Indikatoren-Trading

Wenn Zentralbanken sich außerhalb ihres Mandates bewegen, dann können sie schnell ins Schlingern kommen. Das ist so, als wenn ein Mathelehrer plötzlich Physikunterricht geben soll, nur weil in beiden Fächern Zahlen vorkommen. Dass dies nicht so einfach möglich ist, zeigt uns gerade die EZB. Entgegen jeder Warnung zieht sie ihren Plan durch, den Euro zu opfern, um noch etwas Zeit für die Krisenstaaten zu gewinnen. Bei näherer Betrachtung fällt auf, dass sie wohl gar nicht anders kann. Das hat seinen Grund.

Die europäische Zentralbank EZB soll sich eigentlich um die Stabilität ihrer Währung Euro kümmern. Stattdessen kümmert sie sich um eine angemessene Finanzierungsbasis der angeschlagenen Staaten. Mit ihrem letzten Beschluss hält sie den kriselnden Staaten eine weitere Verschuldungsmöglichkeit offen. Offiziell lässt man den Krisenstaaten damit die Tür zu den Finanzmärkten offen. Die EZB macht das, indem sie Geld für den Ankauf von Staatsanleihen zur Verfügung stellt. Mit diesem frisch gedruckten Geld kauft sie kurzlaufende Anleihen dieser Staaten. Auf diesem Weg können andere Zeichner für diese Papiere nicht zu hohe Zinsen fordern. Somit kommen die schuldengeplagten Nationen zu günstigerem Kapital, da der Zinssatz kleiner wird.

Oft wird nur über Supermario geschimpft, das ist der Chef der EZB Herr Mario Draghi. Dieser würde mit diesem eingeschlagenen Weg das Inflationsgespenst heraufbeschwören und den Euro kaputt machen. Es ist aber so, dass der Chef viel redet, aber abgestimmt wird gemeinsam. Da fällt auf, dass nur der deutsche Abgesandte, nämlich Herr Weidmann aus Deutschland, dieser Finanzierungsmethode widersprochen hat. Ergo – alle anderen haben diesem Plan zugestimmt. 

Die Abstimmung über solch wichtige Entscheidungen wird vom EZB Rat getroffen. Da die Eurozone aus 17 Nationen besteht, sind dort die nationalen Zentralbankpräsidenten vertreten, plus sechs weitere Mitglieder, die das Direktorium der EZB stellt. Es gibt also 23 Stimmen, die eine Wahl treffen.

Nun, fragen Sie doch mal einen Fuchs, ob er gern ein Huhn haben möchte oder nicht. Die Antwort erübrigt sich. Viele der Teilnehmer des EZB Rates sind vom Problem der kostenintensiven Refinanzierung direkt betroffen. Wenn sie einen Weg vorgeschlagen bekommen, diese Not zu lindern, dann werden sie diesem Plan auch zustimmen. Das ist logisch. Wenn die Frage lautet:  Kann und soll zum Beispiel Spanien noch länger am Finanzmarkt zu günstigeren Zinsen Geld bekommen, dann kann der Abgesandte der spanischen Zentralbank nur mit JA abstimmen. Es geht gar nicht anders. So ist das eben mit den anderen Teilnehmern des Rates.

Das gilt ebenso für die anderen italienischen, griechischen und portugiesischen Präsidenten der nationalen Zentralbanken. Sie werden für diesen Weg gestimmt haben. Hinzu kommt, dass auch der Chef persönlich ein Italiener ist, es ist auch hier nicht schwer sich auszumalen, wie dieser gestimmt hat. Hinzu kommt, dieser Plan ist von Supermario selbst. Seine anderen Mitglieder des Direktoriums werden einen Teufel tun und sich der Meinung des Chefs widersetzen. So gibt es eine Dominanz im EZB Rat, die einfach jeder geldpolitischen Maßnahme zustimmen wird, die den Schmerz der Krisenstaaten, wenn auch nur kurzfristig, lindert.

Die EZB wird, solange es ihr möglich ist, keine der alternativen Möglichkeiten in Betracht ziehen, sondern immer zum Wohle der Krisenstaaten stimmen. Das wiederum bedeutet, dass es solange frisches Geld gibt, bis kein Papier oder keine Druckertine mehr vorhanden ist.

Auch mit diesen Maßnahmen wird die EZB den Staaten nur Zeit verschaffen können. Eine Lösung der Eurokrise ist das nicht.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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