Buchtipp

Zum Jahreswechsel sprachen führende Politiker aus Brüssel von einem Ende der Krise in Europa. Sie sprachen von erfolgsversprechenden Schritten, die unternommen wurden. Von ersten Erfolgen aus Griechenland, Portugal und vor allem aus Spanien. Während das iberische Land in immer mehr Chaos zerfällt und die Banken immer bedrohlicher wanken, finden einige Politiker immer wieder Gründe, warum alles gar nicht so ist, wie es ist: nämlich bescheiden.

Es ist doch offensichtlich, dass Spanien in einer schweren Krise steckt. Das Land ächzt unter der wirtschaftlichen Flaute. Die Arbeitslosigkeit ist auf Rekordniveau, nämlich bei 26%. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei 60%. Das sind alarmierende Zahlen. Wo soll bei solchen Zahlen Wachstum herkommen? Wieso soll das Land plötzlich besser dastehen als vor einem halben Jahr? Und doch gibt es notorische Politiker und Zentralbanken, die immer wieder eine Verbesserung der Lage herbeireden wollen.

Zum Jahreswechsel sahen Juncker, Schäuble und Co eine deutliche Besserung am europäischen Krisenhimmel. Und woran machten sie das fest? Stille? Ja, möglicherweise ist es ihr Geheimnis. Denn es gibt nichts Grundlegendes, was eine wirkliche Besserung der Lage ausdrücken würde.

Ein Beispiel: Die am meisten herangezogene Begründung, warum es zum Beispiel Spanien besser gehen soll, ist, dass das Land seine Staatsanleihen zu einem vernünftigen Zinssatz an den Mann gebracht hat. Liebe Leser, dass jemand daraus eine Verbesserung der spanischen Situation erkennt (vor allem die der Bürger und der Wirtschaft), ist geradezu absurd.

Die wahre spanische Lage verdeutlicht ein Ausschnitt aus der Webseite der Tagesschau:

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Quelle: Webseite der Tagesschau

Die Hauptnachricht ist von heute, dem 30.01.2013. Sie gibt die Zahlen zum spanischen BIP wieder, die ein Fortschreiten der bisherigen Rezession anzeigt. Am Ende des Berichts wird auf weitere Artikel hingewiesen, die zum Thema passen. Alle Nachrichten sind aus dem September und Oktober des letzten Jahres.

Sie zeigen eine zornige Gesellschaft, die sich protestierend dem Sparkurs der Regierung entgegenstellt. Der Protest ist kein einmaliges Ereignis, sondern die Regel, da sie wiederholt vorkommt. Das Volk und auch die Wirtschaft werden anscheinend durch die Sparzwänge erdrückt. Gleichzeitig heißt es, die wirtschaftliche Talfahrt des Landes setze sich fort. Die einfache Zusammenfassung bis dahin lautet: Die Lage in Spanien ist besonders schlecht.

Nun achten Sie bitte auf die gelb markierte Stelle. Inmitten dieser desolaten Meldungen aus Spanien meldet sich die EZB zu Wort und unterstreicht die "Fortschritte", die das Land gemacht haben soll. Welche? Das wird nicht beantwortet. Hier wird wieder der Blick von der Realität abgewandt und das mit voller Absicht.

"Diese andauerte Verschönerung der Lage kann nur von der Zentralbank kommen", muss der Leser sofort denken. Daran erkennt man auch sehr schnell, wie unnütz die Markteinschätzungen der EZB sind, denn sie sind ja nicht objektiv. Die EZB muss die Lage, schon aus ihrer Natur heraus, immer schönreden.

Wohin die "Fortschritte" die spanischen Bürger und die spanische Wirtschaft gebracht haben, kann sich die EZB bei den Nachrichten der Tagesschau ansehen.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

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