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Die Medien haben sich gestern aufgrund einer Meldung der SZ überschlagen, nämlich dass Griechenland zwei Jahre mehr Zeit bekäme um ihren aus dem Ruder geratenen Haushalt in Ordnung zu bringen. Im Moment wird diskutiert, ob das wirklich so stimmt oder ob es nur angedacht sei und eine endgültige Entscheidung noch ausstehe. Berlin hält sich erst einmal bedeckt. Die viel wichtigere Frage ist aber: Was hätte Griechenland überhaupt davon?

Um genau zu sein, das Land soll die Neuverschuldung statt 2014 erst 2016 wieder unter die EU-Obergrenze von drei Prozent der Wirtschaftsleistung bringen. Im Grunde wird Griechenland ermutigt, weiter neue Schulden zu machen, aber eben EU-Richtlinien konform. Das klingt nicht nur konfus, das ist es auch.

Dass Schulden das Problem sind, sollte auch jedem EU-Angestellten klar sein. Während die EU auf Einhaltung ihrer Anordnungen pocht, vergisst sie (oder weiß es nicht besser), dass die Verschuldung so nicht weitergehen kann. Eine fortwährende Zeit der Schuldenaufnahme, in Form von neuen Anleihen ausgeben, alte Anleiheforderungen zeitlich rollen und oder alte Forderungen durch neue Kredite begleichen, das alles wird in der Zukunft nicht mehr funktionieren. 

Schon gar nicht in Griechenland, dem Land, dem bereits heute niemand Geld leihen will und da die Talfahrt so weiter geht, auch in den kommenden Jahren nicht. Hier scheint die Wirkung der bisherigen Troika-Politik auf Griechenland nicht ganz verstanden worden zu sein. Sie hat zu einer schweren Depression im Land geführt.

Eine längere Leidensdauer führt nicht zu einer Besserung der Lage des Patienten. Hier über sollte Einigkeit bestehen. Wenn einige Leser annehmen, Griechenland würde mehr Zeit zum Sparen bekommen, dann muss auch das in Frage gestellt werden. Womit soll Griechenland sparen? Mit Einnahmen, die es nicht hat? Das geht doch gar nicht. Wer jetzt an die Ausgaben denkt, diese sind schon am Limit. Auch die griechische Zitrone lässt sich nicht weiter auspressen, sobald sie ausgedrückt ist.

Soll Griechenland vielleicht wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren, um dann mit blühenden Landschaften und starken Exporten ihre Haushaltslage schönzurechnen? Auch das wird nicht möglich sein, Griechenland ist für die nächsten 10-15 Jahre vollkommen erledigt.

Was also bringen den Griechen die zwei Jahre mehr Zeit? Den Griechen bringt es rein gar nichts. Für sie wird sich an ihrem Elend nichts ändern. Mehr Zeit ist hier zum Wohle der EU zu interpretieren. Es ist unmöglich, dass die Hellenen bis 2014 zu einem "ordentlichen" Haushalt kommen, das wissen auch diejenigen, die jetzt einer Verlängerung der Frist zustimmen wollen. Die EU versucht mit diesem Schritt ihr Gesicht zu wahren.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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