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Gestern gab es schon während der EZB Pressekonferenz einen Kurssturz im DAX. Die Aktionäre konnten gar nicht schnell genug ihre Aktien loswerden. Ohne Limit und zu jedem Preis wurde verkauft. Sieht man heute auf die Kurstafel, dann herrscht dort verkehrte Welt. Als wäre nie etwas geschehen, steigt der DAX um vier Prozent. Verdutzt sieht der Betrachter zu und versteht die Börsenwelt nicht mehr. Denn eigentlich sollten die Kurse heute fallen.

Mit dem Kurssturz gestern lag die Annahme nahe, dass jetzt die Kurse weiter nachgeben werden. Die kurzfristige Richtung hatte sich mit dem rapiden Absacken der Kurse von vorher „steigend“ auf nun „sinkend“ verändert. Für den Vormittag war also mit einem Einbruch zu rechnen, nur wann der kommt, war offen. Viele Trader hatten sich mental auf fallende Kurse eingeschossen und das barg eine Gefahr, die in der Vergangenheit bereits viele Tradingkonten ausgelöscht hat.

Der Mensch hat gelernt sich zu entscheiden, denn so wurde er erzogen. Hat die Mutter gefragt, ob der kleine Junge Hunger hat, dann gab es kein „vielleicht“. Die Mutter wollte ein klares "ja" oder ein "nein" hören. Wir mussten also Position beziehen und uns entscheiden. Diese Schwarz Weiss denken klebt ein Leben lang an dem Menschen, egal ob im Beruf (wollen Sie die neue Stelle?), im Privatleben (schwanger oder nicht?) und eben bei den Handlungen an der Börse (hoch oder runter?). Es gibt immer eine Richtung, für die wir mental offen sind und die unser Gehirn eingeschlagen hat. Seit gestern Mittag war anzunehmen, dass "Short" die Devise für den Aktienmarkt ist.

Die Anleger, die heute Morgen von einer Korrekter ausgingen, kauften sich auf der Short Seite ein. Der DAX wird über den Tag hinweg irgendwann schon zusammensacken, so deren Annahme. Als eine Korrektur bezeichnet man den Weg des Indexes zurück nach oben (wo der Kurssturz begonnen hat), als Reaktion auf den starken Verluste vom Donnerstag. Da der DAX schon am Morgen nicht fallen wollte, wird mutig nachgekauft und weiter auf Short spekuliert. Jeder weitere Anstieg wird mit einer neuen Ladung Short quittiert. Oft wird dabei vergessen, dass ein angeschwollenes Depot, das auf fallende Kurse ausgerichtet ist, viel schneller aufgefressen wird, als eine kleine Position. Doch wie zuvor beschrieben, der Trader/Anleger ist sich seiner Sache ganz sicher.

Das gilt auch für KO-Scheine. Diese werden mit jedem Kursanstieg immer billiger. Sie rufen geradezu dem Trader zu "verbillige mich". Viele machen das auch, für sie heißt es jetzt Daumendrücken, dass der DAX Einbruch auch bald kommt. Mit dem Nachkauf begibt sich der Trader in eine teuflische Situation, denn das KO-Level ist bereits nahe. Je günstiger der Kurs eines Scheins, desto näher die KO-Barriere. Und wie der Börsenteufel auch will, je mehr der Trader in Short geht, umso stärker steigt der DAX.

Während also am Ende des gestrigen Tages "raus aus Aktien und rein in Short" die Devise war, ist heute der Markt kaum wieder zu erkennen. Um 16:30 Uhr notiert der DAX bei 4% Plus. Der Index notiert damit höher als am gestrigen Tag. Konstatiert blicken die Shortanleger auf den DAX Verlauf und können nicht glauben, was sie dort sehen. Aber auch der stille Betrachter, der das Börsengeschehen von der Seitenlinie aus verfolgt, ist irritiert. Die Börse ist völlig unverständlich geworden.

Als wäre nie etwas passiert, hangelt sich der DAX nach oben. Bei Sonnenschein in Frankfurt und angenehmen Klima sind die Anleger wieder ganz erfreut. Auf den Herrn Dragi, den EZB-Chef, scheint auch niemand mehr böse zu sein. Wer wird denn da nachtragend sein? Die Anleger blicken nach vorne und kaufen. Es spricht also nichts gegen weiter steigende Kurse, auch wenn das niemand mehr versteht.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-traing Team

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