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Wer erfolgreich an der Börse sein will, der muss vor allem sein rationelles Denken aufgeben. Anders ist das Wirrwarr am Aktienmarkt nicht zu bewältigen. Jeder, der an der Börse spekulieren will, sucht eine Regel, nach der er profitabel handeln kann. Doch jedes Mal, wenn ein Anleger glaubt er habe einen Weg gefunden den Markt zu interpretieren, dann kommt es anders. Manchmal sind Trendlinien hilfreich und manchmal hält sich der Markt einfach nicht daran. Manchmal folgt auf gute Zahlen auch eine gute Aktienkursentwicklung, aber gelegentlich auch nicht. Inmitten dieses nicht greifbaren Durcheinanders steht der Börsenanfänger und zweifelt an seinen Fähigkeiten.

Denn geht der Neuling Long, weil zum Beispiel ein Widerstand genommen wurde, dann passiert es so wie aktuell auch, dass der DAX einfach wieder in den Trendkanal zurückfällt. Dann sprechen die anderen von einem Fehlausbruch. Das bringt dem Anfänger wenig, denn er hat ja eine Position im Minus zu verbuchen. Steigt der Markt über eine Widerstandlinie und der Neuling wartet lieber mal ab, dann verläuft die Kursentwicklung so wie es die Theorie vorgibt, sie steigt nämlich freudig weiter. Der Anfänger schimpft dann, dass er nicht gehandelt hat, als er den Ausbruch gesehen hat.

Das ist nicht nur in der Charttechnik so. Auch in der Fundamentalanalyse sieht man die gleichen verwirrten Gesichter, wenn es um die Interpretation der zukünftigen Kursentwicklung einer Aktie geht. Kauft ein Neuling eine Aktie, weil eine AG gute Zahlen bringt, dann steigt manchmal der Kurs, weil die Marktteilnehmer das auch so sehen. Aber eben nur manchmal, in vielen anderen Fällen fällt der Kurs trotz eben der gleichen guten Zahlen. Die Gründe sind dann vielseitig, der Ausblick sei nicht so toll oder Börsenweisheiten wie "buy the rumor, sell the fact" werden herangezogen.

In der Summe geht es darum, dass es an der Börse nichts gibt, was zu greifen ist. Und das ist für viele Anfänger nicht zu verstehen. Theoretisch kann an der Börse jederzeit jede Kursbewegung passieren, das weiß man vorher nicht. Die Summe der Anleger ist es, die den Aktien eine Richtung gibt. Die Anleger selbst pressen den Kurs in eine Bahn. Wenn viele glauben, dass eine Unterstützungslinie hält, dann sind auch viele bereit, dort zu kaufen. Wenn viele kaufen und den Kurs an diesem Punkt zum Drehen bringen, dann wird die Unterstützungslinie in den Augen der Beobachter verstärkt. Sie bekommt einen Sinn, nur weil die Anleger sie mit Leben gefüllt haben.

Doch das, was der Neuling als Regel ableiten will, dass eben eine Linie hält bzw. halten soll, ist an der Börse ohne Garantie und niemals sicher. Deshalb kommt es oft vor, dass der Neuling an der Unterstützungslinie kauft und dann verliert. Erste Zweifel an den "Börsenregeln" kommen auf. Der Markt scheint doch das zu machen, was er will und nicht das, was die Regel ihm aufdrücken will.

Oftmals wird dem Neuling gesagt, "the trend is you friend" – der Anfänger solle immer mit dem Trend handeln. Da der Neuling nicht der Erste ist, der am Anfang eines Trends kauft, wartet dieser ab, bis sich der Trend auch allen deutlich zeigt. Spring der Neuling jetzt in den Markt, wird dieser Schritt wieder mit Verlusten quittiert, weil der Anfänger genau dann in den Markt kam, als die Kurse anfingen zu drehen. Der Anleger kann nur verzweifeln.

Umgekehrt ist es ebenso. Sieht der Börsenneuling die Kurse schon weit steigen, dann geht der Neuling Short, um von einer Korrektur zu profitieren. Zum Leidwesen des Anlegers steigt der Kurs einfach weiter. Der Masse kann sich der Anfänger eben auch nicht entgegenstellen. In diesem Fall hätte sich das Motto des Trendfolgens als richtig herausgestellt.

Wie es der Börsenanfänger an der Börse auch dreht und wendet, es kommt meist anders als er denkt. Sein größtes Problem dabei ist, dass die Kurse seiner Meinung nach etwas machen müssen. Die Kursbewegungen sollen sich an Linien und Bahnen halten. Der Anleger bekommt das in der Literatur auch so erklärt. In den Börsenbüchern sehen die (Beispiel) Kursverläufe wie gemalt aus. Da passt jeder Einstieg und jeder Indikator. Das ist in der Realität aber nicht so.

Die Börse ist voll von Gründen, warum ein Börsenkurs sich anders verhalten hat, als Allgemein angenommen. Die Nachrichten kommen immer hinterher. Letzte Woche hat kaum jemand von einem möglichen Fehlausbruch im DAX gesprochen, heute ist das ausgemachte Sache, dass der DAX die Anleger verschaukelt halt.

Kursverläufe halten sich meist nicht an Regeln. Vor allem sollen diese nachvollziehbar sein und genau das passt nicht in die rationell denkenden Anlegerköpfe. Die Neulinge suchen Orientierung, die die Börse ihnen nicht geben kann.

Der Kursverlauf an der Börse ist wie Wasser, das dem Anleger durch die Finger rinnt. Ab und zu kann er ein paar Tropfen festhalten, aber das meiste Wasser rinnt zwischen seinen Fingern hindurch.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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