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Es riecht  nach einer Trennung in Europa. Am Ende werden beide Partner sagen: wir haben uns auseinander gelebt, wir hatten uns einfach nichts mehr zu sagen. Die beiden, um die es geht, sind Deutschland und die Eurozone. Beide Partner haben ein grundsätzlich verschiedenes Verständnis, wie man sich in der Schuldenkrise verhalten soll, dadurch fühlen sich beide Seiten missverstanden. Während die verschuldeten Staaten auf Deutschland angewiesen sind, kann Deutschland der Geduldsfaden jederzeit reißen und die Deutschen könnten der Gemeinschaft den Rücken kehren. Wenn die Scheidung eingereicht wird, dann ist es vorbei mit der Eurozone.

Deutschland steht isoliert in Europa da, das ist nicht mehr zu leugnen. Die anderen großen Staaten wie Frankreich, Spanien und Italien ziehen gemeinsam an einem Strang und fordern mehr Geld für mehr Wachstum. Die Deutschen fordern im Gegenteil Enthaltsamkeit und noch stärkere Sparanstrengungen. Die anderen (besonders Italiens Ministerpräsident Monti) fordern eine Bankenlizenz für den Europäischen Stabilitäts Mechanismus (ESM), die Deutschen wollen das nicht. Die anderen Staaten wollen eine stärke Einbeziehung der Zentralbank EZB, indem diese unbegrenzt Staatsanleihen kauft und damit die Krisenländer unterstützt, die Deutschen bieten die Stirn und sprechen von einem Rechtsbruch der EZB, wenn sie sowas tun würden und verweigern die Gefolgschaft.

Die Deutschen haben zu Beginn der Eurokrise "alternativlos" geholfen. Und was ist der Lohn dafür? Undank. So jedenfalls wird der kalte Wind interpretiert, der aus den südlichen Nationen herüberkommt. Deutschland müsse für den Erhalt der Eurozone noch mehr tun, fordern die angeschlagenen nimmersatten Nationen. Es ist halt nie genug, meinen die Deutschen und verlieren die Lust an dem Europa, so wie man es bisher kannte. Wofür immer weiter zahlen, wenn sich am Ende doch nichts bessert?

Was immer in Europa beschlossen wird, es findet nicht die Unterstützung Deutschlands. Zurück bleiben frustrierte Politiker, die nicht mehr den Zahlmeister Europas spielen wollen und nun Töne gegen ein gemeinsames Europa anschlagen. Die Stimmen werden umso lauter, je größer die Forderungen aus den Krisennationen werden. Ganz aktuell gibt es einen Streit mit Italien, da dessen Präsident Monti gefordert hat, die europäischen Regierungen (eben auch die deutsche) sollten ihre Parlamente weniger befragen. Auch hier zeigt sich ein unterschiedliches Verständnis, diesmal von Demokratie, das nicht zusammenpassen will. Europa und Deutschland haben sich auseinandergelebt.

Für ein Jahrzehnt war Deutschland ein besonders großer Profiteur der gemeinsamen Währung und der gemeinsamen Währungszone. Man hat verkauft, was die Produkte hergaben und hat gut daran verdient. Es ist eben wie in jeder Partnerschaft, solange man auf Wolke 7 schwebte, sah alles rosarot aus. Jetzt, wo dunkle Wolken aufkommen, ist kaum mehr etwas vom alten Glanz übrig und jeder kümmert sich um sich selbst. Es wäre nicht auszuschließen, dass sich die Deutschen wieder einmal als cleverer als die übrigen Nationen herausstellen und Europa den Rücken kehren, bevor der große Knall kommt und all die Garantiezahlungen fällig werden. So würden die Deutschen ihr Geld noch beisammen halten, anstatt es immer weiter in ein Fass ohne Boden zu werfen.

Es hat sich herausgestellt, dass sich die Krise nicht lösen lässt. Deutschland wird die angeschlagenen Nationen trotz massiver Zahlungen nicht retten können. Also rettet sich Deutschland vielleicht mit einem Sprung nach vorne? Noch warten die Beobachter gebannt darauf, ob nicht ein Krisenland wie Spanien oder Griechenland aus der Eurozone aussteigt. Es wäre ein Überraschung, wenn Deutschland aussteigen würde.

Es klingt zunächst noch ein wenig abwegig, dass Deutschland die Eurozone verlässt, weil die Deutschen das Herz der Eurozone bilden, doch im Verlauf der Eurokrise haben die Menschen schon des Öfteren "Überraschungen“ erlebt, die sie zunächst für unmöglich gehalten haben. 

Deutschland ist kein glühender Euroanhänger mehr, der es in der Vergangenheit einmal war. Wie lange werden sich die Deutschen, entgegen ihrer Überzeugung, "lenken" lassen? Die entscheidendende Frage ist: Wann reißt der Geduldsfaden beim Geldgeber?

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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