Tradingservice

Wenn ein rasendes Auto auf ein Hindernis zusteuert, und es keine Möglichkeit gibt, das Fahrzeug anzuhalten, dann werden die Insassen zusehen, dass sie rechtzeitig abspringen. Das Gleiche gilt für die Börse. Jeder Teilnehmer weiß, dass die aktuelle Hausse nur auf dem frischen Geld der Zentralbanken basiert. Die Wand ist also bereits zu sehen, die Feierstimmung neigt sich dem Ende zu. Der Aufprall ist nicht zu vermeiden. Nur wann wird abgesprungen? Zudem, wer springt zuerst und wer bleibt bis zum letzten Moment sitzen?

Niemand kauft derzeit Aktien der Unternehmensbeteiligung wegen. Die meisten Marktteilnehmer kaufen den Trend, das sind vornehmlich Handelscomputer. Sie reiten den Bullen, solange die Pluszeichen dominieren. Die Banken kaufen auch, was sollen sie auch mit dem vielen Geld machen, dass sie von der EZB erhalten bzw. welches sie nicht als Kredit vergeben wollen? Sie investieren im Eigenhandel. Doch ein Investment in Aktien basiert langfristig auf Unternehmensentwicklungen und den Unternehmensgewinnen. Das wird derzeit am Markt komplett ausgeblendet. Das kann nicht gutgehen, soviel ist sicher.

Der DAX steigt schon seit 15 Monaten und die Kurse zeigen keine Anzeichen von Müdigkeit. Das ist ein ebenso wichtiges Puzzleteil, dass die Dinge nicht mehr normal laufen. Wenn es nur Käufe gibt, so als würde der Geldfluss auf das Parkett nie enden wollen, dann ist das ein Beweis dafür, dass hier mit billigem Geld gewettet wird. Niemand würde so mit dem hart erarbeiteten Angestelltenlohn oder dem Ersparten umgehen.

Das Kartenhaus wird mit jedem Tag höher, an dem die Kurse steigen. Es ist und bleibt jedoch ein Kartenhaus, und wie das bei Kartenhäusern üblich ist, fallen sie beim kleinsten Luftstoß oder Bewegung in sich zusammen.

Wenn der Aufprall so klar ist, warum steigen die Markteilnehmer denn nicht sofort aus, mag mancher fragen. Die Frage ist berechtigt. Da kommt das Anlegerverhalten ins Spiel. Die Party wird zum Höhepunkt hin immer schöner. An der Börse sind es die Profite, die immer kräftiger werden. Zum Ende solcher Phasen ist die Investition, egal in welche Aktie, fast schon sicher und der Anleger kann kaum noch verlieren. Das wiederum hat zur Folge, dass das „doppelte Netz"-Gefühl der Anleger steigt. Sie wähnen sich in diesem Markt besonders sicher.

In der Folge kaufen die Anleger größere Positionen, als sie es bisher getan haben. Sie wollen schneller reich werden. Die Investoren vernachlässigen dabei ihr Risikomanagement und setzen keine Stopp-Loss-Marken mehr. Man will ja nicht wegen ein wenig Hin und Her des Aktienkurses aus dem Markt geworfen werden, heißt es dann mit der Inbrunst der Überzeugung. Die Teilnehmer sind sich (zu) sicher, denn es kann ja nichts schief gehen.

Diese Sicherheit dominiert auch derzeit am Aktienmarkt, oder kennen Sie jemanden, der nicht auf weiter steigende Kurse wettet? Es kann nur weiter hochgehen, ist die gängige Meinung. Wer da nicht mitfeiern will, wird schnell zum unerwünschten Gast. Doch die Marktbewegungen sind immer gleich. Es gibt gelegentlich Unterschiede in dem Ausmaß, das eine Übertreibung braucht, um sich auszutanzen. Doch eine Übertreibung hat immer ein Ende.

Das gilt auch für die derzeitige Phase, in der von Aktienunternehmen und deren Entwicklung keine Rede mehr ist. Manch einer wird sich an die Neuer-Markt-Zeit erinnern, wo Aktien gekauft wurden, weil die Unternehmen attraktive Namen hatten. Was die gemacht haben oder ob sie Geld verdienen konnten, wurde nicht erfragt. Man kaufte blind.

Blind ist man derzeit auch, wenn man die Risiken am Aktienmarkt ausblendet. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass das Kartenhaus Aktienmarkt schon sehr hoch gebaut ist. Bald wird es nicht mal mehr ein externes Ereignis brauchen, um umzufallen, denn wenn es zu hoch gebaut ist, dann reicht schon eine kleine Unachtsamkeit.

An der Börse kann man Geld gewinnen. An der Börse kann man jedoch auch Geld verlieren, vor allem, wenn man sich zu sicher ist. Sicher ist nämlich gar nichts, außer dass jede Phase ein Ende hat.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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