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Als mit der Pleite der Lehman Brothers Bank die Finanzkrise ihren Anfang nahm, da ging alles plötzlich ganz schnell. Die Einlagen wurden garantiert, die Banken gerettet, die Keller mit Lebensmitteln gefüllt, das Ersparte von der Bank genommen und Goldunzen gekauft. Die Menschen hatten sich auf die Krise vorbereitet und warteten nun, dass diese einsetzt. Das war 2008. Doch passiert ist seitdem nichts. Jedenfalls glauben das einige Bürger. 

Erwartet wurde ein Einbruch, wie man ihn auf Bildern der großen Depression Ende der 20er Jahre vor Augen hat. Der Absatz vieler Produkte sollte rapide einbrechen, Unternehmen sollten massenhaft schließen müssen und daraufhin die Arbeitslosigkeit stark steigen. Der Aktienmarkt sollte einbrechen und den Anlegern horrende Verluste bescheren. So hat man sich die Folgen der Finanzkrise im Jahre 2008 vorgestellt. Doch besonders in Deutschland ist davon weit und breit nichts zu bemerken. Alles geht seinen gewohnten Weg.

Hat sich der verschreckte Bürger vielleicht doch zu viele Sorgen gemacht? Waren die Vorräte im Keller doch nicht nötig? Hat man sich zu sehr verängstigen lassen? Einige Menschen bekommen nun erste Zweifel, denn das Erwartete ist nicht eingetreten, also liegt man vermutlich mit seiner bisherigen Annahme wohl falsch. Ist ein Umdenken nötig?

Nein, lautet die Antwort. Der Krisenbeginn 2008 und die Zeit jetzt, Ende 2012, sind grundverschieden. Als die Krise ausbrach, wussten die Menschen noch gar nicht, was auf sie zukommen wird. Jeden Moment hätte die Finanzwelt zusammenbrechen und die reelle Wirtschaft mit in den Abgrund ziehen können. Die Menschen mussten sich schützen bzw. Vorsorge treffen. Das war zu dieser Zeit richtig und wichtig.

Was hat sich nun geändert? Nun haben die Menschen eine Antwort erhalten, wie mit der Krise umgegangen werden soll. Die wichtigste Nachricht kam von der Zentralbank EZB. Sie werde alles für den Erhalt des Euros tun, sagte sie sinnbildlich. Damit ist die Strategie offengelegt, dass die Euroretter bis auf das letzte Papier auf diesem Universum Geld drucken werden. Ihre Antwort auf die Krisen dieser Welt ist das Bereitstellen von Liquidität. Der Markt soll so weiter laufen wie bisher. Die Liquidität ist das Schmiermittel dafür.

Das ist auch der Grund, warum der Mensch, der schon frühzeitig einen Zusammenbruch der heutigen Strukturen erwartet hatte, heute so fühlt, als gehe alles seinen normalen Weg. Das tut es beileibe nicht. Die Welt ist genauso am Abgrund wie im Jahre 2008. Heute ist daher ein Systemcrash genauso möglich wie damals, eben nur verzögert. Das Drucken von Geld verschafft allen, die in Not sind, etwas Zeit. Es löst jedoch kein Problem, wie wir in unserem Blog schon des Öfteren berichtet haben.

Die Krise wird aufbrechen und ihr wahres Gesicht zeigen. Es geht gar nicht anders, weil Geld keine Lösung ist. Das Schwierige ist eine Zeitdefinition, da der Ausbruch zwar überfällig ist, jedoch durch die Interventionen der Zentralbanken in einen zeitfreien Raum hineingelaufen ist. Theoretisch kann die Zentralbank zu jedem neuen Problem noch mehr Geld bereitstellen und die Klagenden damit zum Schweigen bringen.

Die Klagenden kommen vornehmlich aus dem Süden Europas. Bisher ist Europa gewillt und in der Lage gewesen, diesen Staaten zu helfen. Die Scheinwelt einer Gemeinschaft, in der jeder für jeden eintritt, wird bisher aufrecht gehalten. Doch erste Risse werden deutlich. Die Zukunft Europas steht auf wackligen Beinen, denn in Wirklichkeit ist jede Nation sich selbst am nächsten. Bald werden die Klagenden noch mehr werden, Frankreich und Italien klopfen bereits an. Spanien erwägt seit Monaten den Hilfsantrag zu stellen, traut sich aber bisher nicht. Wenn all diese Staaten ebenfalls Geld benötigen, kann Deutschland dann jedes Land retten?  Die Sorgen sind also allgegenwärtig, die Krisensignale nicht zu übersehen.

Jede neue Hilfsmaßnahme ändert nichts an der Interpretation der Krise und der Gefahr, die von ihr ausgeht. Die Krise war da und ist immer noch da. Sie versteckt sich im Gewand einer scheinbaren Rettung, doch diese ist trügerisch. Lassen Sie sich nicht vor Ihrer bisherigen Meinung abbringen, auch wenn Sie Zweifel verspüren sollten.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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