Buchtipp

Am gestrigen Handelstag konnte man sehr gut verfolgen, wie es aussieht, wenn Marktteilnehmer die Nerven verlieren. Kurz nach der Eröffnung schoss der DAX in einer geraden Linie um 100 Punkte nach Süden. Wenn die Bullen ihre Aktien zu jedem Preis loswerden wollen, dann geht das ganz schnell. Hinzu kommen die Handelscomputer, die gefühllos den Druck erhöhen. Aus Gründen, die nur der DAX kennt, beruhigte sich die Lage gestern recht schnell. Doch die Nerven liegen blank. 

Mit jedem Tag, an dem es keine eindeutige Richtung am Aktienmarkt gibt, wird die Stimmungslage gespannter. Die Käufer, die Bullen unter den Anlegern, warten jetzt schon seit vielen Tagen auf einen fortscheitenden Anstieg im Markt. Diesen Wunsch erfüllt der DAX diesen Anlegern nicht. Genauso warten de Verkäufer, die Bären, auf fallende Kurse. Man hat sich bereits mit Short-Papieren eingedeckt und wartet nun auf den Fall. Aber auch dieser will sich einfach nicht einstellen.

Beide Marktgruppierungen stehen jetzt stark unter Druck. Die Bären haben ihre Anteile verkauft und wollen wieder billiger in den Markt. Sie warten auf fallende Kurse, um bei Schwäche wieder einsteigen zu können. Gleichzeit wollen sie die Phase kurzfristig fallender Kurse mit Short-Produkten handeln. Sollte sich ihre Erwartung der zukünftigen Marktentwicklung nicht bestätigen und der DAX ihnen davonlaufen, dann wären die Short-Anleger im Rahmen eines Shortsqueeze genötigt, ihre Positionen glattzustellen.

Diejenigen Anleger, die den Aktienmarkt an sich vorbeifahren sehen, würden schnell noch auf den fahren Zug aufspringen wollen. Damit bekäme der Markt einen starken Antrieb. Vor allem würden die Bären das Gleiche machen wie die Bullen, nämlich kaufen. Das passiert aber erst, wenn der DAX den Anlegern davonläuft.

Die Bullen, die auf den Gewinnen der letzten Zeit sitzen, haben ebenfalls angespannte Nerven. Verkauft man seine Anteile, solange die Kurse so hoch sind, oder lässt man die Gewinne noch weiter laufen? Gestern ist der Schreck in die Glieder all derjenigen gefahren, die den Sturz im DAX verfolgt haben. Wer also gestern noch nicht verkauft hat, sieht jedoch, dass es ganz schnell gehen kann, wenn man zu lange wartet. Das erhöht der Druck.

Das Warten auf steigende Kurse ist nun eine Sache auf Messers Schneide. Es ist genauso möglich, dass sich der Markt weiter nach oben macht und damit die Wartenden an der Seitenlinie zum Handeln zwingt. Diese wären falsch positioniert und müssten schnell agieren. Ebenso können sich diejenigen Aktienbesitzer entschließen, ihre Gewinne mitzunehmen und ihre Aktien zu verkaufen. Kommt hier eine Bewegung zustande, die ähnlich wie am gestrigen Tag eine lawinenartige Bewegung in Gang setzt, dann kann der Markt deutlich nachgeben.

Damit eines der beiden beschriebenen Szenarien zum Tragen kommt muss einer der beiden Marktteilnehmer, nämlich die Bullen oder die Bären, den DAX in Bewegung setzen, indem er handelt. Entweder können die Bullen den Markt hochdrücken und damit die Bären in Zugzwang bringen oder die Bären können fallende Kurse erzwingen.

Dafür braucht es nicht einmal ein externes Ereignis. Es reicht einfach aus, nur abzuwarten, denn die Zeit macht die Wartenden mürbe. Je länger nichts passiert, umso strapazierter die Nerven der Marktteilnehmer. Wer den Druck nicht aushält, handelt in Panik und damit hätten wir die fehlende Bewegung.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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