Indikatoren-Trading

Kaum ist ein Vierteljahrhundert vergangen, da versucht Deutschland erneut verstärkt Arbeitskräfte aus dem Ausland zu werben. Diese sollen aus der desolaten Lage am Arbeitsmarkt der Krisenstaaten wie Portugal, Spanien und Griechenland flüchten und nach Deutschland wechseln. Hier würden gut ausgebildete Fachkräfte händeringend gebraucht. Warum nur kann Deutschland seine eigenen Fachkräfte nicht ausbilden und muss erneut auf Werbetour gehen?

Vor 55 Jahren wurden die ersten Anwerbeverträge mit den Ländern aus dem Süden Europas geschlossen. Junge kräftige Männer brauchte das Land, um den Wiederaufbau stemmen zu können. Die blühenden Jahre des deutschen Wirtschaftswunders wurden gemeinsam mit Männern und Frauen aus den anderen Nationen in Europa gestemmt.

Damals wurde für einfache Leute geworben, die zupacken konnten. Auch heute, im Jahre 2012, wirbt Deutschland erneut. Jetzt wird um die neue junge Generation geworben. Leute, die gut ausgebildet sind, die sich mit IT und wirtschaftlichen Zusammenhängen auskennen. Meist sind es studierte Personen, die in den Krisenländern keine Arbeit erhalten. Derzeit herrscht die höchste Arbeitslosigkeit in den 17 Eurostaaten. Diese Notlage nutzt Deutschland und rührt kräftig die Werbetrommel.

Bei "uns" gebe es Arbeit, so heißt es. Die jungen Leute bräuchten nur zu kommen. Früher hat man die Gastarbeiter am Bahnsteig abgeholt, heute steht man am Flughafen bereit und bietet Loggien und Internet inklusive. Sogar Einladungen zum Schnuppern werden ausgesprochen. Hauptsache, man kann die begehrten "Resourcen" locken. Sind die Deutschen genauso weit wie vor 55 Jahren? Hat man denn in Deutschland gar nichts gelernt, möchte man da fragen?

Warum hat Deutschland denn ein Mangel an Arbeitskräften, obwohl es so viele Menschen in diesem Land gibt, die arbeiten wollen? Hat man etwa in der Politik bei der Bildungsarbeit geschlafen? Haben die Unternehmen ihre Pflicht zu einer guten Ausbildung junger Leute verschlafen? Deutschland kann sich hier nicht von einem eigenen Versagen freireden. Lange Zeit hat man viel geredet und nicht gehandelt nun rächt sich das.

Was man selbst nicht geschafft hat, will man nun auf diesem Weg des Anwerbens lösen. Das ist so ähnlich, als wenn man selbst nicht bügeln lernen will und daher die Hemden in die Reinigung (gegen Entgelt) bringt. Die anderen sollen Deutschland ihre gut ausgebildeten Leute hergeben, damit es blühend in Deutschland weiter geht (gehen kann).

Gleichzeitig brauchen die Krisenstatten ihre gut ausgebildeten Leute selbst. Keine Wirtschaft wächst ohne Angestellte, die entsprechend ihrer Ausbildung den Umschwung in die Wege leiten können. Gut ausgebildete junge Leute sind ein begehrtes Gut. Das will niemand aus der Hand geben.

Die Krisenstaaten haben es nicht leicht mit Deutschland. Sie müssen nicht nur überproportional sparen, Deutschland passt auf, dass die Sparziele auf den Cent eingehalten werden, sondern auch ihre guten Arbeitskräfte (für die sie Zeit und Geld investiert haben) nun hergeben.

Eine positive Entwicklung hat die Zeit gehabt. Während sich die früheren Gastarbeiter gerne anwerben ließen, ist es heute anders. Die jungen Leute von heute schlagen die Anwerbeversuche Deutschlands gerne auch mal aus. Sie wollen bei ihrem eigenen "Wiederaufbau" helfen. Während die anderen Länder in Familien und Kinder, damit auch in eine junge Generation "investiert" haben, muss Deutschland weiter um junge Leute buhlen.

Dieser Zustand ist ein Armutszeugnis für so ein entwickeltes Land, wie Deutschland eines ist.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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