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An der Börse kommt man an den Supercomputern nicht vorbei. Das sind die Hochleistungsgeräte, die in Millisekunden handeln können und die viel schneller (manche glauben sogar viel besser) als die menschlichen Marktteilnehmer agieren können. Warum traut man dem Computer zu, dass er weiß, ob beim nächsten Wurf z.B. mit einer Münze Kopf oder Zahl kommt? Denn die Wahrheit ist, dass auch ein Computer nicht weiß, wie die Kurse in den nächsten Sekunden und Minuten sein werden. Es muss also einen anderen Grund geben.

Bei dem Einsatz von superschnellen Handelscomputerm werden Formeln abgearbeitet, welche, wenn sie zutreffen, zu einer Entscheidung des Rechners führen, sodass dieser besonders schnell auf ein Ereignis reagieren kann. Der in den Medien oft vernachlässigte Fakt ist, dass auch ein Rechner nicht weiß, ob ein Unternehmensergebnis oder eine Konjunkturzahl gut (also kaufen) oder schlecht (also verkaufen) ist. Meist sprechen die Medien von Gewinnen im Zusammenhang mit Handelscomputern, Hauptsache schnell soll ein Rechner sein und damit wären Gewinne garantiert. Dargestellt wird dabei oftmals der Kampf Mensch gegen Maschine, bei dem der Mensch der Verlierer ist. Es geht jedoch gar nicht um Mensch gegen Maschine, sondern um Maschine gegen Maschine.

Der Grund, warum ein Rechner superschnell sein muss, um in Millisekunden Unmengen von Entscheidungen zu treffen und daraus Aufträge zu genieren ist, dass er schneller als seine elektronischen Gegner sein muss. Mit dem normalen Anleger, der Blut in den Adern hat, kämpfen die Superrechner also nicht.

Dazu eine Erklärung: Wenn zu einer bestimmt Uhrzeit eine Unternehmensmeldung herausgegeben wird, sagen wir, der Gewinn wird deutlich besser ausgewiesen als erwartet, dann stürzen sich die Handelscomputer auf diesen Wert und kaufen schnell Anteile, noch bevor das andere machen. In Wirklichkeit wissen die Geräte gar nicht, was es mit den Zahlen auf sich hat, das wird erst in den nächsten Minuten deutlich. Zum Beispiel kann der Gewinn gar nicht aus der regelmäßigen Geschäftstätigkeit resultieren, sondern aus einem Einmaleffekt. Zum Beispiel könnte das Unternehmen Grundstücke verkauft haben, die das Ergebnis verschönert haben. Dadurch wird schnell klar, dass die gemeldeten Zahlen eher schlecht als gut sind.

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung weiß aber niemand, ob die Zahlen kaufenswert oder nicht sind. Die Formel für einen Handelscomputer könnte lauten, wenn die Zahlen um einen bestimmten Prozentpunkt besser als erwartet sind, dann sofort kaufen. Da diese Logik von vielen Programmen angewandt wird, stürzen sich viele Computer zum gleichen Zeitpunkt auf den gleichen Wert. Genau deshalb kommt es auf die Sekunde, noch besser auf die Millisekunde an. Denn nur wer zuerst handelt, der kann sich einen Vorteil sichern. Denn der schnellste Rechner hat dann bereits Aktien, welche er in der nächsten Sekunde wieder verkaufen kann.

Noch bevor sich die menschlichen Marktteilnehmer einen Reim auf eine Kursbewegung machen können, ist der elektronische Spuk auch schon vorüber. Das ist auch der Grund, warum teilweise schon in der Sekunde, in der eine Meldung herauskommt, der Kurs hin und her springt bevor sich der Mensch orientieren, geschweige denn die Zahlen verarbeiten kann. Supercomputer interessieren sich nicht für die Unternehmenszahlen: Ihr Auftrag ist erledigt, sobald die ersten Sekunden nach einer Kurs bewegenden Meldung verstrichen sind. Das ist kontraproduktiv für die Börse, wenn ihre Teilnehmer, die die Mehrzahl der Aufträge stellen, sich nicht für die Unternehmenszahlen interessieren.

Superrechner sind nicht die besseren Anleger, wie in den Medien immer wieder ehrführtig berichtet wird. Es kann durchaus sein, dass die Entscheidung des Computers auch falsch ist. Wer schnell entscheiden muss, kann folglich auch falsch liegen. Nur in einem Punkt ist der Handelscomputer definitiv schlauer als sein menschlicher Pendant. Er schließt seine Position, wenn sie nicht erfolgreich ist, ebenfalls in Sekunden, sodass der Verlust immer klein bleibt.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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