Buchtipp

Der Eurogruppenchef Juncker hat sich zu Wort gemeldet und den Ernst der europäischen Krisenlage unterstrichen. Er warnte vor dem Zerfall der Eurozone und ließ durchblicken, dass eine Pleite Griechenlands ein beherrschbarer Vorgang sei, aber nicht  vor Herbstende eintreten werde. Das sind deutliche Worte, die Lage ist also Ernst. Herr Juncker ist derjenige der gesagt hat: "Wenn es Ernst wird, muss man lügen". Was von dem, was der Politiker von sich gegeben hat, ist nun die Wahrheit?

Das der Zerfall der Eurozone möglich und wahrscheinlich ist, nimmt man ihm sofort ab. Da braucht man nicht lange nachzudenken, sieht man die desolate Lage der Eurozone an. Sie zerbricht bereits, die sichtbaren Risse können nur durch viele Papiergeldscheine gekittet werden. Der Zerfall wird nicht kommen, er hat bereits eingesetzt. Juncker muss aber seine europäischen Nachbarn aufrütteln, da sich eine Lethargie in das Krisenmanagement eingeschlichen hat.

Es gibt keine eiligen EU-Gipfel mehr. Es gibt kein Dreamteam mehr, wie Merkel und Sarkozy es waren. Es gibt keine nächtlichen Entscheidungen, die dem Volk am nächsten Morgen als Lösung verkauft werden. Es ist still geworden um die Euroretter. Diese Stille versucht Juncker zu brechen, um wohl zum letzten Mal in Kampf zu ziehen. Kommt noch ein Rundumschlag oder ist alles nur heiße Luft?

Denn derzeit schaut die Welt gebannt auf die EZB. Sie soll richten, was die europäischen Regierungen, die europäische Kommission und auch der Euro Gruppen Chef bisher nicht geschafft haben. Das Perplexe ist, dass die EZB der falsche Ansprechpartner ist. Sie wird die Eurokrise nicht lösen können, denn sie kann nur Zeit verschaffen, indem sie Geld bereitstellt, was auf normalem Wege nicht mehr aufzutreiben ist.

Also steuert die Krise weiter auf ihren Höhepunkt zu. Das ist insofern auch nicht mehr zu verheimlichen (was die Politik lange Zeit gemacht hat), da Unternehmen und Investoren bereits Milliarden aus Europa abziehen, da auch sie die Zeichen der Zeit erkannt haben. Großbanken und Regierungen haben schon Notfallpläne erarbeitet für den Moment des Zerfalls. Es wird also zu einer Eskalation in der Eurozone kommen.

Juncker hat sich auch über einen Austritt Griechenlands geäußert. Ob der von den Griechen aus kommt oder die Eurozone die Griechen rauswirft (offiziell geht das nicht, aber man kann den Geldhahn zudrehen, wenn Athen nicht nach der Brüsseler Pfeife tanzt), wurde nicht konkretisiert. Aber dass sie kommen wird, wurde zwischen den Zeilen deutlich. Will der Eurogruppenchef die Bürger und die Anleger schon mal mental auf dieses Ereignis vorbereiten?

Spannend wurde es, als er sich zu einer Aussage zum Timing einließ. Der Austritt Griechenlands würde nicht vor dem Herbstende passieren (oder zu befürchten sein?). Herr Juncker ist ein erfahrener Politiker, er sagt nichts, ohne sich dabei etwas zu denken. Vor allem sollten diese kurzfristig beruhigenden Worte sofort die Alarmglocken läuten lassen. Es dürfte nicht verwundern, wenn die Griechen es nicht bis zum Herbstende schaffen werden. Die Griechen hängen am seidenen Faden, gute Nachrichten werden unmöglich aus Athen kommen können. Sie werden sich deshalb auch nicht selbst aus der Notlage befreien können.

Den Daumen über Griechenland wird Juncker mit seinen Kollegen senken. Eines könnte man heute wohl mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sagen: dass der Austritt Griechenlands vor Herbstende passieren wird. Natürlich völlig unerwartet und zur Überraschung aller.

Denn die Lage ist Ernst, da sind dann auch unkonventionelle Maßnahmen angebracht.

Lassen wir uns von den kommenden Ereignissen erhellen.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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