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In den Medien ist von Hedgefonds zu lesen, die eine halbe Milliarde Gewinn gemacht haben. Sie haben sich an unsicheren Tagen mit Griechenland Anleihen eindeckt und nun sind die Papiere im Wert gestiegen. Leider kommunizieren die Medien dies in einem Ton, der einem Fingerzeig gleichkommt. Die Bösen da haben soviel Geld gewonnen, sie haben sich an der Krise bereichert. Seht nur wie viel, klingt zwischen den Zeilen durch. Das wird der Diskussion um Investitionen und Spekulationen nicht gerecht. Jeder hätte Griechenlandpapiere kaufen können, oder etwa nicht?

So ist das, wenn man auf etwas spekuliert, dass einen 50/50 Ausgang hat. Mal liegt man richtig und gelegentlich auch mal falsch. In dem Fall haben Investoren auf den Treueschwur der EU gesetzt, dass sie Griechenland nicht pleitegehen lassen wird. Der Plan ist aufgegangen. An besonders schlimmen Tagen waren Griechenlandanleihen sehr wenig wert und nun, nachdem die letzte Tranche bezahlt wurde und die Ratingagentur S&P die Bonität des Landes angehoben hat, wird es wieder still (risikoärmer) um die Hellenen. In der Folge steigen die Papiere im Wert.

Die grundlegende Frage ist: Was ist denn jetzt falsch an der Spekulation? Es ist doch erlaubt. Dieser Punkt wird in einer Berichterstattung meist ausgeblendet. Nehmen wir an, ein Hund findet auf dem Küchentisch eine Wurst und frisst sie auf. Dann würden die Medien den Hund tadeln, weil dieser seinem natürlichen Instinkt nachgekommen ist und die unbeaufsichtigte Wurst gefressen hat. Tatsächlich müsste aber derjenige zur Verantwortung gezogen werden, der die Wurst unbeaufsichtigt und in Reichweite des Hundes liegen hat lassen. Es ist eben so: Der Hund wird eine Wurst fressen, wenn er die Gelegenheit dazubekommt. So ist das mit der Spekulation von Finanzunternehmen, die ebenfalls auf die Gelegenheit warten. In Griechenland gab es sie.

Am Finanzmarkt ist jede Spekulation eine Wette mit ungewissem Ausgang. Die Sache hätte auch schief gehen können, dann hätte der Hedgefonds seinen Einsatz verloren. Darüber hätte wohl niemand berichtet. Das ist eben auch nicht so Aufmerksamkeit erregend.

Man muss Finanzspekulationen (egal in welche Richtung) nicht mögen. Das gilt insbesondere für die Spekulation auf Grundnahrungsmittel oder das Beeinflussen eines Aktienkurses (z. B. VW-Porsche) oder eben die Spekulation auf die Pleite eines Landes. Erst letztens gab es eine ähnliche Diskussion um das Steuersparmodell von Google. Wenn jemand die Möglichkeit zum Steuernsparen bekommt, wird er das nutzen.

Damit ist der Schuldige in solchen Dingen derjenige, der eine solche Spekulation, eine Wette oder eben Steuerschlupflöcher anbietet. Wenn also mit Griechenlandpapieren nicht gehandelt werden soll, dann muss es verboten werden. Wenn niemand auf diese Papiere spekulieren kann, dann kann auch niemand daran verdienen. Warum hat die EU, die Finanzbehörden oder die Politik nichts gegen solche Spekulationen unternommen?  Wenn also jemand böse angesehen werden muss, dann diejenigen, die dem Finanzkasino all die Freiheiten geben.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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