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Ein Schauspiel dient der Unterhaltung der Zuschauer. Ein Schauspiel sehen wir auch bei dem aktuellen Haushaltsstreit in den USA. Republikaner und Demokraten können sich nicht einigen, das wird in der Folge automatische Kürzungen mit sich ziehen. Ein Drohszenario wird geschürt, dass dem Beobachter fast die Luft zum Atmen wegbleibt. In immer kürzeren Abständen wird eine Dramatik inszeniert, die der in den Filmen aus Hollywood in nichts nachsteht. Auch die Filmstudios arbeiten nach dem gleichen Muster. Man braucht drei Akte.

Kaum ist der Weltuntergangshype um das Ende des Maya Kalenders abgeklungen, da geht es schon gleich weiter mit der nächsten Weltuntergangsgeschichte. Die USA stehe vor der Klippe und drohe abzustürzen. Man könnte auch gelassener sagen: wer sich ungesichert in der Nähe einer Klippe tummelt, der verdient es nicht anders. Das würde jedoch die Medien und ihre Leser nicht so in Spannung versetzen, so wie man dieses Thema der Fiskalklippe jetzt ausschlachtet.

Es vergeht kein Tag ohne wichtige Neugikeiten zu diesem Thema. Kein Tag, an dem nicht der Präsident unerwartet seinen Urlaub abbricht oder der Finanzminister Zahlungen des Landes aussetzen will. Es vergeht kein Tag, an dem nicht neue schlimmere Folgen einer „Nicht-Einigung“ in aller Gründlichkeit wiedergegeben werden. Die Dramatik ist im vollen Gange und die Spannung ist nicht zu überbieten. Das ist Unterhaltung vom feinsten. Denn genau das ist das Geschacher um den kommenden US-Haushalt und nichts anderes.

 

Das Muster eines Schauspiels ist meist in drei Akte aufgeteilt. Es läuft wie folgt ab:

Akt 1: Die wesentlichen Hauptdarsteller, deren Umgebung, die Ausgangslage, deren typische Handlungen, ihre Ängste und ihre Probleme werden zunächst dargestellt. Es geht darum, die wesentlichen Personen und ihr Umfeld kennenzulernen. Der Zuschauer wird so in den Film hineingezogen. Man beginnt mit den Darstellern zu fühlen.

Unser Film: Obama, ein friedvoller Präsident mit Familie und Hund, hat nur Gutes im Sinn. Er will die amerikanische Bevölkerung vor dem Bösen schützen. Er müht sich redlich, es allen recht zu machen. Er ist ein Sympathieträger und wurde wiedergewählt. Jetzt will er handeln und seine Versprechen in Taten umsetzen. Im Repräsentantenhaus hat Obamas Partei keine Mehrheit, sodass er sich immer wieder zu Kompromissen genötigt sieht. Ein normaler Präsident eben, der es nicht leicht hat.

Akt 2: Der Hauptdarsteller wird nun aus seinem Alltag in Probleme und Schwierigkeiten hineingezogen und muss sich behaupten. Der Zuschauer erlebt die Probleme gemeinsam mit dem Helden. Die Zerrissenheit der Problematik wird im Detail herausgearbeitet. Gleichzeitig kann hier ein Zeitfaktor mit eingebaut werden, der die Dramatik erhöht. In den Filmen ist das meist die zu entschärfende Bombe, in dem aktuellen Fall eben die automatischen Sanktionen zum 01.01.2013.

Unser Film: In den Fragen des Haushalts können sich die beiden Parteien Republikaner und Demokraten nicht einigen. Und oh Weh, das Land steuert damit ohne Steuermann auf die besagte Klippe zu. Denn ohne Einigung wird der Absturz schmerzhaft für das ganze Land werden. Automatische Sanktionen werden das Land wohl in eine Rezession führen, einen Aktiencrash auslösen und dem Land einen irreparablen Schaden zufügen. Oh Gott, und die Zeit arbeitet gegen unsere Darsteller, die sich redlich mühen und alles Mögliche unternehmen. Werden unsere Helden es noch schaffen können, das geliebte Land zu retten?

Akt 3: Der Hauptdarsteller sieht sich mit dem Problem konfrontiert. Die ausweglose Lage hat ihn in die Enge getrieben. Jetzt, wo dem Zuschauer jede Hoffnung abhandenkommt, kommt es zu einer unerwarteten Wendung und plötzlich wendet sich das Blatt. Das zunächst unlösbare Problem wird dann doch gelöst. Unser Hauptdarsteller bekommt wieder Auftrieb und beendet wird das Schauspiel mit einem Happy End.

Unser Film: Demokraten und Republikaner sehen dem Jahresende gebannt entgegen. Jeder verharrt auf seiner Position und will nicht nachgeben, doch werden sie sich in letzter Minute doch einigen können. Das war bisher auch bei der Anhebung der Schuldenquote nicht anders. Medial wird aber bis zur letzten Minute geschachert und dramatisiert. Wenn die USA den Spannungsbogen ausreizen will, dann wird sie gar den Januar beginnen lassen und dann rückwirkend eine Einigung verkünden. Der Zuschauer freut sich über die Rettung in buchstäblich allerletzter Minute.

Film ENDE.

 

Viele Betrachter sind es leid, dass die USA ihre Probleme immer so dramatisieren muss. Vor allem auch, dass die ganze Welt an so einem lächerlichen Haushaltsstreit teilhaben muss. Wenn die gewählten Politiker das Wohl ihres Landes im Kopf hätten, würden sie sich einigen. Das wollen sie scheinbar nicht. Also muss hier weiter geschauspielert werden, um das Volk zu unterhalten.

Nicht jeder Film ist ansehnlich, auch der Film der USA über ihren drohenden Absturz über die Fiskalklippe nicht. Jedoch ist jeder Film nach dem gleichen Muster aufgebaut und das sehen wir hier ganz deutlich. Also nicht erschrecken. Es ist nur ein Schauspiel.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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