Indikatoren-Trading

Die PKW-Neuzulassungen in den Krisenstaaten Europas fallen schon seit Monaten, manchmal sogar zweistellig. Dieses Nachlassen der Nachfrage nach Neuwagen hinterlässt folglich einen Kratzer in der deutschen Automobilindustrie. Die ersten Bremsspuren sind in den Verkaufs-Statistiken bereits ersichtlich, ein deutliches Abkühlen des Motors in den kommenden Monaten wird bereits von den deutschen Herstellern erwartet. Die Automobilindustrie scheint ihre beste Zeit hinter sich zu haben. Die Aussichten sind nämlich trüb.

Keine Industrie in Deutschland ist so dominant wie die Automobilindustrie. Seit vielen Jahrzehnten ist sie es, die einen Großteil der Arbeitnehmer beschäftigt, sowie am stärksten zum BIP beiträgt, und damit  das Wohlfühl-Gefühl in Deutschland hoch hält. Vergessen wird, dass die Automobilindustrie ihre beste Zeit schon hinter sich hat. Das deckt sich (noch) nicht mit den aktuellen Absatzzahlen der letzten Jahre, da diese hervorragend waren und noch sind, doch sie übertünchen, was nicht gesehen werden soll.

Früher, in den Anfangstagen der Automobilindustrie, da waren die Menschen noch sparsam. Sie sparten auf etwas und wenn es gereicht hat, dann wurde ein neues Fahrzeug gekauft. Die PKW-Industrie musste sich also so lange mit dem Verkauf gedulden, bis ein Verbraucher sich ein Auto leisten konnte. Nur wenige neue Autos wurden damals verkauft, Auto fahren war noch recht wenig verbreitet.

Gemeinsam mit der blühenden Wirtschaftsentwicklung in Deutschland bekamen die Menschen mehr Gehalt und konnten sich in immer kürzeren Abständen Güter leisten, unter anderem eben auch PKWs. Die Produktion konnte hochgefahren werden. Die Kapazitäten wurden erhöht.

Die Qualität hochwertiger Fahrzeuge aus Deutschland fanden auch in anderen Ländern Anklang bei gierigen Käufern. Einen Mercedes musste man vor der Tür haben oder einen BMW, wenn es sportlicher sein sollte. Noch weiter wurden die Kapazitäten erhöht. Die Verkaufszahlen ließen keine Wünsche offen.

Mehr Geld wurde in Marketing und Vertrieb gesteckt. Es sollte ein Verlangen nach einem neuen Wagen geweckt werden. Früher wurde nach rationellen Prinzipen entschieden, der Käufer wollte mit dem Wagen von A nach B kommen, jetzt wollte die Automobilindustrie ein Lebensgefühl mit dem Neuwagen verbinden.

Dabei sollte gekauft werden, wenn das Gefühl da war und nicht, wenn man das Geld zusammen gespart hatte. Diesen süßen Rufen gaben die Bürger auch nach und zögerten nicht, sich einen Wagen zu kaufen ohne dafür zu sparen. Sie begannen ihre Neuwagen zu finanzieren. Was zunächst von Kollegen und Nachbarn kritisch beäugt wurde, setzte sich durch. Warum sollte man selbst mit der alten Kiste vorlieb nehmen, wenn alle anderen mit tollen Fahrzeugen herumfuhren?

Die Blütezeit in den 90ern und zu Beginn des neuen Jahrtausends hielt eine Weile. Doch es wurde für die Hersteller immer schwerer, immer neue Käufer zum Erwerb zu animieren. Zudem drückten die Überkapazitäten. Die Produktionsstätten konnten nicht mehr vollausgelastet werden. Es drohte eine Phase der Schrumpfung.

In Folge der Finanzkrise sank  die Nachfrage schlagartig. Arbeitslose kauften sich keine neuen Autos, sie bekamen auch keinen Kredit von der Bank. Menschen die noch Arbeit hatten, wurden aufgrund der Unsicherheit in der Zukunft vorsichtig. Sie trauten sich nicht mehr ein neues Auto zu bestellen und hielten ihr Geld zusammen.

Die Regierung handelte schnell. Als Reaktion auf diesen plötzlichen Nachfrageausfall wurde mit der Abwrackprämie eine Stimulation erzeugt. Diejenigen, die ihr altes Auto verschrotten ließen, bekamen 2500 Euro, wenn sie sich einen Neuwagen zulegten.

In Scharen ließen sich die Bürger hinreissen, ihr noch gut erhaltenes Auto in die Autopresse zu geben, um dann einen Neuwagen ihr Eigen zu nennen. Die Regierung hatte es geschafft. Anstatt einer schmerzhaften Phase der Konsolidierung, bei denen Firmen hätten schließen, Kapazitäten verringert und Arbeitnehmer entlassen werden müssen, blühte die Automobilindustrie erneut wieder auf.

Doch der Schein trügt. Noch immer fehlt eine Gesundung dieser Industrie. Lange konnte man schmerzhafte Einschnitten vermeiden. Nun lässt sich die Lage nicht mehr schönreden. Trotz noch guter Absatzzahlen gaben Unternehmen wie Porsche, VW und Daimler bereits bekannt, dass sie mit schwierigen Zeiten rechnen und sich jetzt schon mit Einsparmöglichkeiten vorbereiten wollen.

Schwierige Zeiten erleben französische und italienische Autohersteller schon länger. Der Fiat Chef erwartet ein "sehr schlechtes" nächstes Jahr. Die Ratingagentur Moody's erwartet eine schwächelnde Automobilnachfrage für das Jahr 2013.

Das sind keine guten Aussichten. Nun heißt es für die Automobilindustrie: Anschnallen.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

Share This