Indikatoren-Trading

In den Medien geht die Ausarbeitung des Beratungsunternehmens Ernst & Young zum Thema Arbeitslosigkeit in der Eurozone um. Die Krise am Arbeitsmarkt werde sich verschärfen und im zweiten Halbjahr des Jahres mit 20 Millionen Arbeitslosen einen Rekordwert erreichen, so die Kernaussage. Das Besondere an dieser Studie ist, dafür hätte es gar keine Beratungsleistung gebraucht. Darauf wäre jeder gesunde normal denkende Mensch auch gekommen, aber nein, es passt zu unserer Zeit, dass der Berater uns die Augen öffnet.

Vielleicht kennen Sie das aus Ihrem Unternehmen. Die Unternehmensführung ist nicht in der Lage einen Stellenabbau zu kommunizieren aus Furcht vor der Reaktion der Mitarbeiter und Dritter. Also was macht ein modernes Unternehmen in der heutigen Zeit? Es heuert ein Beratungsunternehmen an, das dann zu dem Ergebnis kommt, dass eine bestimmte Anzahl an Stellen gestrichen werden muss. Das nimmt die Unternehmensleitung dann als Vorwand und zeigt mit dem Finger auf das Beratungshaus und verkündet die Entlassungen. Der Consultant bekommt den Schwarzen Peter, wird entsprechend dafür bezahlt und die Unternehmensleitung erreicht ihr Ziel.

Der Berater weiß nämlich, wie der Hase läuft, jedenfalls glauben dass diejenigen, die einen Berater anheuern. Ob das wirklich immer der Fall ist, darf bezweifelt werden. Aber ja. Auch der Zweifel ist in unserer Zeit nicht erwünscht. Also lassen wir das mal so dahingestellt.

Auch im Falle der steigenden Arbeitslosigkeit in Europa sollte nachgefragt werden, was die Neuigkeit dieser besonderen Ausarbeitung ist. Die Arbeitslosigkeit in der Eurozone soll weiter steigen. Alles andere wäre ja auch sehr verwunderlich. Zunächst einmal ist die Krise noch gar nicht an ihrem Höhepunkt angekommen. Bisher hat billiges Geld der Zentralbanken einen stärkeren Ausbruch verhindert. Es wird deshalb noch schlechtere Tage geben. Die jetzt schon massive Arbeitslosigkeit kann daher nur weiter steigen. Die Unternehmen werden (und müssen) sparen oder gar abwandern. In Griechenland hat die Abwanderung bereits begonnen. Das ist nicht überraschend, sondern Teil der Krise.

Der Kreislauf des Gesundschrumpfens hat erst begonnen und wird noch einige Jahre so bleiben. Das gilt nicht nur für Südeuropa. Auch Mitteleuropa wie Frankreich und Deutschland wird sich mit der Krise direkt konfrontiert sehen. Wem die Absatzmärkte wegbrechen, der ist unweigerlich von der Krise betroffen. Dann muss ein Unternehmen seine Produktion drosseln und Überkapazitäten abbauen. Dazu gehört auch die Entlassung von Mitarbeitern. Das ist ganz normal und sollte nicht überraschen.

Es ist jedes Mal verwunderlich, wie wenig der gesunde Menschenverstand Beachtung findet, während eine externe Ausarbeitung eine Art seriöse und fundierte Legitimierung besitzt. Gewiss ist die Studie von Ernst und Young bestimmt gut und richtig. Nur der mediale Rummel, der um eine selbstverständliche logische Sache gemacht wird, ist verwunderlich.

Um bei den Beispielen aus der Unternehmenswelt zu bleiben: Macht der Mitarbeiter einen Vorschlag, wird dieser meist nur halb angehört und gerät bald in Vergessenheit. Anders im Consulting Business. Macht der Berater einen Verbesserungsvorschlag, dann werden alle Hebel sogleich in Bewegung gesetzt, auch wenn man den Vorschlag nicht gänzlich verstanden hat. Und warum macht ein Unternehmen das? Weil es der Berater gesagt hat.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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