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Gefühlt scheint den Europäern ein Stein vom Herzen gefallen zu sein. Die Last der Schuldenkrise wiegt nicht mehr so schwer auf den Schultern der Bürger. Das gilt auch für die Euroretter. Die Zentralbanken haben geschafft, was die Politik lange nicht hinbekommen hat. Sie haben eine Beruhigung der Lage erreicht. Wie gesagt, auf gefühlter Basis. Der Mensch ist eben einfach gestrickt. Worte sind ein starkes Mittel, mit dem ein negativer Zustand schnell ins Positive gewandelt werden kann. Wenn dann noch Taten hinzukommen, dann ist das Wohlbefinden wieder hergestellt. So auch jetzt.

Die Politik hat lange versucht, ebenfalls mit Worten zum Erfolg zu kommen. Sie hat um Vertrauen geworben, sie hat die Finanzmärkte angefleht, sie hat vor den Folgen eines Ausuferns der Schuldenkrise gewarnt, doch alles ohne Erfolg. Denn Worte sind der Türöffner, damit bekommt man die Gelegenheit, gehört zu werden, dann müssen aber Taten folgen. Genau dies blieb aus. Es reicht eben nicht, nur von einem EU-Gipfel zum anderen zu rennen, sich auf Pressekonferenzen auf die eigenen Schultern zu klopfen, um dann mit nichts dazustehen.

Die Zentralbanken sind von einem anderen Kaliber. Sie sitzen auf dem Geld und Geld lindert bekanntlich den Schmerz. Geld ist ein Machtinstrument, mit dem sich wirklich etwas in die Tat umsetzen lässt. Den Vorteil hat die Zentralbank, in diesem Falle die EZB, geschickt genutzt. Sie hat sich zunächst mit Worten bedeckt gehalten, das gab Raum für Spekulation und vor allem für Hoffnung. Dann, als alle Hoffnung in die Arbeit der Politik versickert war, hat sich die europäische Zentralbank nach vorne gewagt.

Jetzt hat sie Nägel mit Köpfen gemacht. Die EZB kauft unbegrenzt Staatsanleihen auf, sofern sie das als nötig erachtet. Geld ist kein Problem für die Zentralbank, braucht sie welches, druckt sie es einfach. Diese klare Ankündigung von Taten hat die Schuldenkrise plötzlich derart entschärft, wie schon lange nicht mehr. Plötzlich ist der Angstdruck einer Entspanntheit gewichen. Die Anleihezinsen der Südstaaten haben sich beruhigt, da sie nicht mehr an der kritischen 7% Marke kleben. Natürlich ist damit auch der Spardruck der Krisenländer erst mal gewichen.

Auch die Politik ist froh, dass die europäische Zentralbank endlich ein Zeichen gegen die Finanzmonster gesetzt hat. Das ist nämlich genau das, was sie selbst in jahrelanger Arbeit nicht geschafft hatte. Manch ein Europäer ist sogar so erfreut, dass dieser eine Strategie in der Handlung der europäischen Zentralbank erkennt. Es geht vorwärts, so das Gefühl, dass die Bürger überkommt. Die EZB weiß, was sie tut und sie wird die Krise aus dem Tal der Tränen führen, so ist die aufkeimende Meinung.

Die Südstaaten in Europa freuen sich über jede Handlung, die ihnen den finanziellen Strick lockert, der ihnen die Luft zum Atmen nimmt. Die Nordeuropäer sind auch froh, solange das Gebilde Euro/Europa in seiner jetzigen Form Bestand hat. Jedes Auseinanderbrechen würde auch sie treffen.

Im Moment sind scheinbar alle erleichtert. Die Euroretter-Staaten sind erleichtert, weil sie jetzt nicht mehr retten müssen, die Krisenstaaten, weil sie nicht mehr sparen müssen, die Politik, weil endlich jemand einen Plan zu haben scheint, die Börsen, weil es weiter frisches Kapital gibt und die Bürger? Die sind erleichtert, weil ihnen das Gefühl sagt, dass der europäische Kontinent sich gerade so von der Klippe retten konnte, an der er vor kurzem stand.

Im Moment dominiert die gefühlte Erleichterung. Na dann.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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