Service

Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht über Wachstum in der Welt berichtet wird. Staaten wachsen, Unternehmen auch, Vermögen wachsen ebenfalls. Es geht immer um das Gleiche: Höher, schneller, weiter. Was gut klingt, fordert leider auch seine Opfer. Während es einigen wenigen immer bessergeht, geht es vielen weniger gut. Ein Wachstum auf solch einem Fundament ist nicht erstrebenswert.

Das haben wir nun davon, dass wir immer nach Wachstum streben, könnte man sagen. Wir stehen mit einem Bein am Abgrund. Die Wirtschaftskrise will einfach nicht enden. Die Staaten kommen von ihrem Schuldenberg nicht herunter. Dem Schuldenberg kommt eine besondere Bedeutung zu, denn er hat das Wachstum mit angefacht. Mit Geld, für das niemand gearbeitet hat, wurden Güter und Dienstleistungen gekauft. Handelt es sich dann überhaupt um wirkliches Wachstum?

Firmen wollen andauernd wachsen. Sie können nie genug haben. Um wachsen zu können, müssen sie innovativer sein, schneller und besser, vor allem jedoch günstiger. Um jedoch günstiger zu sein, muss oftmals der Arbeitnehmer den Kürzeren ziehen. Er muss auf Lohnzuwachs verzichten oder wird gleich entlassen. Kann ein Unternehmen nicht mehr weiter am Personal sparen, dann wird ein Standortwechsel in Betracht gezogen. Hauptsache, das Unternehmen holt das Letzte heraus, um Rendite zu erwirtschaften. Ist solch ein Handeln erstrebenswert?

Kaum jemand kommt auf die Idee, mit dem Erreichten zufrieden zu sein. Wäre das nicht eine Alternative? Unternehmen können doch freudig ihre Produkte produzieren, ihre Kapazitäten gut auslasten und gut ist. Aber leider ist in unserer heutigen Zeit gut eben nicht gut genug.

Es beginnt schon mit einer Börsennotierung. Ein Unternehmen, das an der Börse gelistet ist, arbeitet nicht mehr nach eigenen Zielen und Visionen, sondern nach den Wünschen der Shareholder. Die Aktionäre fordern alle drei Monate Quartalsergebnisse und die müssen glänzen, sonst gibt es Saueres. Da fängt die Unternehmensführung schon bald an, sich an den Erwartungen des Finanzmarktes zu orientieren anstatt an denen der Unternehmensziele. Der Finanzmarkt will Wachstum sehen. Für die Börsianer ist der Gewinn die wichtigste Zahl. Wenn der Gewinn wächst, kann alles andere untere die Räder kommen. Meist passiert das auch, wenn Unternehmen dann aus Eile Fehlinvestitionen hinlegen. Wachstum ist nicht immer erstrebenswert, aber das passt jedoch nicht zum Machthunger der Unternehmen(sführung).

Auch Staaten sind in demselben Dilemma. Für sie gibt es auch nur Wachstum. Alles andere muss sich diesem Streben unterordnen. Während sich das Wachstum eines Unternehmens am Umsatz und vor allem am Gewinn misst, ist das Äquivalent für den Staat das BIP. Das Bruttoinlandsprodukt misst die Güter und die Dienstleistungen, die in einem Zeitraum erstellt wurden. Unter welchen Bedingungen eine Steigerung des BIP erreicht wurde, wird nicht hinterfragt. Hauptsache, die Konjunktur geht aufwärts. Gibt es eigentlich ein unendliches Wachstum?

Auch der Mensch gibt sich nicht mit wenig zufrieden. Früher war man froh, ein Fahrrad zu besitzen, dann war es toll ein Moped sein Eigen zu nennen, und das erste Auto war das Allergrößte, es ging gar nicht um Marke und Ausstattung, Hauptsache Auto. Doch auch ein einfaches Auto war bald nicht genug, es muss eines mit einer besonders guten Ausstattung sein, dann eines von einer bestimmten Marke und irgendwann muss es ein Neuwagen sein. Die Anforderungen wachsen. An sich selbst und an die Gesellschaft. Das Streben nach Wachstum ist eine kollektive Gier geworden.

Weniger ist heute nicht gut genug. Manch einer wird sagen, es ist doch gut, dass jeder besser sein will, das hebt dann doch das Niveau. Man könnte aber auch sagen, es bleiben immer mehr Verlierer in dem Wettkampf um mehr Wachstum zurück. Eine Gesellschaft, die viele Verlierer und wenige Erfolgreiche hat, kann nicht harmonisch miteinander auskommen. Im Moment geht die Schere wieder deutlich auseinander. Wenige werden immer wohlhabender, während sehr viele mit geringbezahlten Jobs und Harz4 auskommen müssen. Das ist nicht ausgeglichen. Erfolg nur am Wachstum zu messen, ist vielleicht nicht mehr zeitgemäß. Darüber sollte man mal nachdenken.

Lesehinweis

Wir empfehlen das Buch „Verstehen Sie Geld?„, um mehr über dieses wichtige Thema zu erfahren. Hier geht es zu Amazon (hier ansehen).

ISBN: 978-3-7439-1275-5, Seiten: 328, Preis 19,90 Euro

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

Share This