deutsche Telekom.

Und auch das Aber ist allgegenwärtig. Das Aber kommt oft vor, wenn der Trader nicht glauben will, was er sieht. Eigentlich sieht das Chartbild nach fallenden Kursen aus, aber der Trader macht sich anderweitige Hoffnungen. Oft gehört: Aber wenn die Zahlen erst mal raus sind, dann geht die Aktie durch die Decke. Wehe, das „Aber“ erfüllt sich nicht.

In allen Variationen des Hätte, Wenn und Aber ist eine Komponente immer gleich. Man will im Moment der Entscheidung nicht das tun, was man für richtig hält. Erst nachdem die Würfel gefallen sind, dann ist man sich sicher, dass man auf die entsprechenden Zahlen gesetzt hätte. Meist ist dann der Würfel oder jemand anderes schuld. Nicht aber der Trader.

An Tagen wie dem heutigen beschleicht den Trader das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben. Das ist eine subjektive und falsche Wahrnehmung. Er hat nichts falsch gemacht. Er muss nur dazu stehen.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

Share This