Buchtipp

Unsere Medien sind schon irgendwie wirr im Kopf. Da hat eine Gruppe von "gebildeten" Leuten eine 30-Stunde-Woche bei vollem Lohnausgleich gefordert. Sogleich drosch der Mainstream auf diese Idee ein und bezeichnete sie als "weltfremd" oder als "Griff in die Mottenkiste". Sie ließ kein gutes Haar daran. Die Überlegung der Initiatoren ist jedoch ganz nachvollziehbar. Sie wollen die Ware Arbeitskraft knapp halten und damit die Löhne nicht verderben. Zudem hätte eine kürze Wochenarbeitszeit noch gesellschaftliche Vorteile. 

Die Medien zogen die Idee ins Lächerliche. Sie malten das Bild eines Arbeitnehmers, der faul auf der Haut liegt und seine Freizeit genießt. Die Schlussfolgerung sollte wohl sein, dass der Arbeitnehmer gar nicht mehr Freizeit braucht. Das war und ist vollkommen am Thema vorbei. Vielleicht müssen die Medienleute aber auch pro Arbeitgeber schreiben, da sie die Anzeigenbuchungen von Unternehmen erhalten und nicht von Arbeitnehmern. Während also die Redaktion von einem Schritt in die falsche Richtung schrieb, sehen wir das ganz anders.

Der Arbeitnehmer würde, nach der Umsetzung dieser Idee, mehr Lebensqualität erhalten. Das ist etwas sehr Wichtiges, weil der Mensch mehr ist, als nur ein Hamster, der in seinem Rad seine Runden dreht (um dann tot umzufallen). Es gibt bereits einige Unternehmen, die das Thema Work/Life-Balance ernsthaft angehen, jedoch nur wenige.

Hier einige Beispiele, warum die Familie, und damit auch die Gesellschaft, von einer kürzeren Wochenarbeitszeit profitieren würde: Der Arbeitnehmer könnte in Ruhe seine Kinder vom Kindergarten holen, ohne hetzen zu müssen. Die Familie könnte gemeinsam zu Abend essen. Die Kinder könnten noch mit Mama oder Papa spielen, wenn diese nicht mehr so spät nach Hause kommen würden. Die Familie könnte auf jeden Fall mehr Zeit miteinander verbringen. Das ist doch schön und sinnvoll.

Wer keine Familie hat, der hätte die Möglichkeit, etwas für seine Gesundheit zu tun und könnte vielleicht Sport machen. Oder sich mit Freunden treffen, um den Kopf frei zu kriegen. Das sind alles keine Traumvorstellungen, sondern Dinge, die der Mensch braucht. Niemand ist zufrieden damit, morgens das Haus um 8 Uhr zu verlassen und um 19 Uhr (inkl. Fahrtzeiten) nach Hause zu kommen. In solch einer Zeit leben wir jedoch.

Zudem hat der Arbeitgeber auch etwas davon. Ein erholter, nicht ausgebrannter Mitarbeiter ist ein wertvoller Mitarbeiter. Er würde seine Leistung auf hohem Niveau halten können. Der Krankenstand im Betrieb würde nachlassen. Die Produktivität könnte gesteigert werden. Das ist doch etwas Tolles.

Nicht nur das, auch volkswirtschaftlich sind die Pluspunkte vorhanden. Bei vollem Lohnausgleich hätte der Arbeitnehmer Zeit, auch sein Geld auszugeben. Und was fordern die Wirtschaftsökonomen den ganzen Tag? Die Menschen sollen konsumieren. In der Folge stiege das BIP, die Steuereinnahmen des Staates würden ebenso steigen, die Unternehmen im Handel verkaufen mehr, die Firmen aus der Industrie produzieren mehr, dafür brauchen sie neue Arbeitskräfte, sie stellen Arbeitnehmer ein, diese bekommen Gehalt und geben das aus. Was will das Konjunkturherz mehr?

Es gibt gar keinen Grund, warum die Medien so auf diese Idee eindreschen. Besonders die Schnelligkeit, mit der dieser Vorschlag in eine Ecke der (politischen) "Linken" gestellt wird, ist auffällig.

Es lohn sich, über den  Vorschlag einer 30-Stunden-Woche nachzudenken. Die Gesellschaft/Wirtschaft hat lange genug den anderen Weg diskutiert, nämlich wie man (die Resource) Arbeitnehmer auf Rendite trimmt und das Letzte aus ihnen herauspresst. Warum nicht jetzt auch mal etwas anderes probieren?

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

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