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Es verdichten sich die Kommentare, dass man Zypern unbedingt retten muss. Manch einer spricht gar von systemrelevant, was bei Zypern wirklich zu beweisen wäre. Es könnte jedoch auch sein, dass all die Worte nur leere Ankündigungen sind. Das waren sie bei Lehman Brothers auch. Nach außen hin sprach man immer wieder von der Gefahr, intern war die Pleite längst beschlossene Sache. Das wäre keine Überraschung, wenn die EU an Zypern ein Exempel statuieren würde, als abschreckende Maßnahme sozusagen.

Erst am Wochenende hat das EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Assmussen gesagt, er "erwarte" dass eine Hilfsmaßnahme für Zypern bis Ende März steht. Der Tonfall klingt alternativlos. Ist das etwa eine Drohung? Wir hatten erst kürzlich einen Artikel über solch ein Verhalten geschrieben. Es hieß: "Krise: Es wird gedroht und gewarnt". Jedenfalls stellt Assmussen klar, dass man dem Land helfen müsse. Ohne Hilfe würde die Staatspleite nicht aufzuhalten sein.

Als Freund der Finanzindustrie muss dieser Mann auch solche Töne anschlagen. Nur ein geretteter Staat ist ein guter Staat, wenn die Gläubiger keinen Schaden erleiden. Also werden Schreckensszenarien aufgemalt, die bei Zypern schwer vorstellbar sind.

Denn würde die EU Zypern fallen lassen, wäre der allgemeine Schaden wohl überschaubar. Zum einen würde sich der wirtschaftliche Schaden (keine Industrie, keine Lobby) im Rahmen halten. Proteste, die die heile Welt in Brüssel belasten, braucht man aus Zypern nicht fürchten. Hinzu kommt, dass in Zypern offensichtlich viel russisches Geld angelegt wurde. Das würde nahelegen, dass wenn die EU nicht hilft, wohl Russland mit einer Hilfe einspringen könnte.

Die EU könnte das kleine Land opfern. Das wäre so ähnlich, wie die USA im Jahre 2008 bereit war, die Bank Lehman Brothers zu opfern. Der Vorteil aus einer solch unerwarteten Aktion für die EU wäre enorm. Brüssel würde sich mit einem Schlag wieder als wichtig etablieren können. Sie würde sich durch die Maßnahme Respekt erkaufen, da nun die anderen Staaten Sorge hätten, auch fallen gelassen zu werden. Plötzlich würden alle Nationen spuren. Vor allem wäre es ein deutliches Signal an die Spekulanten, dass hier eine Institution sitzt, die nicht immer nur retten, sondern auch fallen lassen kann.

Wuuuumm. Mit einem Schlag wäre die EU vom Rohkrepierer zu einem wichtigen Verhandlungspartner auf Augenhöhe aufgestiegen. Die EU mag noch Lippenbekenntnisse abgeben, sie kann jedoch nicht einfach so weitermachen wie bisher, indem sie "jeden" rettet. Sie wird ihre Strategie ändern müssen, was läge da näher, als mit Zypern ein Exempel zu statuieren?

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

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