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Gestern Abend kam es an der New Yorker Börse zu einer Panne. Der Internetriese Google veröffentlichte zu früh seine Quartalszahlen. Da diese unter den Erwartungen der Analysten waren, wurde die Aktie schnell abgestoßen und fiel zwischenzeitlich um neun Prozent. Das pikante Detail: Der Handel der Aktie wurde zwischenzeitlich ausgesetzt. Das ist zwar nicht unüblich an der Börse, zeigt jedoch wieder einmal vortrefflich, dass nicht alles nur dem Marktverlauf  überlassen wird. Es wird eingegriffen.

Es wird im Allgemeinen angenommen, dass an der Börse Käufer und Verkäufer einander gegenüberstehen und miteinander handeln. Wenn mehr Teilnehmer Aktien kaufen wollen als angeboten werden, dann steigt der Preis, wenn mehr Markteilnehmer Aktien verkaufen wollen als Käufer vorhanden sind, dann sinkt dieser. Das ist ein ganz normaler Marktverlauf.

Genau diesem natürlichen Weg wird in dem Fall des Aussetzens eines Kurses zuwider gehandelt, obwohl der natürliche Weg sonst von der Finanzindustrie auch immer wieder verteidigt wird, nämlich nicht in den Markt einzugreifen. Warum lässt man die Marktkräfte sich nicht austoben, wenn der Markt weiß, was gut für ihn ist? Wer die guten Seiten von steigenden Kursen angenehm findet, muss auch die schmerzhaften Seiten eines fallenden Kurses in Kauf nehmen. Wie heißt es ganz richtig: „Es gibt keine Rosen ohne Dornen“.

Warum wird der Handel ausgesetzt? Das kommt gelegentlich vor, wenn die Marktteilnehmer zu hastig (hastig für wen?) eine Aktie verkaufen wollen oder im gesamten Marktumfeld die Verkaufsbereitschaft panikartige Züge annimmt. Das ist dann der Fall, wenn Käufer und Verkäufer ganz wirr im Kopf sind und nur noch zu jedem Preis verkaufen wollen. Man kann nicht nur eine Aktie vom Handel aussetzen, sondern auch die ganze Börse schließen.

Einen Stopp des Handels wird deshalb gemacht, damit die Börsianer Zeit haben sich zu beruhigen, damit sie drüber nachdenken können, ob es nicht vielleicht Sinn macht, die Verkaufsabsicht nochmals zu überdenken, eben damit sie nicht schnell verkaufen und damit noch mehr Druck auf die Aktienkurse ausüben.

Hier kommt der wichtige Punkt: Im Grunde geht es darum, dass die Anleger nicht verkaufen sollen. Wenn die Kurse fallen, schiebt irgendjemand (wer genau und wieso?) einen Riegel vor. Das bedeutet, solange die Kurse denen schmecken, die sich an steigenden Kursen laben, ist die Börsenwelt in Ordnung, fallen die Kurse, dann ist sie das nicht mehr. Dann wird schnell das Licht ausgeknipst und die Party ist beendet. Fallende Kurse sind nicht gewollt an der Börse. Der normale Anleger wird mit solch einem Schritt bevormundet, man verbietet ihm zu handeln. Natürlich zu seinem Wohl, so wird stets argumentiert.

Nein, es stimmt etwas nicht in einer Börsenwelt, in der über die Köpfe der Marktteilnehmer hinweg entschieden wird. Wäre die Google Aktie durch die Decke gegangen und hätte zweistellig gewonnen, dann können Sie sicher sein, dass die Aktie nicht vom Handel ausgesetzt worden wäre.

Die Ursache für die Panne war schnell geklärt. Ein Dienstleister hatte eine unfertige Pressemeldung veröffentlicht.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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