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Die Bankenwelt hat mit all ihren Skandalen ihr hässliches Gesicht gezeigt. Obwohl immer mit Anzug und Krawatte gekleidet, hat der ordentliche Schein zu trügen gewusst. Heute wissen wir viel über die Machenschaften der Banken, den Betrugsskandalen und den riesigen Gewinnen. Die Banken, das sind die Bösen. Neu ist, dass die Banken gleichzeitig auch als eine Art Retter gesehen werden. Sie sollen nämlich helfen, dass die Krise endlich ein Ende findet. Das klingt, als passe das nicht zusammen und das ist auch so.

Zunächst haben die Finanzinstitute mit ihren komplizierten Finanzprodukten, mit ihren Derivaten und ihrer unendlichen Gier die Welt an den Abgrund geführt. Diejenigen, die den Karren in den Dreck gefahren hatten, mussten (?) nun mit enormen Anstrengungen gerettet werden, das war schon suspekt. Normalerweise läuft es nach dem "Gesetz des Marktes" so ab, dass derjenige, der sich verzockt hat, auch  der Verlierer sein muss. Das Unternehmen, das schwach ist, oder sogar Fehler macht, muss vom Markt weichen. Die Banken wollten nach den Spielregeln des Marktes spielen, also sollten sie auch nach denen bemessen werden.

Doch weit gefehlt, die Bankenwelt wurde schnell, hastig und alternativlos mit Steuergeldern gerettet. Jetzt hatten die Banken wieder Geld und sie machten weiter wie zuvor, doch nun waren die Staaten verschuldet. Weitermachen heißt: weiter undurchsichtige Produkte an den Mann bringen, weiter im Eigenhandel mit geringer Risikokontrolle um Kopf und Kragen zocken oder wie neu hinzugekommen, der Libor Skandal, bei dem man sich Zinssätze nach eigenen Vorteil abgestimmt hat. Außer Frage steht: Die Banken, das sind die Bösen.

Jetzt zeigt sich im Verlauf der Schuldenkrise ein anderes Bild. Ein Bild, das sich von dem bösen „Bankster“ in einen guten „Bankier“ wandelt. Plötzlich wird wieder versucht, den Banken Honig um den Mund zu schmieren. Notleidende Staaten versuchen die Gunst der Geldgeber zu ergattern, plötzlich wird die böse Bankenwelt wieder gebraucht. In der Not müssen die Staaten bei den Banken anklopfen, denn sie brauchen dringend Geld. Der Ort, an dem die Geldgeber (Banken) und Kapitalnachfrager (Staaten) zusammenkommen, ist der Anleihemarkt. Staaten versorgen sich dort mit Kapital, das im Wesentlichen von der Finanzindustrie bereitgestellt wird.

Die Banken sind sich ihrer, jetzt wieder wichtigen Rolle bewusst, und lassen die Staaten zappeln. Für die Krisenstaaten wie Spanien oder Italien wollen sie 7% Zinsen und manchmal sogar mehr. Nur durch den gelegentlichen  Eingriff der EZB konnte ein weiteres Ansteigen der Zinssätze verhindert werden. Die Banken zucken mit den Schultern und weisen auf das gestiegene Risiko einer Staatspleite hin. Wenn es ums Geld geht, kennt die Bankenwelt keine Freundschaft.

Auch Unternehmen, die frisches Geld benötigen, hängen an den Lippen der Bankenwelt. Sie müssen betteln, damit sich der Bankberater zu einem neuen Kredit hinreißen lässt. Plötzlich hat sich das Blatt gewendet, denn während die Banken noch vor kurzem die Bösen waren, sind sie jetzt die Guten. Es heisst im Volksmund "Wer das Geld hat, bestimmt die Musik".

Es ist die Finanzwelt, die es in der Hand hat, Staaten mit neuem Kapital zu versorgen. Sie haben es in der Hand, ob sich die Krise verschärft oder nicht. Deshalb wird wieder um die Gunst der Banken gebuhlt. Obwohl es genau diese Finanzindustrie war, die als Täter die Welt in Schieflage gebracht hat, ist sie nun der willkommene Retter, wenn sie neue Anleihen erwerben soll.

Wie gesagt, all das ist äußerst unverständlich und zeigt, wie weit man von einer Lösung der Krise entfernt ist. Das gilt ebenso für ein Zurück zur Normalität, denn normal ist diese verzwickte Lage nicht.

Zusätzlich kommt hinzu, dass die Banken nicht ihr eigenes Geld für eine "Rettung" einsetzen, sondern das Geld der Bürger. Somit haben die Bürger die Banken gerettet und betteln nun darum, mit ihrem (eigenen) Geld gerettet werden zu dürfen. Das ist krank.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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