Service

Auf fallende Kurse zu spekulieren hat seinen Reiz. Es ist fast so, als mache der Anleger etwas Verbotenes. Auf sinkende Kurse zu spekulieren, das sind doch die Mittel der bösen Hedgefonds, mit denen diese Milliarden verdienen. Short zu gehen hat aber auch seine Gefahren. Man spielt mit einem schwachen Blatt gegen unbekannte starke Gegner. Wer Short geht, der riskiert viel und verliert meist, die Vorteile liegen nämlich eindeutig bei steigenden Kursen. Wer Short ist, der braucht gute Nerven und ein gutes Risikomanagement.

An der Börse wird heiße Luft gehandelt. Das ist so. Da steigt der Kurs einer Aktie, weil eine Übernahmephantasie aufgekommen ist. Da fällt der Kurse einer Aktie, weil ein Analyst Zweifel an den geplanten Umsatzprogosen hat. Unterm Strich passiert nichts bei dem Unternehmen selbst, nur die Anleger sind bereit, heute mehr Aktien zu verkaufen und morgen gierig Aktien zu erwerben. Die Höhe des Preises, den sie für eine Aktie zahlen wollen, bestimmt die Veränderung des Kurses.

Heiße Luft steigt bekanntlich nach oben, das ist der Grund, warum Kurse meist eher steigen als fallen. Der Markt hat also einen Grunddruck, der die Kurse nach oben drückt. Hinzu kommt die Inflation, die Geldwertentwertung, sie steigert den Preis einer Aktie. Der Anleger muss mehr Geld einer Währung aufbringen, um das gleiche Gut zu erwerben. Auch hier gilt: unter dem Strich steigt der Kurs, da Geld seinen Wert stetig verliert. Das lässt sich besonders einfach ablesen, wenn man langfristige Charts ansieht. Ein wesentlicher Teil des Kursanstiegs ist auf die Inflation zurückzuführen.

Aber da ist noch mehr, was für steigende Kurse spricht. So haben die Anleger an den Finanzmärkten ein Grundinteresse, Anleger einen steigenden Markt zu präsentieren. Steigende Kurse wirken toll, sie zeigen einen (virtuellen) Vermögenszuwachs. Vor allem aber locken steigende Kurse neue Anleger an den Markt. Damit dieses Ziel erreicht werden kann, müssen die Kurse in der Regel steigen.

Der Motor, der die Aktienmärkte antreibt, ist Long, also auf steigende Kurse ausgerichtet. Dagegen anzukämpfen ist äußert schwer. Doch trotzdem probieren es viele Anleger mit Hebelprodukten gegen die steigenden Kurse gegenzuhalten und verlieren meist. Denn obwohl die Anleger, die auf fallende Kurse setzen, mit ihren Annahmen recht haben z.B. (der Markt stehe auf wackligen Beinen, die geplanten Zahlen seien unerreichbar, oder Aktien seien zu hoch bewertet), kann der Markt dennoch weitersteigen.

Es ist der Kampf gegen Windmühlen, es ist fast aussichtslos. Anleger gehen Short und müssen mit ansehen, wie in einem katastrophalen Umfeld die Kurse steigen und ihm Verluste bescheren. Das lässt den Glauben an den Finanzmarkt wanken. Der Grund ist wie oben bereits angesprochen: die Grundtendenz ist Norden. Zusätzlich haben auch Zentralbanken ein Interesse, dass die Investoren nicht verschreckt werden und vermeiden ein Abstürzen der Kurse, soweit es ihnen möglich ist.

In der Summe ist der Anleger, der Short geht, kräftemäßig in der Minderheit. Gefühlt wollen alle anderen Marktteilnehmer, dass der Markt steigt. Nur der Shortanleger scheint anderer Überzeugung zu sein, nämlich dass die Kurse eben nicht weiter steigen können und diese Annahme lässt ihn regelmäßig bluten. Das ist insofern unfair, da der Shortanleger im Prinzip die richtige Annahmen trifft und daraus entsprechende Handelsentscheidungen ableitet. Aber wie das an der Börse eben so ist, die Mehrheit des Kapitals bestimmt die Richtung, egal ob der Einzelne Recht haben mag oder nicht.

Auf der Zeitachse kann man verfolgen, dass Phasen fallender Kurse schnell und stark ablaufen, während steigende Kurse eine Art Kontinuität aufweisen, sie steigen regelmäßiger und stetiger. Auch hier ist der Short Investor im Nachteil. Er hat viel weniger Zeit, sich fallende Kurse zu Nutze zu machen. Wie man es dreht und wendet, der Short Investor hat einfach schlechtere Karten.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

Share This