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Helfen ist eine gute Sache. Menschen helfen einander, damit sie Probleme bewältigen oder schwere Schicksale abfedern können. Eine andere Form der Hilfe ist es, wenn man hilft, um den Folgen des Nichthelfens zu entkommen. Die dritte Form der Hilfe ist die, dass man hilft, aber gar nicht den Leidtragenden helfen will, sondern eben nur diesen Anschein erweckt. Die letzten beiden Formen sind bei den bisherigen Rettungsmaßnahmen für Griechenland deutlich anzutreffen. Das Land muss hilflos zusehen, wie es zum Spielball der Euroretter geworden ist, die „nur“ helfen wollen.

Oftmals hört man einen Streit unter verschiedenen Leuten, ob man Griechenland weiter helfen oder ob man die Hilfszahlungen einstellen soll. Denn es ist laut Meinung der Kritiker so, dass durch die fortwährenden Geldtransfers ja kein Lerneffekt stattfindet, sondern die Griechen würden so weiter machen wie bisher (das machen die Banken zwar auch, da scheint es aber weniger zu stören). Das mit dem Lerneffekt stimmt dennoch. Der Mensch ist einfach gestrickt, solange er keinen Schmerz spürt, macht er weiter wie bisher.

Ein gängiges Beispiel ist das Verbrennen an der heißen Herdplatte. Erst wenn man sich die Finger verbrannt hat, weiß man, dass es weh tut und man vermeidet das in der Zukunft. Auf das griechische Problem angewandt, sollen die Zahlungen eingestellt werden und die Griechen für ihre Schuldenorgie "leiden" müssen. Wer über seine Verhältnisse lebt, der muss auch wieder auf den Boden der Realität fallen, so die Hoffnung derer, die mit der Peitsche bereitstehen. Einige Menschen machen es sich sehr einfach, doch genau das ist das griechische Problem eben nicht.

Bei der Schuldenorgie haben ja alle Staaten gemeinsam mitgemacht. Jetzt ein Bauernopfer, einen Schuldigen unter vielen herauszupicken und auf ihn zu zeigen ist zu billig, möchte man schreiben. Besonders auch, weil Griechenland wohl der Schwächste unter den Schuldigen ist. Es ist leicht, den Hellenen den schwarzen Peter zuzuschieben und sich selbst als Saubermann zu präsentieren. Nehmen sie jedes Land der Welt und sie werden einen Schuldenberg finden. Da sind auch die Großen wie Deutschland, Frankreich, England oder die USA keine Ausnahme.

Die eine Form der bisherigen Hilfen war der Rettung der Gläubiger geschuldet. Man wollte die Investoren nicht auf ihren Verlusten sitzen lassen, wenn man die Steuerzahler dazu bewegen kann zu helfen. Die jeweiligen Regierungen fragten einfach nicht lange und deklarierten die Maßnahme als „alternativlos“. Die Steuerzahler mussten also helfen. Die andere Form der Hilfe war die Sorge vor einer Kettenreaktion, wenn Griechenland pleitegehen sollte und oder aus der Eurozone austreten würde. Damit das Gefürchtete nicht eintritt, half man auch aus Eigeninteresse.

Helfen muss hier aber strikt getrennt werden, zwischen der Hilfe für die griechischen Menschen und der Hilfe für Finanzinstitute und Gläubiger, denn das meiste der Rettungsmilliarden geht eben sofort an die Bevorteilten, die griechischen Bürger sehen von den Milliarden aus Brüssel nichts.

Das Land ist zum Knecht der EU geworden. Solange alle anderen Staaten, mit denselben Problemen, auf die "bösen" Griechen zeigen, solange wird sich kaum jemand mit der Schuldenlage anderer Staaten auseinandersetzen. Also kaschieren die Euroretter ihre eigenen Probleme, indem sie Griechenland, den Ratingagenturen und den vielen Menschen vorwerfen, dass sie sich eben das Schuldenproblem zu einfach machen und nur auf Griechenland schauen.

All das was wir in den letzten Jahren an Hilfe zu sehen bekamen, war niemals für eine Rettung des Landes gedacht. Deshalb hat das Land auch keine Besserung vorzugsweisen und das trotz der vielen Milliarden.

Eine saubere Hilfe, die auch den Namen verdienen würde, wäre es, dem Land das Geld auch wirklich zur Verfügung zu stellen und damit eine bestimmte Frist zuzugestehen, damit es sich aus dem Dilemma herausmanövrieren kann. Ob eine Besserung der Lage überhaupt möglich ist, weiss man zu dem Zeitpunkt noch nicht, doch man hätte geholfen und dem Land eine Chance gegeben. Das bedeutet aber auch, dass man von Vornherein festlegen muss, dass es am Ende der Frist keine weiteren Hilfen geben wird. Das heißt, das Hilfsangebot muss einmalig sein.

Das wiederum bedeutet, sollte sich Griechenland innerhalb der zugestandenen Zeit nicht selbst helfen können, dann müsste die Eurozone und alle Gläubiger mit den Konsequenzen leben können. Genau das können die Euroretter eben nicht, also "helfen" sie emsig weiter.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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