Angebot

Ein besonderer Aspekt dieser Krise ist, wie man die Bürger dazu bekommt, all die Hilfs- und Rettungsmaßnahmen mitzutragen. Womit kann man die Menschen also gefügig machen? Es muss etwas sein, was die Menschen nicht sehen können und vor dem sie sich ängstigen. Es muss permanent vor Augen geführt werden, dass eine Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes eintreten wird, wenn nicht alle mitmachen. Wenn man diese Faktoren zusammennimmt, dann kann man den Bürger wie ein Lemming gefügig machen. Die Antwort, womit dies erreicht wird, ist ganz einfach.

Vielleicht kennen Sie die Serie Lost, in der ein Mann (Desmond) in einem Bunker sitzt und alle 108 Minuten eine Zahlenreihenfolge in einen Computer eingeben muss. Als man ihn in den Bunker brachte, sagte man ihm, es würde Fürchterliches passieren, wenn er vergessen würde, die Eingaben zu machen. Der Mann wurde so in den Bann dieser Pflicht genommen, dass er krankhafte Züge entwickelte. Egal was er tat, essen schlafen oder sonst etwas, er musste immer alle 108 Minuten die Zahlenkombination eingeben, damit die Welt nicht explodierte. Er wusste nicht, ob das wirklich passieren würde, er hatte nur Angst und befolgte, was man ihm gesagt hat. Er konnte auch nicht riskieren, einmal die Eingabe auszulassen um zu sehen, ob vielleicht nichts passieren würde. So hatte man ihn gefügig gemacht.

Während das obige Beispiel aus der Serienwelt stammt, durchleben wir das Gleiche in der realen Welt mit anderen Darstellern. Wovor wird dauernd in den Medien gewarnt, was darf unter keinen Umständen passieren? Sie haben es wohl schon erraten. Unser Angstbild ist eine Bankenkatastrophe, manchmal auch als Finanzkatastrophe bezeichnet. Mit diesem Schreckensbild werden die Bürger schon seit vielen Jahren gefügig gemacht. Eine Lösung der Krise wird nicht angegangen, die Menschen werden weiterhin ausgepresst, indem ihre Steuerzahlungen für Fremdzwecke ausgegeben werden.

Aber der Reihe nach. Sobald ein Pleitestaat kein Geld mehr am Finanzmarkt erhielt, also als der Kreislauf durch die Finanzierung durch Staatsanleihen ins Stocken kam, wurde gleich der Finger gehoben und gewarnt. Man dürfe unter keinen Umständen das Land pleitegehen lassen, denn dann würden die inländischen Banken in Schieflage geraten und mit ihnen auch viele andere Banken in der Welt, eben auch die in Deutschland wären betroffen, durch die Vernetzung der Bankenwelt und der damit einhergehenden Kettenreaktion sei eine Katastrophe zu erwarten. Niemand könne sich ausmalen, was dann passieren würde und deshalb dürfe es nicht passieren. 

Schon vor den möglichen Staatspleiten waren die Banken bereits in Schieflage. Das war am Anfang der Krise im Jahre 2008. Keine Großbank dürfe je pleitegehen, hatte man unermüdlich wiederholt. Die Auswirkungen der Derivate-Investments würden die Welt in Schutt und Asche legen. Diese Auswirkungen wären so unvorstellbar groß, dass eine Rettung alternativlos wäre. Mit vollen Händen nahmen die Staaten das Geld der Bürger und gaben es den Finanzgöttern. 

Aber auch bei kleineren Banken galt die Regel, dass man zum Wohle des Volkes helfen muss. In Deutschland hat die Hypo Real Estate (HRE) besonders viel Geld verschlungen, aber die Liste der geretteten Banken ist lang.

Dabei wurde immer unterstrichen, dass man keine Wahl hat, es muss so sein, sagte man, wenn wir diesen Schritt nicht machen, dann käme es zur Katastrophe und die Welt ginge unter, das könne ja nicht gewollt sein, so die unterstellte Meinung.

Würde man dieser Machenschaft ein Ende setzen, hätte man vielleicht einen Knall und dann Ruhe, aber das traut sich niemand, genauso wie in der Serie. Zusätzlich melden sich die Medien und arbeiten daran, das Schreckensbild aufzupolieren und als noch bedrohlicher zu kommunizieren. Würde eine Bank umfallen, ohje, es wäre nicht auszudenken, was dann passieren würde. Dabei ist die Angst nicht nur auf eine Bankenpleite beschränkt. Ein Staat darf auch nicht pleitegehen, weil dann nämlich die Gläubiger, das sind diejenigen, die dem Staat  über Staatsanleihen Geld geliehen haben, leer ausgehen werden. Das dürfe unter keinen Umständen passieren.

Sie merken, hier werden Ängste geschürt, welche auch von den Leuten, die das aussprechen, nicht beziffert oder benannt werden. Es soll zu einer Katastrophe kommen, wenn eine oder mehrere Banken pleitegehen. Wenn diese nicht schleunigst gerettet werden, dann passiert etwas ganz Schreckliches, ah ja und wir wissen nicht was es sein wird, ok, doch wir haben ganz viel Angst und sind in Sorge. Hinter der nächsten Türe soll das Finanzmonster auf uns warten, um uns zu verschlingen, aber stimmt das überhaupt?

Mit dieser Aura der Angst traut sich natürlich niemand, hinter die Kulisse zu schauen. Was würde passieren, wenn man den Dingen seinen Lauf ließe? Was würde passieren, wenn eine Bank einfach pleitegeht? Die Bürger würden sich vielleicht von der Jochschaft befreien können und würden befreit in die Zukunft blicken.

Bei der Finanzindustrie fehlt die Einsicht, Fehler einzugestehen. Diese sieht sich aber zu Höherem berufen und möchte die Krise an sich abprallen sehen. Experten sind sich einig, dass sich nach Ausbruch der Krise an der Handlungsweise der Finanzindustrie nichts geändert hat.

Jeder darf Fehler machen, nur muss es dann zu einer Umdenke kommen, zu einer Überzeugung, etwas falsch gemacht zu haben, sich über die Hilfe zu freuen und es mit der neuen Unterstützung besser zu machen. Davon ist aber nichts zu sehen.

Vielleicht würden nach einer Bankenpeite die verbleibenden Institute aus ihren Fehlern oder aus den Fehlern der anderen lernen, vielleicht würde ein Ende einer Bank ein abschreckendes Beispiel für die noch bestehenden sein und die verbleibenden Institute zu mehr Vorsicht und weniger Risiko in der Zukunft veranlassen.

Das mit der Katastrophe ist nur Angstmacherei. Sie brauchen vor keinem Finanzmonster Angst zu haben und auch nicht vor einer Staatspleite. Lehman Brothers durfte nicht pleitegehen, ist sie aber – und wir leben alle noch. Es durfte um keinen Preis einen Schuldenschnitt in Griechenland geben, den gab es und wir alle leben trotzdem. Auch eine Staatspleite endet nicht in einer Katastrophe. Die letzte große Pleite war Argentinien. 

Manche Dinge passieren im Leben, denn die Zeit ist im Wandel, dazu gehört auch, dass unrentable (und auch zu große) Banken schließen müssen. Den Bürgern Angst zu machen, um so lange wie möglich den Status Quo aufrecht zu erhalten, ist der falsche Weg. Besser wäre es, wenn man all das Geld, das heute für Stützungs- und Hilfsmaßnahmen verbraucht wird, für einen Neuanfang verwendet.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

Share This