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Lange Zeit dachte man in Deutschland, die Krise sei ein Problem der Nachbarstaaten aus dem Süden Europas. Da die Krise gefühlt weit weg war, ließ sich von der Ferne leicht mit klugen Ratschlägen auftrumpfen. An Sparideen mangelte es nicht, die anderen könnten am Lohn kürzen, an der Rente ebenso, sie könnten Betriebe und Inseln verkaufen, sogar das Essen sollten die anderen zusammenstreichen. Wer nichts hat, muss sich eben einschränken, wurde das Dilemma mit Schulterzucken quittiert. Aus der Ferne war das natürlich einfach. Ein Sprichwort aus Südeuropa besagt: "Lache nicht über deinen Nachbarn, du könntest der nächste sein". Sind jetzt die Deutschen dran, sich einzuschränken?

Die aktuelle Preisexplosion bei verschieden Gütern trifft auch die Deutschen. Während die Produkte des täglichen Lebens teurer werden, bleiben die Einnahmen gleich oder hinken hinterher. Als Folge muss der Deutsche sparen, aber wie?

In  Deutschland steht (noch) nicht die Troika kontrollierend im Lande und droht mit Schlägen, wenn nicht genug Sparanstrengungen unternommen werden. So ist das nämlich in den anderen Nationen aus dem Süden. Die haben die Troika im Nacken.

Soweit ist Deutschland noch nicht. Aber die Deutschen müssen lernen zu sparen, und da hört der Spaß auf. Denn in der Regel will der Mensch immer weiter ausgeben und immer mehr verdienen, damit er seinen erreichten Standard halten kann. Der Standard in Deutschland ist gemessen an den vielen anderen Nationen hoch. Sich zurücknehmen und sich weniger zu leisten kommt für die meisten Menschen kaum in Frage. Man hat ja was erreicht. Und da wären wir schon beim großen Problem. Niemand will sich selbst einschränken.

Der Benzinpreis ist derzeit der größte Feind der Deutschen. Er steigt von einem Rekord zu nächsten. Verdutzt schauen die Bürger zu und können nur staunen. Dass der  Benzinpreis nicht mehr fallen will, liegt vor allem an der nimmersatten Nachfrage nach Sprit. Solange die Nachfrage da ist und die Deutschen gewillt sind, jeden Preis an der Zapfsäule zu bezahlen, solange wird er Preis auch steigen. Von der Politik braucht der Bürger keine Hilfe erwarten, die verdient an den hohen Benzinpreisen gerne mit. Der Deutsche will aber nicht weniger fahren oder sich einschränken. Am Auto, des Deutschen liebstes Kind, wird nicht gespart, so die bundesdeutsche Devise.

Das Problem ist nur, das Geld für die Tankfüllung muss irgendwo herkommen, also muss woanders eingespart werden. Und da wird es kompliziert. An den Grundnahrungsmitteln kann der Bürger meist nicht viel einsparen. Hinzu kommt, dass aufgrund der Maispreisexplosion auch der Weizen im Preis stark verteuert ist. Nun hat der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks bereits Preiserhöhungen für Brot und Brötchen angekündigt. Damit verschärft sich das Problem, da der Deutsche auch für die Produkte aus der Bäckerei noch mehr zahlen muss als in der Vergangenheit. Die Lage ist verzwickt.

Des Deutschen zweitliebstes Kind nach dem Auto ist seine gekaufte Immobilie. Und da ist auch nicht ans Sparen zu denken. Die monatliche Rate ist festgelegt und die muss abgestottert werden, da hilft kein Jammern. Für die Immobilienbesitzer ist in dem großen Posten der Wohnkosten kein Sparpotential.

Das Dilemma ist schnell zusammengefasst: Das Geld reicht nicht, um die Ausgaben zu decken. Also muss gespart werden.

So, jetzt sind die Deutschen genauso soweit wie die Griechen, die Spanier oder die Portugiesen. Sie müssen mit einem monatlichen Betrag auskommen, der sich nicht erhöhen lässt. Da alle anderen Kosten für die Lebenshaltung im Preis steigen, muss der Deutsche sparen. Das hört sich jetzt vielleicht für einige komplett überraschend an, denn die Krise war doch bisher weit weg. Warum ist Deutschland nun plötzlich auch unter denjenigen, bei denen das Geld nicht reicht?

Man hatte, als wohlhabendes Land, lange Zeit gerne den anderen Nationen in Not besserwisserische Ratschläge erteilen können, jetzt aber, wo es einen selbst trifft, ist guter Rat teuer. Wenn nicht der Dispokredit ausgenutzt werden soll, dann ist es jetzt an der Zeit sich einzuschränken. Es ist ebenso Zeit, das Getane zu überdenken, denn mit dem Finger auf andere zu zeigen kann schnell nach hinten losgehen, wie man an der aktuellen Kostenexplosion in Deutschland sehen kann.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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