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In diesen Tagen ziert sich die heißblütige Nation Spanien, endlich einen Hilfsantrag bei der EU abzugeben. Zum einen sind sie zu stolz, um eine Gabe zu erbitten, zum anderen will man sich nicht von der EU bevormunden lassen, die dann auf die Einhaltung von Reformen und Sparzielen pochen wird. Und was noch Sorgenfalten auf die Stirn der spanischen Regierung treibt ist die Angst vor dem Volk. Es wird eine Knechtschaft aus Brüssel nicht tolerieren und seine Wut an den lokalen Politikern auslassen. Deshalb will man weiter verhandeln.

Die Lage in Spanien ist desaströs. Erst kürzlich hat das Land den Titel "Weltmeister der Arbeitslosigkeit" erhalten. Von 178 analysierten Staaten standen die Spanier am schlechtesten da. Jeder vierte Bürger ist ohne Arbeit, die Jugendarbeitslosigkeit ist noch viel schlimmer. Gleichzeitig erlahmt die Wirtschaft, die Banken kämpfen mit faulen Immobilienkrediten und die Politik versucht, die Contenance zu wahren.

Die Banken haben es besonders schlimm getrieben. Jeder, der eine Unterschritt unter einen Darlehensvertrag setzen konnte, bekam ihn auch. Jetzt können die Bürger die Raten nicht mehr zahlen. Der Anteil an "faulen Krediten" stieg im Juli 2012 auf den Rekordwert von 9,86%. Im gleichen Monat vor einem Jahr notierte dieser Wert noch bei 6,93%. Nicht nur die Privatleute haben sich in Folge der  Immobilienblase sehr überschuldet, sondern Unternehmen, besonders aus der Bauwirtschaft, ebenso. 

Wie man das Blatt dreht und wendet, die Lage ist kritisch. Im Juli dieses Jahres wurde dem Finanzbereich Spaniens eine Nothilfe aus dem europäischen Rettungsschirm EFSF in Höhe von 100 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Damit sollten die maroden Banken des Landes saniert werden. Dieser Schritt wurde als eine Art "schlüpft teilweise" unter den Rettungsschirm dargestellt, es wurde aber betont, dass dies kein Hilfsantrag sei. Die Spanier bekamen Hilfe, aber konnten trotzdem noch frei schalten und walten.

Schon länger würde Spanien gerne frisches Geld aus Brüssel annehmen wollen, es traut sich aber nicht, komplett unter den Rettungsschirm zu schlüpfen. Man will seine Autarkie nicht verlieren, vor allem nicht sein Gesicht. Man sieht, wie die Troika in Griechenland wütet. Man sieht, dass es Griechenland nach und mit den Hilfen nicht besser geht als zuvor. Die letzten Forderungen der Troika waren zum aus der Haut fahren. Der Artikel zum Nachlesen: "Griechenland: Troika dreht jetzt völlig durch".

Im Grunde muss Spanien den Hilfsantrag stellen, denn daran ist sind die Stützungskäufe der EZB gebunden. Wer Geld aus Brüssel erhält, der muss sich unangenehme Fragen stellen lassen. Wer geliehenes Geld annimmt, der muss nach der Pfeife des Geldgebers tanzen. Und das ist ein Punkt, der den Spaniern nicht bekommt. Sie wollen nicht, es sei denn, der Druck der Geldknappheit wird zu groß.

Im Moment verhandeln die Spanier wieder einmal das Für und Wider eines Hilfsantrags an die EU. Ihr Wunsch ist es, Geld ohne harte Auflagen zu erhalten. Denn unter der Fuchtel eines anderen zu sein, das können die stolzen Spanier nicht. Jedenfalls noch nicht.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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