Service

Die Börsen steigen und die Anleger schauen verdutzt. Während noch vor einer Woche die Mehrheit von roten Vorzeichen ausging, grünt es nun auf der Kurstafel, soweit das Auge sieht. Stirnrunzelnd verfolgt der Beobachter die Geschehnisse an den Märkten, die ihm einfach nicht einleuchten wollen. Überall schwächeln die Wirtschaftsdaten, auch in Deutschland, und trotzdem schießen die Aktienkurse nach oben. „Da stimmt etwas nicht“, denken die ersten bereits. Recht haben sie. Die Antwort wird nicht lange auf sich warten lassen.

Wer schon länger das Börsengeschehen verfolgt, der weiß, dass wenn die Daten, die man messen kann und die Ereignisse, die den Kursanstieg begleiten, wenn diese nicht mehr zusammenpassen, dann sind die Aktienmärkte wieder einmal in einem Übertreibungsmodus. Solch eine Irrationalität wird sich schon bald mit schlimmen Kursverlusten entladen. Das war schon immer so. Wer in der Vergangenheit die Geschehnisse an den Finanzmärkten verfolgt hat, wird dies schon einmal erlebt haben.

Auch jetzt passt wieder nichts zusammen. Die Aktienmärkte reden nur von billigem Geld, niemand redet von Unternehmen und deren Entwicklung. In Europa brennt es lichterloh und die Börsen steigen trotzdem, das ist sehr suspekt. Sogar Deutschland wankt als wichtiger Anker, die Topbonität ist in Gefahr, die Industrie meldet schwächere Zahlen und trotzdem scheint das die Aktionäre nicht zu stören. Die Kurse steigen.

Hier ist ein wichtiger Knackpunkt. Wenn das, was man sieht, nicht mehr mit dem, was am Parkett passiert in Zusammengang bringen kann, dann ist etwas gehörig faul. Ein von uns gerne genommenes Beispiel ist aus der Zeit der Neuer-Markt-Blase. Da war eine Zeitlang ein mickriger Callcenter-Betreiber mehr wert als die Lufthansa mit ihren vielen Flugzeugen. So ein Fakt muss zur Vorsicht mahnen. Damals wie heute.

Wenn heute Spanien wankt, die Schuldenkrise noch stärker lodert als bisher und weltweit (das muss man sich verinnerlichen) die Konjunktur den Rückwärtsgang eingelegt hat, dann können die Börsen das nicht ignorieren. Einige Leser mögen einwerfen, dass die Börsen die Zukunft handeln und nicht den heutigen Tag, außerdem seien die Aktienmärkte irrational, man müsse nicht verstehen, was gerade passiert. Dier Einwand ist kurzfristig berechtigt, doch mittel bis langfristig "knallt" es an den Börsen aber immer. Die Realität holt die Anleger ein.

Jede Hausse, jeder blinde Anstieg, jede Rally bekommt ihr Fett weg, sobald sich die Hoffnungen der Anleger nicht erfüllen. Im Moment sehen wir die letzte Erholungsrally vor dem Absturz. Der schnelle Anstieg war von uns erwartet worden, nur leider kommt er mit Verspätung und beginnt aus einem tieferen Niveau, sodass wir unsere DAX-Analyse "1000 Punkte Plus erwartet" aus dem Mai 2012 als "erfolglos" verbuchen müssen.

Die Anleger hoffen auf die Hilfe der Zentralbanken, die helfen sollen (gar müssen). Sogar die Wortwahl, die jetzt angeschlagen wird, erinnert an eine finale Schlacht eines Krieges. Der EZB Chef Drahi sagt: "innerhalb ihres Mandats ist die EZB bereit, alles Erforderliche zu tun, um den Euro zu erhalten". Sie merken schon, es geht nicht mehr um Hilfe oder Stützung, der Euro ist mit seinem Tod konfrontiert, es geht also bereits ums "erhalten". Die beiden Top-Nationen in Europa Frankreich und Deutschland folgen diesen kriegerischen Worten. Die Regierungschefs Hollande und Merkel sagen "Sie sind entschlossen, alles zu tun, um die Eurozone zu schützen". Die Eurozone ist in Gefahr, es muss bereits „alles“ getan werden, um sie zu verteidigen.

Die Börsen verschließen die Augen vor solch wichtigen Krisenmeldungen. Für den Moment zockt man mit der Masse. Diese kauft und will an dem letzten Anstieg verdienen. Der letzte Anstieg hat es vom Potential auch in sich. Er trifft nämlich auf all diejenigen, die schon beim letzten Anstieg zugesehen haben und sich nicht getraut haben einzusteigen, diese Anleger sind nun besonders empfänglich in den Markt zu gehen.

Der aktuelle Anstieg kann noch eine Zeitlang gutgehen. Einen exakten Punkt für den Beginn der Absturzbewegung ist schwer vorherzusagen, da die Irrationalität unter den Anlegern länger anhalten kann, als man annehmen möchte. Eine separate DAX-Analyse wird folgen.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

Share This