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An der Börse dominiert die Technik. Wer den schnellsten Rechner hat, der kann in noch kürzerer Zeit handeln. Wer seinen Rechnerraum näher an die Börse stellt, der muss weniger elektronischen Weg zurücklegen. Es geht um Schnelligkeit und um Profite. Die Maschinen sind die besseren Händler, so sagt man. Sie wissen alles eher und reagieren schneller. Sie sind den Menschen in allen Belangen überlegen. Nur, was zum Henker macht dann der Mensch an der Börse?

Der Mensch ist von seiner Evolution her so gepolt, dass er wegrennt, wenn er es mit etwas zu tun bekommt, das größer, schneller und mächtiger als er selbst ist. Das klingt auch logisch. Große Fische fressen kleine Fische. Damit wären wir auch schon am Finanzplatz Börse, wo jeden Tag das wilde Fressen zu beobachten ist. Während die Maschinen mit scharfen Schwertern kämpfen, ist der Mensch nur mit einem Taschenmesser ausgestattet. Und obwohl die Hoffnung auf einen Sieg aussichtslos ist, sind die Menschen mit ihrer unterlegenen Rolle zufrieden.

Das ist in gewisser Hinsicht krank, denn es ist der Mensch selbst, der die Super-Trading-Rechner, die Algotrader und die Handelscomputer (so nennt man die elektronischen Gegenspieler) gezüchtet und trainiert hat. Löscht sich der menschliche Anleger selbst aus? Danach sieht es aus, denn zu melden hat der kleine Anleger inmitten der Bits und Bytes nichts mehr. Den Rechnern kann der private Anleger nichts vorschreiben, abschalten kann er sie auch nicht. Die großen Finanzhaie sitzen am längeren Hebel und lassen keine Veränderung an ihren Profitgeneratoren zu.

Der Mensch hat sich an der Börse zum bemitleidenswerten Wesen degradiert. Er weiß, warum manchmal Kurse grundlos ausschlagen. Er weiß, dass es die Maschinen sind, die manchmal Fehler machen und damit die Börsenkurse stark durcheinanderrütteln. Nur was unternimmt er dagegen? Nichts. Das ist kläglich. Er beruhigt sein Gewissen, indem er den Grund kennt, woran es gelegen hat. Vorausschauend einen zukünftigen Fehler auszuschließen, darum bemüht er sich nicht. Ist der menschliche Anleger nicht sehr kurzsichtig?

Er will jeden Tag mit den Großen mitspielen und freut sich, wenn er gelegentlich Reste (Gewinne) mit nach Hause nehmen kann. Schaut man sich aber nicht nur den kleinen Teich an, sondern gleich den großen Ozean, dann merkt man schnell, dass die Masse der Anleger durchgehend zu den Verlierern gehört. Anstatt um Regeln zu kämpfen, welche von Menschen diktiert werden könnten, lassen die menschlichen Anleger sich einlullen vom Börsengeschehen. Dieses ist aber viel zu schnell, als dass er erfolgreich mitspielen könnte. Nein, der Mensch müsste sich für faire Regeln einsetzen, um seine Chancen zu erhöhen.

Kann er nichts gegen die Finanzlobby unternehmen und hilft ihm die Politik nicht, dann bleibt dem menschlichen Anleger noch eine letzte Möglichkeit: Wenn er schlau ist, bleibt er weg vom Markt. Die Natur hat dem Menschen nicht umsonst das Weglaufen beigebracht. Das hat nämlich den Vorteil, dass das Futter für die großen Haie dann nicht mehr da ist. Und wo nichts zu essen ist, da verhungern bald die Ersten. Wenn es keine langsamen Anleger an der Börse gibt, braucht man auch keine schnellen. In der Not werden sich die elektronischen Superhirne gegenseitig zerfleischen. Das wäre schön, damit es endlich ein Reinemachen gibt und die Menschheit von den elektronischen Marktteilnehmern befreit wird.

Der menschliche Anleger hätte also die Möglichkeit, etwas gegen die übermächtigen Gegner zu unternehmen. Ob er aber der Börse wirklich den Rücken kehrt, ist leider zu bezweifeln. Zu groß ist seine Gier.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

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