Angebot

In früheren Zeiten, als noch Könige die Regel waren, schickte man Hofberichterstatter, die sich unter das Volk mischten, um über die Ereignisse auf des Königs Schloss zu berichten. Diese Nachrichtenüberbringer schmückten die Geschehnisse in der Art aus, dass der König in einem besonders guten Licht gepriesen und präsentiert wurde. Wer die aktuelle Wochenendausgabe einer deutschen Wirtschaftszeitung gelesen hat, fühlt sich bei all den Lobeshymnen über die Regierung ebenfalls an diese Zeiten erinnert. Einige Beispiele.

Mit der Schlagzeile "Der Zahlbürger" beginnt die Startseite. Es wird darauf hingewiesen, dass die Deutschen mit "ihrem Fleiß", "ihrer Steuerehrlichkeit" und "ihrer Kauflust" dem Finanzminister Rekordeinnahmen bescheren würden. Allein im August 2012 hätte der "brave Lohnsteuerzahler" 11,9 Milliarden Euro entrichtet. Dem Leser wird dabei warm um Herz. Es scheint nur so vor Geld zu sprudeln im Finanzministerium, die Regierung schwimmt demnach im Geld. Und was hat der Bürger davon?

Dieser Gedanke erfasst den Leser des Artikels sofort, denn scheinbar reicht es nur für einen "ausgeglichenen Haushalt" für das Jahr 2013. Und das trotz dieser Überschüsse. Wenn so viel Steuern eingenommen werden, warum wird dann mit dem Geld nichts Sinnvolles getan? Das könnten so Dinge sein, wie die Kilometerpauschale für die "braven Lohnsteuerzahler" zu erhöhen, diese müssen nämlich zur Arbeit kommen um die (Steuer) Einnahmen generieren zu können.

Der Staat könnte auch, sofern er das Wohl des Volkes im Sinne hat, die Mineralölsteuer senken, sodass die Benzinpreise auf ein bezahlbares Niveau fallen können. Es gäbe wohl noch andere Möglichkeiten um das Eingenommene sinnvoll zu verwenden. Was gar nicht zur Sprache kommt ist, dass man auch Schulden zurückzahlen könnte. Sich einzuschränken kommt bei der Regierung wohl nicht in Frage. Das kam früher den Königen und Adligen auch nicht in den Sinn.

Auf Seite 8 dieser Wochenendausgabe wird unter der Überschrift "Insel der Glückseligen" der Mut der Firmen angesprochen. "Sie vertrauen auf Ihre eigene Stärke" heißt es da. Das Bild, das vermittelt wird ist, dass es wieder aufwärts geht für die Unternehmen und den Standort Deutschland. Bei so vielen Lobeshymnen schaut der Leser wohl irritiert. Wer soll hier denn motiviert werden, der Bürger oder die Unternehmer? Sie sollen gemeinsam die Ärmel hochkrempeln und das Bruttoinlandsprodukt weiter steigern. Das würde in der Summe dann auch die Steuereinnahmen erhöhen, womit wir wieder am ersten Punkt sind. 

In Wirklichkeit wartet das dicke Ende noch auf Deutschland. Man hat sich länger am Markt behaupten können als die anderen Nationen. Das mag auch daran liegen, dass Deutschland an der Schwäche der anderen verdient, das ist im globalen Wettbewerb so. Im Konkurrenzkampf um die Abnehmer der eigenen Produkte ist ein Konkurrent, der ausfällt, ein Vorteil. Wen interessiert da die Gemeinschaft? Aber auch Deutschland wird sich dem Abwärtstrend nicht entziehen können. Jedes schwächelnde Land ist auch gleichzeitig ein Abnehmer, und wenn diese wie Dominosteine umfallen und durch Sparmaßnahmen Ausgaben einschränken, dann trifft das auch in der Folge das exportverwöhnte Deutschland. Negatives darf aber nicht berichtet werden, denn am Hof, da strahlt zu jeder Zeit die Sonne.

Auf der gleichen Seite wird dann von einem "Jobwunder" gesprochen. Die  Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland, sie "steigt, steigt und steigt" wird kraftvoll formuliert. Nicht erwähnt wird, dass es eine  große Anzahl von Arbeitnehmern gibt (ca. 7 Millionen Menschen), die mit geringbezahlten Jobs auskommen müssen. Das Drücken der Löhne in der Vergangenheit trägt ihre Früchte. Während die Unternehmen gute Geschäfte machen, bleibt den Arbeitenden wenig bis nichts übrig. Nullrunden beim Gehalt waren in den vergangenen Jahren keine Seltenheit.

Gehalt ist ein gutes Stichwort. Es heißt weiter im Text: Das arbeitende Volk könne sich auf "ordentliche Gehaltszuwächse" freuen, da es in vielen Berufen an Fachkräften mangelt. So wird dem arbeitenden Bürger der Mund wässrig gemacht, er solle weiter arbeiten. Denn wer arbeitet, der kann konsumieren (siehe obigen Punkt 2) und zahlt Steuern auf den Konsum und auf die Arbeit (siehe obigen Punkt 1). In der Summe verdient der Staat wieder.

Bei dem Ton, den die Wochenendausgabe anschlägt, ist man schnell an eine Motivationsrede erinnert. Es wird gelobt und wohlwollend berichtet. Die aktuelle Ausgabe liest sich wie eine Lobeshymne auf die Arbeit des Staates. Von einem kritischen Blick ist kaum etwas zu erkennen. So war das doch früher bei der Hofberichterstattung ebenfalls, oder etwa nicht?

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

Share This