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Der Mensch muss überzeugt sein von dem, was er macht. Das gilt natürlich auch für den Kauf von Aktien. Das Gottvertrauen in die eigene Entscheidung darf jedoch nicht in blinde Sturheit umschlagen. Dann handelt es nicht mehr um Vertrauen in die eigene Fähigkeit, sondern um blanke Gier. Der Anleger will dann nur noch Recht bekommen. Diesen Wunsch erfüllt die Börse jedoch selten. Oftmals quittiert sie solch ein Handeln mit Verlusten, damit der Anleger daraus lernt.

Sie kennen diese Szene bestimmt: Jemand hat Aktien eines Unternehmens gekauft und hofft nun auf steigende Kurse. Er glaubt, er hat genau das Richtige zur richtigen Zeit getan. Er ist eingestiegen. Nun erzählt dieser Anleger von den Vorzügen dieses Unternehmens, von den ganzen tollen Ideen, die es hat, von den vielen Produkten, die es besitzt. Es scheint, alles ist toll an diesem Unternehmen und bald werden auch andere Anleger diese Vorteile erkennen und einsteigen. So beginnt fast jede Aktienanlage.

Zur Überraschung fällt der Aktienkurs. Der Grund ist dann schnell geliefert: Das Wertpapier fällt im Wert, weil der Markt fällt, da kann sich eine super Aktie nicht davon freimachen. Aber sobald der Markt wieder steigt, dann wird genau diese Aktie besonders deutlich zulegen, heißt es aus der Richtung des Käufers. Wider Erwarten fällt der Aktienkurs weiter. Jetzt wäre es Zeit, darüber nachzudenken, dass man vielleicht einen Fehler gemacht hat, dass man sich vielleicht von dieser "besonderen" Aktie trennen sollte. Weit gefehlt.

Die meisten Anleger wollen genau jetzt ihren offensichtlichen Fehler ausbügeln. Der Anleger will nachkaufen. Er will den Einstandskurs verbilligen. Das alles natürlich zum Wohle seiner Position. Er will die Chance, die ihm der Markt gibt, noch billiger einzusammeln, nutzen. Wenn jetzt Freunde oder Familie eine gegensätzliche Meinung zu dieser Einstellung haben, wird mit Ignoranz reagiert. "Ihr versteht das nicht" oder "Ihr seht nicht das Potential dieser Aktie", ist die gängige Antwort.

Solch ein Verlauf eines Aktieninvestments ist fast jedem Börsianer hinlänglich bekannt. Fast immer geht das Ganze dann schief und am Ende wird mit großen Verlusten verkauft. Das hätte so nicht sein müssen, wäre der Anleger nicht so stur gewesen. Nicht nur das Geld ist weg, vor allem ist auch die nervliche Belastung nicht zu unterschätzen. Der Anleger hängt am Rechner, sucht und findet dauernd neue Meldungen, die sich mit seiner Meinung decken. Er verfolgt jede neue Kursfeststellung, er verfolgt sozusagen die Aktie, man könnte glatt von Aktienstalking reden.

Auch die körperlichen Auswirkungen sind unangenehm, der ruhige Schlaf ist geraubt. Die Sorgen sind allgegenwärtig und weit und breit ist niemand, der den Anleger in seiner Lage versteht. Am liebsten wünscht er sich, dass es gar nicht soweit gekommen wäre, doch nun ist es zu spät.

Jeder an der Börse darf einen Verlust machen. Dieser muss nur klein und überschaubar bleiben. Ein Verlust ist auch kein Eingeständnis eines Fehlers, sondern Teil der Börse. Man darf nur nicht versuchen, einen persönlichen Zweikampf "Anleger gegen Börse" daraus werden zu lassen. Den Zweikampf wird jeder Anleger verlieren. Der Schmerz des Verlustes soll ihn heilen, mit dem Ziel, ihn diesen Fehler nicht wieder machen zu lassen.

Leider können die meisten Anleger viele Schmerzen ertragen. Sie wollen einfach nicht vor ihrer Meinung abweichen. Daher muss jeder Anleger für sich entscheiden, wann er seine Sturheit ablegen möchte.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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