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Was passiert mit einem Lastentier, das man überlastet? Es bricht zusammen. Wer nach der Veröffentlichung des „Stressreport 2012“ gehofft hatte, es würde sich Verständnis seitens der Arbeitgeber entwickeln, oder zumindest eine Einsicht zu erkennen sein, dass sich hier etwas zum Falschen bewegt, der wird sich enttäuscht sehen. Denn die Ergebnisse sind ja nicht neu. Der Arbeitnehmer ist immer unter Druck. Er soll ja zum Renditeziel beitragen. Seit wann zählt das Wohl des Menschen am Arbeitsplatz? Er ist eben nur Mittel zum Zweck.

Die Entrüstung, die in den Medien zu lesen ist, kann einfach nicht ernst genommen werden. Es wird um Aufmerksamkeit gebuhlt für etwas, was jeder bereits weiß, nämlich dass die Ziele, die für den Arbeitnehmer vorgegeben werden, kaum oder nicht erreichbar sind. Das kennen Sie bestimmt aus den Stellenangeboten. Da wird auch Unerreichbares gefordert, denn das ist das, was die Unternehmen wollen. Es geht um die Rendite, die man mit Ihrer Leistungskraft herausholen kann. Je mehr der Arbeitgeber herausholen kann, umso besser. Es kommt nicht drauf an, wer Sie als Mensch sind, sondern dass Sie funktionieren. Eine einfache Logik ist das.

Es brauchte nicht erst einen Stressreport, um zu wissen, wie es einem selbst, den Kollegen und den Freuden ergeht. Alle eint das Gleiche am Arbeitsplatz. Für das Unternehmen soll man 24 Stunden zur Verfügung stehen. Das Diensthandy darf nicht ausgeschaltet werden. Es wird erwartet, dass Sie bereits an Ihrem freien Sonntag anreisen, wenn Sie am Montagmorgen einen Termin haben. Gleichzeitig sollen Sie aber den letzten Flieger für den Rückflug buchen, damit Sie so lange wie möglich "arbeiten" können. All diese Mühe wird Ihnen nicht vergütet. Lesen Sie in Ihrem Arbeitsvertrag nach. Dort steht: "Überstunden sind bereits mit dem Gehalt abgegolten".

Der Arbeitnehmer soll immerzu angetrieben werden, eben wie ein Lastenesel, sonst bleibt er stehen. Also wird zu seiner bestehenden Arbeit eine weitere hinzugefügt. Es soll ja nicht langweilig werden. Hinzu kommt, dass man noch in einem Projekt mitmachen soll, das ist dafür, dass der Arbeitnehmer aus dem "üblichen Trott" herauskommt. So jedenfalls formuliert es der Arbeitgeber. Was er nicht sagt, aber erwartet ist, dass Sie all die Ihnen übertragenen Arbeiten in der gleichen Zeit schaffen.

Und wenn Sie das nicht können, dann nehmen Sie doch was mit nach Hause. Wenn die Kinder im Bett sind, dann hätte der Arbeitnehmer doch Ruhe, oder was soll er sonst mit seinem Abend anfangen? Und sollte der Arbeitnehmer doch murren wollen, dann gibt es noch das Werkzeug des Bonussystems. Früher gab man dem Lastentier Zucker, heute heißt es Bonus. Der Arbeitgeber verspricht dem Arbeitnehmer am Anfang eines Jahres etwas, was am Ende des Jahres vielleicht erreicht wird und manchmal nicht. Jedenfalls soll die Hoffnung auf das Zubrot den Arbeitnehmer antreiben. Das ist die simple Absicht.

Vordergründig wird das Bonussystem im Sinne des Angestellten verkauft. Er könne am Erfolg teilhaben. Offensichtlich hilft auch dieses Mittel nicht wirklich, den Arbeitnehmer bei Höchstleistung zu halten. Denn ob Bonus oder nicht, unter zu viel Last bricht jedes Individuum zusammen. Das ist die angebliche "Neuigkeit", die uns der Stressreport 2012 sagen soll. Jeder, der mit offenen Augen durch die Welt geht, weiß, dass dieser beschriebene Zustand nicht erst seit gestern der Fall ist.

Egal wie sehr der Arbeitnehmer sich müht. Er ist und bleibt eine (Human) Ressource. Eine Personalnummer. Ein Gut, um ein Ziel zu erreichen, und zwar das des Unternehmens. Um das Wohl des Angestellten geht es zu keiner Zeit.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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