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Normalerweise sind Anleger eine sehr vorsichtige Spezies. Jede kleine Meldung, mag sie noch so unscheinbar sein, bereitet ihnen Kopfzerbrechen. Sie machen sich Sorgen, wie die nächsten Konjunkturdaten ausfallen werden, und Sorgen, wie der nächste Tag aussehen könnte. Unsicherheit im Allgemeinen können Anleger nicht ausstehen. Und obwohl dieser Tage vieles in der Welt unsicher ist, steigen trotzdem die Aktien wie heiße Luft aus einem Nudeltopf. Die Anleger zeigen sich unbeeindruckt von den Geschehnissen, die sie eigentlich beschäftigen sollten. Soviel Coolness könnte aufgesetzt sein, aber warum?

Jeder, der sich mit der Böse beschäftigt, weiß, wie nervös die Geschäfte auf dem Parkett laufen. Der coole Trader, der Millionen verschiebt, den gibt es nur im Fernsehen. Anleger sorgen sich um den richtigen Einstieg, denn sie wollen den optimalen Zeitpunkt erwischen. Wenn sie Gewinne haben, sorgen sie sich um den Gewinn. Dann plagt sie der Gedanke, ob sie lieber verkaufen sollten, um den Gewinn zu sichern oder ob sie den Gewinn laufen lassen sollten. Die Anleger sind eben oft in Sorge, das ist ihre Charaktereigenschaft.

Ganz im Gegensatz zu dieser Normalität geben sich die Anleger die letzten Wochen ganz cool und gelassen. An ihnen scheint die Schuldenkrise abzuprallen wie Regenwasser an einem frisch gewachsten Pkw. Keine Mine bewegt sich, wenn Griechenland für ihre Sparziele noch mehr Zeit benötigt als bisher, oder wenn Spanien mit dem Gedanken spielt, unter den Rettungsschirm zu schlüpfen. Diese Anleger, die sich jetzt so stark geben, hätten in normalen Zeiten sofort das Weite gesucht, sie hätten ihre Wertpapiere auf den Markt geworfen und zu jedem Preis verkauft.

Heute sieht das alles ganz anders aus. Nichts kann scheinbar die Ruhe der Anleger stören. Seit vielen Tagen bewegt sich der DAX nur seitwärts und lässt sich dabei von dem vielen Drumherum nicht stören. Das ist insofern verwundernswert, da der Anleger sonst seine Nase in Zeitungen steckt oder dauernd in seinem Smartphone surft, um jede noch so unscheinbare Nachricht aufzugreifen. Zurzeit ist dieser Mechanismus vollkommen abgeschaltet.

Die Börsianer sind wie in einer anderen Welt. Als ob Bullen und Bären friedlich zusammenleben könnten. Das kann doch alles nicht stimmen, könnte man als Beobachter zu Recht meinen. Die Bullen wollen die Bären aufspießen und die Bären die Bullen dahinraffen. Es gibt kein friedliches Miteinander zwischen diesen beiden Spezies. Der scheinbare Friede ist ganz einfach in der fehlenden Kraft beider Seiten begründet. Beide können dem Markt nicht ihre Richtung vorgeben. Es heißt treffend, wenn du deinen Gegner nicht besiegen kannst, dann befreunde dich mit ihm.

Diese Zeit der Stille dient nur dem Kräftesammeln. Beide Seiten mimen den Cool-Man, nach außen geben sie sich völlig gelassen. Die Anleger wollen damit aber nur ihre Angst kaschieren, die sie innerlich zerreißt. Wie geht es weiter am Aktienmarkt? Was bringt die nahe Zukunft? Lieber jetzt Aktien kaufen oder noch warten? Gewinne sichern oder laufen lassen? Geht ein Staat in Europa pleite und wie reagieren die Märkte?

Der Anleger ist wie er ist, er kann nicht aus seiner Haut, egal wie cool er sich derzeit gibt. Cool sein ist anstrengend. Vor allem, wenn der Anleger es nicht ist. Deshalb ist die aufgesetzte Fassade nur vorübergehend.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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