Buchtipp

Die Medien interessiert derzeit mehr, was auf dem Aktienmarkt passiert, als was aus der Schuldenkrise im Süden Europas geworden ist. Denn offensichtlich berichtet kaum ein Blatt mehr von den Sorgen und Problemen der europäischen Nachbarn. Da die Probleme nicht verschwunden sind, eben auch nicht gelöst wurden, muss es doch Medien geben, die sich damit befassen. Fehlanzeige. In den deutschen Medien jedenfalls kann man von der Schuldenkrise nichts mehr lesen und hören. Kann das Absicht sein?

Schnell kommt dem Beobachter die Wahl in Niedersachsen in den Sinn. Wollte man dort kein Störfeuer entfachen? Merkel und Schäuble werden nicht müde zu betonen, wie erfolgreich sie sich während der Verhandlungen zur Krisenbekämpfung gegeben haben. Schäuble geht sogar soweit, dass er von einem Ende der Krise spricht. Überhaupt ist dieses Jahr Wahljahr in der Bundesrepublik. Wird man die kommenden Monate gänzlich auf negative Nachrichten aus Südeuropa verzichten müssen? Man muss hier negative sagen, denn überraschenderweise sind die Medien schnell zur Stelle, wenn es (scheinbar) Gutes zu berichten gibt.

Zum Bespiel, wenn ein griechischer Eselhändler diesen Winter zehn Esel verkauft hat und sonst nur fünf verkauft. Dann wird gleich von einer 100% Steigerung der Wirtschaftsleistung gesprochen und das Licht am Ende des Krisentunnels erblickt. Es gehe aufwärts, wird dann in den Medien verkündet. Oder wenn sich in Spanien die Schulden türmen und in einem Monat weniger stark zulegen als sonst, dann wird schnell von einem Ende des spanischen Leidens gesprochen. Natürlich ist die Darstellung verzerrt, jedoch ist die Grundrichtung täglich in allen Medien anzutreffen. 

Das gilt eben nur für die positive Variante. Wenn es jedoch Nachrichten gibt, die eine Verschlechterung der Lage in Südeuropa wiedergeben, dann verstummen die medialen Kanäle ganz plötzlich. So gibt es immer noch keine Lösung, wie man mit der Schuldenproblematik, die ganz Europa betrifft,  umgehen will.

Immer, wenn die nächste Zahlung einer Nation an ihre Gläubiger droht, wird es etwas lauter um den jeweiligen betroffenen Staat. Jedoch verstummt dieses Thema dann sehr schnell, denn irgendwie ist zu jedem Zeitpunkt der Zahlung dann doch Geld da.

Scheinbar haben sich die Brüsseler Politiker, die Geldherren aus dem Frankfurter EZB Tower und die für die Schulden bürgenden Deutschen irgendwie auf eine Vermeidung von negativen Nachrichten geeinigt. Die Krisenländer halten von sich aus still, da man sie mit frischen Euros ruhig gestellt hat. Aber warum schweigen die Medien, die sich durch ungeschminkte Nachrichten hervortun müssten?

Die Medien sind es, die durch permanente Berichterstattung die Politik vor sich hertreiben müsste, damit sie endlich die Probleme angeht und folglich Veränderungen bewirken kann.

Alles weit gefehlt, liebe Leser. Die Medien wollen lieber diskutieren, ob die Sängerin Beyonce Knowles bei der amerikanischen Amtseinführung des Präsidenten live gesungen hat oder ob es sich um Playback gehandelt hat. Die Medien wissen eben, wie man mit Belanglosem die Seiten füllt.

Seit vielen Wochen wird in den großen Medien kaum etwas Neues aus dem Süden Europas berichtet. Es wird nicht über die Folgen des Spardiktates aus Brüssel berichtet und auch nicht, wie sich die Menschen ohne Arbeit und Wohnung durchschlagen. Das kann wohl kaum Zufall sein, denn kleinere Blogs und kleine Medien haben im Gegensatz zu den Großen viel aus dem Süden des Kontinents zu berichten.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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