Buchtipp

In der Regel trifft ein Mensch eine Entscheidung und bleibt dabei. Man sagt auch, er steht zu seiner Meinung. Er verteidigt seine Handlung gegen anderslautende Einschätzungen, weil er überzeugt von dem ist, was er für richtig hält. Anders hingegen am Aktienmarkt. Dort ist der Anleger verloren in Selbstzweifeln, ob seine Einschätzung des Marktes richtig ist oder nicht. Was denken die anderen? Die heutige Meinung ist morgen schon falsch und umgekehrt. Ist der Anleger ein Fähnlein im Wind?

Zweifel sind im Leben normal, jedoch am Aktienmarkt besonders oft anzutreffen. Die Frage, die dem Anleger andauernd durch den Kopf geht, ist die immer dieselbe: Hat man das Richtige getan? Zum Beispiel denkt er, eine Aktie müsste fallen. Wenn jedoch die anderen sagen, dass genau diese Aktie sehr gut aufgestellt ist und noch Potential hat, dann beginnen erneut die Gedanken zu kreisen. 

Sollte unser Anleger seine Meinung neu überdenken? Soll er anstatt der ursprünglichen Idee von short auf long switchen, also auf steigende Kurse setzen. Offensichtlich haben die anderen eine andere, vielleicht gar eine bessere Analyse zur Hand, wer weiß das schon. Also gibt der Anleger seine ursprüngliche Haltung so langsam auf. Die anderen sind gefühlt in der Mehrzahl.

Ähnlich verhält es sich bei charttechnischen Beurteilungen. Zum Beispiel geht ein Anleger davon aus, dass der DAX steigen müsste. Steigt dieser jedoch nicht sofort, wird dem Anleger schnell mulmig zumute. Der Index müsste sich jetzt aber bewegen, wird angenommen. Je länger das nicht passiert, umso weichgekochter wird unser Marktteilnehmer. Läuft der Index sogar gar in die „falsche“ Richtung, wird meist voreilig die eigene Meinung über Bord geworfen. 

Der Anleger ist zu jeder Zeit gespalten in der Interpretation der Marktmeinung und seinen eigenen Vorstellungen. Das ist so, seitdem es die Börse gibt. Die meisten Teilnehmer wollen eigentlich ihre Meinung nach dem Wind drehen. Sie wollen sofort auf die Veränderungen im Markt reagieren. Steigt der Markt, wollen sie mit dabei sein, fällt er dann, ebenso. Im Prinzip sind sie ganz ohne gefestigte Meinung.

Andersherum gibt es Anleger, die ihrem Urteil vertrauen und sich nicht aus der Bahn werfen lassen. Sie verlassen sich sozusagen auf ihre Meinung. Das kann manchmal ganz erfolgreich sein, kann aber auch ins Auge gehen. Dann nämlich, wenn alle anderen auf fallende Kurse gesetzt haben und der Anleger ganz allein long im markt ist. Das kann viel Geld kosten. Sie sehen, der Markt hat auf jede Einstellung eine Antwort parat. Es ist gar nicht so einfach.

Deshalb ist die Gratwanderung zwischen der eigenen und der Meinung der anderen so kompliziert. Es hilft nicht, Recht haben zu wollen, wenn alle anderen Börsenteilnehmer etwas anderes wollen. Andersherum will niemand den anderen folgen und in sein Verderben rennen. Man hat ja den eigenen Kopf zum Denken.

Hat der Anleger zum Beispiel keine Meinung, dann handelt er wie ein Handelscomputer. Emotionslos. Das hält kaum ein Anleger aus, denn ein Mensch bleibt ein Mensch und lässt sich von seinen Gefühlen leiten. Zudem ist der Mensch ein Herdentier. Er fühlt sich in der Gruppe wohl. Je mehr er mit den Meinungen der anderen im Gleichklang ist, desto besser. 

Das ist auch der Grund, warum eine eigene Meinung an der Börse meist zum Unwohlsein führt. Man ist alleine. Das will jedoch niemand.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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