Indikatoren-Trading

An manchen Tagen sitzt der Trader vor seinem Rechner und versucht jedes Tief zu kaufen in der Hoffnung, es stelle sich nachher auch als Tagestief heraus. Doch genau an diesen Tagen kennt der DAX nur eine Richtung, nämlich nach Süden. Ganz ungewöhnlich im Gegendatz zum sonstigen Hin und Her fällt der Index immer tiefer. Der Trader kann nicht glauben, was er sieht und hält dagegen. Denn für ihn ist jedes neue Tief eine bessere Gelegenheit, um in den Markt kommen. Ein Teufelskreis nimmt seinen Lauf.

Wer im Markt aktiv ist, der legt sich mental auf eine Richtung fest. Es mag einige Leser geben, die den Trader den Computern gleichstellen wollen und erwarten, dass der Trader auf jede neue Bewegung im Markt anders reagieren muss, blitzschnell seine Meinung ändern sollte und sofort seine Position drehen kann. Doch das ist eher eine Wunschvorstellung. Computer sind Computer, der Mensch bleibt ein Mensch. Dazu gehören eben auch seine Schwächen. Zudem, ein Börsenhandel ohne seine menschlichen Akteure würde auch keinen Spaß machen.

Unser Trader sitzt vor seinem Computer und geht Long in den Markt, er wettet auf steigende Notierungen im DAX. Diese fallen und stoppen die erste Position gleich wieder aus. Der Trader ist guter Laune, er geht gleich wieder Long, denn der Markt müsste jetzt mal stehen. Leider tut der Markt ihm den Gefallen nicht. Zwei Mal Minus in so kurzer Zeit ist schmerzhaft. Aber die Richtung ist für den Trader klar, es muss bald hochgehen.

Wenigstens sollte erst einmal eine Korrektur eintreten. Von einer Korrektur spricht der Trader, wenn der Index sich kurzfristig, als Ergebnis auf die bereits gefallende Wegstrecke, nach oben bewegt. Der Trader wartet eine Stabilisierung im 5min-Chart ab und steigt ein, um von den kommenden steigenden Kursen zu profitieren. Zu seiner Überraschung fällt der Markt doch unter das letzte Tief und stoppt ihn erneut aus.

Der Trader fällt bald vom Glauben ab. Er nennt es Pech. Der Markt kann ja nicht nur fallen, denkt er sich. Normalerweise steigt und fällt ein Index oder eine Aktie in Zickzack-Mustern, bei denen immer ein höheres Hoch erklommen oder ein tieferes Tief erreicht wird. In seltenen Fällen fällt ein Basiswert dauerhaft und stetig, aber es kommt vor.

An solchen Tagen ist der Trader der Verzweiflung nahe. Er kontert, indem er sich den fallenden Kursen entgegenstellt, es hilft nur nichts. Er lässt seiner Position mehr Luft, indem er das Stopp Level weiter weg setzt und auch dieses Limit wird vom Markt abgeholt. Es ist wie verhext.

Der Trader glaubt bei jedem neuen Tief, dass es sich nur um einen vorübergehenden Zustand handelt. Sobald eine Art Stabilisierung im Chart zu erkennen ist, wird eingestiegen, das Ergebnis ist bekannt.

Die Hoffnung, dass genau der letzte Einstieg ein optimaler ist, weil er am Tagestief eröffnet wurde, ist ein Trugschluss. In einen fallenden Markt hinein zu kaufen ist legitim, dann aber mit strikter Risikokontrolle. Bei mehrmaligem Ausstoppen gilt es, die eigene Denkrichtung zu hinterfragen. Wenn der Markt, nach eigener Überzeugung, steigen müsste, warum fallen die Kurse dann?

An Tagen, an denen der Markt nur den stetigen Fall kennt, ist der Trader besonders anfällig, jedes neue Tief zu kaufen und damit seine Verluste zu vergrößern. Sich in diesem Teufelskreislauf wiederzufinden, kommt öfter vor, als manch einem lieb ist. Lassen Sie sich vom Tagestief nicht locken, es könnte nur ein Zwischenstopp sein.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

Share This