Indikatoren-Trading

Der DAX hat die Anleger wieder einmal an der Nase herumgeführt. Als er fallen sollte, ist er gestiegen, als er umkehren sollte, hat er noch eine Schippe draufgelegt. Als er am Fallen war, tat er das nur zögerlich und als er abstürzen sollte, da machte er genau das Gegenteil von dem, was die Anleger erwarteten, er legte ordentlich den Turbo ein und stieg. Jetzt sind natürlich die meisten Kursprognosen für den DAX komplett aus den Fugen geraten. Börsianer wollen ein ordentliches Setup, an dem sie sich orientieren können, der DAX aber liebt das Durcheinander.

Würden sich der DAX und der Anleger daten, um herauszufinden, ob sie zueinander passen, dann würde es mit hoher Wahrscheinlichkeit bei nur einem Treffen bleiben. Zu unterschiedlich sind die Erwartungen an den jeweils anderen Partner. Der DAX will frei sein, er will sich nicht in Linien und Trends pressen lassen. Der DAX will gelegentlich ausbrechen, will sich überdehnen, manchmal sogar überkauft sein. Der DAX, das ist ein Zügelloser, vielleicht sogar ein Rebell. Diese Eigenschaften stehen ganz im Gegensatz zu den Erwartungen eines Anlegers.

Der Anleger ist nämlich ein ganz anderer Typ als der DAX. Der Anleger will Ordnung in den Bewegungen seines Partners haben. Sein Wunsch ist es, dass sich der Index innerhalb von vorgegebenen Bahnen bewegt, der Index soll Widerstände und Unterstützungslinien respektieren. Wenn ein Trendkanal erkannt wurde, dann soll sich der Index innerhalb dessen bewegen. Der Anleger sucht das klare Bild, damit er entsprechend agieren kann. Er will an der unteren Linie kaufen und bei der oberen Linie verkaufen. Der Index muss sich nur daran halten, das ist sein Wunsch an den Partner.

Genau das macht der DAX aber nicht. Die letzten Wochen sind wieder einmal ein Paradebeispiel, wie verrückt, wie unkalkulierbar der Aktienmarkt ist. Kaum legt sich der Anleger einen Fahrplan zu Recht, ist dieser schon kurz danach veraltet und passt nicht mehr. Was letzte Woche noch richtig war, ist diese Woche falsch. So schnell geht der Stimmungswandel an der Börse.

Dabei zeigt sich der DAX am Anfang von seiner schönsten Seite. Er macht es eben so, wie Partner das in der Kennenlernphase so machen, sie zeigen sich von ihrer Schokoladenseite. Zunächst sieht alles blendend aus. Beide Seiten glauben, sie würden hervorragend zueinander passen. Vor allem macht sich der Anleger dabei große Hoffnung. Man macht gemeinsam den einen oder anderen Trade, es kommt gelegentlichen zu Gewinnen. Über die gewinnbringende gemeinsame Zeit freut sich der Anleger besonders. In der nächsten Zeit versucht der Anleger immer detaillierter, die nächsten Schritte des DAX zu analysieren und diese zu prognostizieren. So langsam fühlt sich der Anleger wohl bei der Interpretation des DAX. Er glaubt nun die nächsten Schritte sicher vorhersagen zu können, da man sich ja nun auch besser kennt, und investiert dadurch deutlich mehr in die kommenden Trades. Genau da passiert das Unerwartete.

Auch jetzt ist es wie in einer Partnerschaft manchmal üblich. Der DAX lässt den Anleger erst an sich heran, lässt ihn schnuppern, gibt ihm ein paar Erfolgsmomente. Wenn es aber dann in die Vollen geht und der Anleger das ganze Geld einsetzt, genau dann zeigt der Index sein wahres Gesicht. Er lässt den Anleger links liegen. Er zeigt ihm sozusagen die kalte Schulter.

Der DAX hält sich nicht an den "Plan", den der Anleger für ihn vorgesehen hatte. Das viele Geld, das eingesetzt wurde, ist schnell dahin. Zurück bleibt ein Anleger, der die Welt nicht mehr versteht. Sollte er sich so in dem DAX getäuscht haben? Wie konnte es nur soweit kommen, denkt sich der Anleger und bleibt leidend zurück.

Der DAX aber sieht das Techtelmechtel ganz gefühllos. Für ihn war es eine schöne Zeit, jetzt orientiert sich der Index an neuen Bekanntschaften, denn an der Börse gibt es viele Anleger. Das Programm beginnt dann von vorne. Zunächst wird wieder geschnuppert, mal getradet, mal gewonnen und dann kommt wieder das Unerwartete.

Der DAX ist nicht für eine dauerhafte Beziehung gemacht. Kurzeitig lassen sich kleinere Gewinne erziehen, langfristig wird der DAX sich immer anders orientieren, als der Anleger das von ihm erwartet. Sie passen halt einfach nicht zusammen, der Anleger und der DAX.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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