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Das KGV hat sich bei der Analyse von Aktienkursen als Bewertungsgrundlage etabliert. Viele private und institutionelle Anleger nutzen diese Kennzahl und dadurch hat sie eine Allgemeingültigkeit erlangt. In Wirklichkeit ist die Aussagekraft gering, denn die Anwendung des KGV ist problematisch. Bei der Auswahl von Aktien muss sich der Anleger jedoch an etwas orientieren. Wie sonst kann er wissen, ob eine Aktie günstig oder zu teuer ist? Folgende fünf Probleme bringt die Nutzung des KGV mit sich.

An der Börse werden seit Jahren Unternehmen, richtigerweise deren Aktienkurs, anhand des Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bewertet. Dabei wird der aktuelle Aktienkurs in das Verhältnis zum Gewinn gesetzt. Die Berechnung lautet demnach wie folgt: KGV = Aktienkurs/Gewinn pro Aktie. Das KGV ist eine Formel aus der Fundamentalanalyse und soll aussagen, ob eine Aktie billig oder teuer ist. Dieser Bewertungsweg ist jedoch voller Probleme, wie wir gleich sehen werden.

Das erste Problem: Die absolute Zahl ist von der persönlichen Werteskala des Betrachters abhängig und daher keineswegs objektiv. Ist ein Unternehmen, dass ein KGV von 12 vorweist, günstig oder doch schon zu teuer? Der KGV-Wert wird von jedem Analysten/Anleger unterschiedlich gedeutet. Für den einen Analysten mag ein Unternehmen zu teuer bewertet sein, ein anderer mag das Potential der Geschäftsidee anders deuten und dem gleichen Unternehmen ein höheres KGV zutrauen.

Um diese Komponente der persönlichen Werteskala ein wenig auszugleichen, versuchen Anleger, das KGV einer Branche hinzuzuziehen. Man verlässt sich also nicht mehr nur auf die Aussage des Analysten, der womöglich eine Kauf-Empfehlung ausspricht, sondern macht sich ein eigenes Bild, indem man die KGV-Kennzahl mehrerer Unternehmen einer Branche untereinander vergleicht.

Das ist schon Problem Nummer zwei. Nehmen wir an, der Vergleich dieser Kennziffer hat einen günstigen Wert ergeben. Ein geringes KGV muss noch kein Ausdruck für eine kaufenswerte Aktie sein. Es könnte sein, dass die Gewinnentwicklung eines Unternehmens sich verschlechtert. Möglicherweise verliert das Unternehmen gerade den Anschluss an die Konkurrenz. Ein günstiges KGV muss also nicht positiv sein, auch wenn sich ein Anleger von solch einem Wert locken lässt.

Das dritte Problem ist der Aktienkurs selber. Dieser ist ständigen Schwankungen unterworfen. Aktienkurse steigen und fallen oftmals, ohne dass es dafür eine Erklärung gibt. Manchmal gibt es auch externe Ereignisse, die Aktienkurse in den Keller schicken. Der Aktienkurs ist ein Teil des KGV und damit verändert sich die Grundlage dieser Bewertungsmöglichkeit mit jedem Tag. Das ist für ein Bewertungsmodell nicht optimal.

Ein Aktienkurs eines Unternehmens kann diese Woche in der KGV-Betrachtung zu teuer sein, (hängt immer noch vom Auge des Betrachters ab) und nur weil der Aktienkurs in den Keller rauscht, in der nächsten Woche günstig erscheinen. Das ist keine solide Basis für eine Anlageentscheidung..

Das vierte Problem ist die Aussagekraft des Gewinns: Der Gewinn eines Unternehmens ist das, was vom Umsatz übrig bleibt, nachdem die Kosten abgezogen wurden. Und genau da hapert es. Was alles abgezogen wird, wann, wie und in welcher Höhe, ist ein Nebelfeld. Da blickt niemand durch, der die Zahlen nicht selbst eingetragen hat. Es wird in der Unternehmenswelt nur ein Gefühl geschaffen, es gebe eine einheitliche Bilanzierungsregel, das ist blanke Theorie, in der Praxis jedoch ist das nicht der Fall. Jedes  Unternehmen kann hier selbst Gewinne schönrechnen bzw. klein rechnen. Was also unter dem Strich als Gewinn herauskommt, ist gar nicht so zuverlässig ausdrückbar.

Damit kommen wir zum fünften Problem: Das KGV lässt sich zwar auch anhand der Gewinne aus der Vergangenheit berechnen. Anleger wollen aber in die Zukunft schauen und Aktien eines Unternehmens kaufen, dass in der Zukunft gute Geschäfte macht. Daher wird das KGV meistens anhand des zukünftigen Gewinns berechnet. Dieser Punkt ist der schwierigste und wohl der problematischste. Der Anleger fällt eine Entscheidung anhand einer Planzahl (der Gewinn ist eben nicht sicher). Diese kann sich im Laufe des Jahres öfter verändern, man erinnere nur an die vielen Gewinnwarnungen von Aktienunternehmen. Dinge ändern sich eben, sie sind im Wandel. Wieso sich der Anleger in diesem Zusammenhang auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis verlässt, ist nicht ganz nachvollziehbar.

Zusammenfassung: Das KGV ist eine feste Größe bei der Bewertung von Aktienkursen. Jedoch mehr aus der Gewohnheit, da die Anleger eben etwas brauchen, worauf sie sich "verlassen" können bzw. ihre Meinung darauf stützen können. Sie ist für sich alleine auf keinen Fall als Grundlage für eine Investmententscheidung geeignet und sollte, wenn überhaupt, nur gemeinsam mit anderen Kennzahlen genutzt werden.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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