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Vor nicht allzu langer Zeit riet man den Europäern, sich ein Beispiel an den Amerikanern zu nehmen. Sie sollten mehr konsumieren, damit die Wirtschaft stark bleibt, sie sollten in Aktien investieren, damit ihre Zukunft gesichert ist und sie sollten flexibel auf dem Arbeitsmarkt sein, damit sie sich die Karrierechancen offen hielten. Diese drei Säulen wurden den Europäern als das erstrebenswerte Ziel verkauft, wider besseren Wissens, dass es nie um das Wohl der Bürger ging.

Zu allererst hat man den Amerikanern eine Scheinwelt präsentiert, in der den Bürgern eine Konsumfreiheit präsentiert wurde, in der sie jederzeit und überall um ein Vielfaches ihres Einkommens konsumieren konnten, ohne dafür arbeiten zu müssen. Die Amerikaner sollten zum Wohle Ihrer Nation konsumieren, das war eine ehrbare Sache. So hat man es den Bürgern eingetrichtert, denn es diene dem Wohle der Allgemeinheit. Der Amerikaner konsumierte also, um sein Land und seine Wirtschaft zu stützen. Das klingt doof, ist es auch, aber die US Bürger waren davon überzeugt.

Die amerikanische Gesellschaft ist lange Zeit veräppelt worden. Man hat ihnen ein Scheinwachstum vorgegaukelt, das es so nicht gibt. Wenn jemand etwas kauft, wofür er nicht gespart hat (Konsumzurückhaltung geübt hat) und nur den Einkauf bewerkstelligen kann indem er sich das Geld leiht, dann ist das kein wirkliches Wachstum. Wenn ein Mensch ein Auto kauft und dieses mit einem Kredit von der Bank bezahlt, dann verkauft das Autohaus einen Pkw, und verbucht das auch als tolle Leistung, aber in Wirklichkeit ist gar kein echtes Wachstum zu Stande gekommen, da niemand für den Gegenwert des Autos gearbeitet hat. Das Geld kam aus der Luft (es wurde von der Bank geschöpft).

Auch im Bereich Konsum ist nicht der Bürger der Bevorteilte, sondern die Wirtschaft, die immer auf der Suche nach Schafen ist, die sich Produkte andrehen lassen und nicht zögern, sich für ein weiteres Produkt noch weiter zu verschulden.

Der Arbeitsmarkt in den USA gilt nicht als mitarbeiterfreundlich. Wenn sie ihre Mitarbeiter im Wochenrhythmus einstellen und entlassen kann, es handelt sich hier um die weltweit berühmte „Hire and Fire“ Mentalität, dann ist das ebenso nichts Erstrebenswertes für eine Gesellschaft. Es dient einzig und allein dem Arbeitgeber, seiner Willkür frei und ohne Kündigungsschutz freien Lauf zu lassen. Man riet den Arbeitnehmern in Europa, sie sollten nicht so sehr Standort gebunden sein, regelmäßiges Umziehen gehöre dazu, und zusätzlich sollten sie jederzeit erreichbar sein und die Arbeit an erster Stelle im Leben ansehen.

Auf der einen Seite sollte der amerikanische Bürger sich für seinen Arbeitgeber verausgaben, dafür erhielt er einen kleinen Lohn. Auf der anderen Seite kam er damit aber nicht über die Runden, aber davon wollten amerikanische Unternehmen nichts wissen. Nach dem amerikanischen Dream soll der Angestellte bloß nicht meckern, sondern gleich noch einen Zweitjob abends im Fastfood Restaurant antreten. Warum sollte ein Mitarbeiter auch Ruhe brauchen? Wenn ein Mitarbeiter aufgrund der Überbelastung irgendwann ausgebrannt ist, dann bekommt er einen Fußtritt in den Allerwertesten und ist gefeuert. So einfach geht das in den USA. Solch eine Mentalität ist nicht erstrebenswert, auch wenn die europäische Wirtschaft nicht müde wurde, genau das zu loben.

Wenn der Mitarbeiter, wie im ersten Punkt angesprochen, sich im Konsumrausch verschuldet hat, dann kann er gar nicht anders, als weiter für den Chef zu buckeln, egal wie er ihn behandelt oder ob dieser seinen Lohn kürzt. Na, macht der Konsumrausch, den die amerikanischen Bürger so überaus geliebt haben, nun Sinn?

Die gleiche Masche zog auch bei der Anlage in Aktien. Die US Bürger sollten die Chancen am Aktienmarkt nutzen, ohne dabei die Risiken zu hinterfragen. Sie sollten ihre Altersrückstellungen in Aktien anlegen, je mehr Geld in den Aktienmarkt floss, umso besser. Dass es auch Verluste geben kann, wie die vielen geplatzten Blasen zeigen, oder Verluste entstehen können, weil ein Fonds oder ein Unternehmen pleitegeht, "so what" das gehöre eben dazu, so die herausgegebene Devise. Der Amerikaner sollte nach seinem Verlust wieder aufstehen, darauf komme es an, und wieder investieren, damit er den gleichen Fehler noch einmal machen kann. Das freute die Großbanken. Sie konnten mit ihren Analysen die Schafe lenken und sie konnten gleichzeitig an den Transaktionen hervorragend verdienen.

Noch vor nicht allzu langer Zeit sollten sich die Europäer ein Beispiel an den Amerikanern nehmen. Sie sollten nicht für ihren Konsum sparen und sie sollten auf das langweilige Sparbuch verzichten. Dem Arbeitgeber sollten sie nicht widersprechen und ihr Geld schnell in die spekulative Welt der Aktienmärkte tragen. Ja, all das sollten sich die Europäer von den Amerikanern abgucken, damit sie es auch einmal so schön haben können wie die Amerikaner. Man braucht nur über den großen Teich zu blicken, um zu sehen, wie verelendet die Nation ist.

Der amerikanische Traum ist endgültig geplatzt. Der Europäer sollte sich an besser funktionierenden Systemen orientieren.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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