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Sprachlos wurden gestern die Zahlen des ifo Instituts zum deutschen Leistungsbilanzüberschuss aufgenommen. Die Deutschen würden viel zu viel exportieren und zu wenig importieren. Diese Export-Gier hätte die Finanzkrise teilweise mitangefacht, wird in einem Nebensatz erwähnt. Aber der Hauptgrund für die schwache Importentwicklung war schnell identifiziert: Die Binnennachfrage sei zu gering. Der Bürger würde zu wenig kaufen, daher käme dieses große Ungleichgewicht zu Stande. Es ist wie immer, im Notfall ist der Bürger der Schuldige.

Jetzt kann der Bürger erhobenen Hauptes fragen, woher nehmen und nicht stehlen? In Deutschland wurde lange Zeit der Arbeitsmarkt reformiert. Das Ergebnis sind Millionen von Menschen in gering bezahlten Stellen, Vollbeschäftigte, die kaum über die Runden kommen, und eine Heerschar von Praktikanten, die erst gar kein Geld erhalten. Hinzu kommt eine alternde Gesellschaft, bei der die Alten froh sind, wenn ihre kleine Rente zum Überleben reicht. Dieses Deutschland soll also mehr Nachfrage generieren?

Der Bürger kann gar nichts dafür, dass Deutschland mehr exportiert als importiert. Würde man den Menschen im Lande Arbeitsplätze zur Verfügung stellen und ein besseres Gehalt zahlen, könnten diese auch konsumieren und für Nachfrage sorgen. Da wären wir wieder bei der Ausgangsituation. Wer nichts hat, kann auch nichts einkaufen.

Jetzt könnte man meinen, es ist doch toll, wenn die Deutschen alle anderen Nationen abhängen und so viel mehr ausführen als einführen. Die Differenz zwischen Exporten und Importen beträgt 210 Milliarden Dollar (aufs Jahr gerechnet), doch das ist eigentlich kein Grund zum Feiern, denn Leistungsbilanzüberschüsse von mehr als sechs Prozent gelten als problematisch für Europa. Daher droht wohl ein Mahnverfahren aus Brüssel.

Der Grund ist, dass man durch die eigene (deutsche) Verkaufswut die Wirtschaft in anderen Nationen in Schieflage bringt, weil man selbst der Klassenbeste sein will und alle anderen auf die hinteren Ränge vertreiben möchte. Solche Streber wurden bereits in der Schule nicht gemocht und werden es in Form von Staaten auch nicht. Deutschland hat zu viel verkauft und die Konkurrenten aus den anderen Staaten konnten daher ihre Produkte nicht an den Mann bringen. Sie bleiben auf ihren Produkten sitzen, das hat natürlich deren Krise und den Abschwung deren Konjunktur zu Folge gehabt.

Die Schuld für den großen Handelsbilanz-Überschuss bei der "lahmenden Binnennachfrage" zu suchen ist dreist. Die Bürger können gar nicht anders als mit dem Einkommen über die Runden zu kommen. Von übrigem Geld, das die Bürger in den Konsum stecken können, kann gar keine Rede sein.

Geld ist ein gutes Thema. Wenn die deutschen Unternehmen so viel mehr exportieren, wo blieben dann die ganzen Einnahmen, die man ja an den Angestellten in Form besser Löhne auszahlen könnte?

Oder man bezahlt den Mitarbeitern aus den Leihfirmen das gleiche Gehalt wie den Festangestellten, diese könnten sich dann auch mehr leisten und die Binnennachfrage ankurbeln oder man hört in der deutschen Wirtschaft mit diesem Unding auf, Praktikanten mit einem Minilohn oder gar keiner Entlohnung abzuspeisen. Auch diese würden sich über ein Einkommen freuen.

Alle Beteiligten in einem Unternehmen tragen zum Unternehmenserfolg bei, daher ist es nur Recht, wenn alle auch in irgendeiner Form an dem Erfolg monetär beteiligt werden, den es ja offensichtlich geben muss, bei so viel exportierten Produkten.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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