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Es ist wieder einmal so weit. So wie jedes Jahr gibt es auch in diesem Sommer ein Online Börsenspiel einer großen deutschen Bank. Es wird der beste Trader des Jahres gesucht. Damit auch viele mitmachen, wird nicht mit Reizen gegeizt. Eine schöne Frau ist der Hingucker, ein schönes Auto das Objekt der Begierde und der Lohn ist etwas Geld. So einfach ist der Trader anzulocken. Man braucht ihn nur zu ködern und er ist gewillt, sich preiszugeben. Gewonnen hat aber jetzt schon ein anderer.

Ursprünglich waren Börsenspiele dafür gedacht, dass Interessierte sich mit der Materie Börse beschäftigen können. Sie sollten spielerisch an den Finanzmarkt herangeführt werden. Welche Wertpapiere gibt es, wie verändern sich Kurse, welche Auftragsarten gibt es und wie führt man eine komplette Transaktion aus. All das konnte spielerisch erlernt werden.

Nur leider hatten Börsenspiele einen großen Nachteil. Sie sind nicht echt, es ist eben nur ein Spiel. All die wichtigen Komponenten wie sich z.B. ein Verlust auf die Psyche des Traders auswirkt, wie mit tatsächlich hart erarbeitetem Geld umgegangen wird, das der Trader gerade verbrennt, wird nicht erlernt, da nur mit Spielgeld hantiert wird. Diese wichtigen Erkenntnisse bleiben immer außen vor. Wenn von den Neulingen wirklich mal jemand bei dem Börsenspiel mitmachen wollte, um vielleicht hier und dort etwas zu gewinnen, dann ging das auch schief, denn in einem Börsenspiel gewinnen die Zocker, nicht die Anleger.

Diejenigen, die das Depot in wenigen Tagen verdoppelt haben sind die Teilnehmer, die volles Risiko fahren. So würde niemand im „echten“ Umfeld agieren. Sie wählen Zertifikate aus, die nahe am Knock-Out-Level notieren, diese verdoppeln sich im Kurs ganz schnell oder werden ausgeknockt. Wenn es gut geht, ist man ganz vorne dabei, geht die Spekulation schief, dann war es nur Spielgeld. Echte Strategien sind bei Börsenspielen nicht zu finden.

Aus diesem Grund  haben sich in der Vergangenheit immer mehr Interessierte von einer Teilnahme an einem Börsenspiel abgewandt. Für Neulinge hat der Reiz eines Börsenspiels abgenommen. Mit dem Aufkommen des digitalen Zeitalters braucht heute niemand mehr ein Spiel. Jeder kann jederzeit in seiner eigenen Watchlist oder mit einem Demokonto jede gewünschte Strategie ausprobieren.

Deshalb hat sich der Fokus eines Börsenspiels gewandelt, jetzt sucht man den Trader (den Macher) und will gar nicht mehr die Neulinge begeistern (die ja eh nicht mehr wollen). Die Trader werden angeworben, kann man sagen, sie sollen sich mit dem Produkten des Hauses anfreunden. Die Teilnehmer von Börsenspielen von heute sind die Käufer der hauseigenen Wertpapiere von morgen.

Das oberste Ziel eines Börsenspieles ist es, Namen von Tradern zu sammeln. Damit ist, wie so oft, der Weg das Ziel. Besser kann wohl niemand an seine potentiellen Kundendaten kommen als über diesen spielerisch einfachen Weg.

Man nehme eine attraktive Frau (die meisten Trader sind nun mal männlich), lässt sie tief in die Kamera blicken, garniert das Ganze mit einem flotten Sportwagen und versüße es mit etwas Bargeld. Und schon hat die Bank wieder einmal gewonnen. 

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-tradng Team

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