Indikatoren-Trading

Nun hat die Ratingagentur Moody's Deutschland eine gelbe Karte verpasst. Sie hat den Ausblick der Kreditwürdigkeit auf „negativ“ gesetzt, das ist eine Verwarnung. Sie zeigt, wie sehr man sich in den Schuldensumpf begeben hat, aus dem man alleine vielleicht nicht mehr heraus kommt. Die Politik singt noch einstimmig, die ganzen Rettungsaktionen würden den Staat erst einmal nichts kosten, der Bürger könne beruhigt sein. Die Ratingagentur sieht das ganz anders und zeigt bereits die Gefahren auf, die auf Deutschland zukommen können.

Es passiert meist zu später Stunde, denn man will die Märkte nicht aufwecken. Es soll ja nicht zu tumultartigen Reaktionen kommen. So meldete gestern Abend die Ratingagentur Moody's, dass sie sich die Noten der Deutschen angesehen hat und zu dem Schluss gekommen ist, Deutschland müsse auf die schwierige Lage, in der es sich befindet, hingewiesen werden. Es ist meist so, dass sich der Musterschüler meist in einem guten Licht sieht und die Gefahren für schlechte Noten ausblendet.

In Deutschland heißt es immer wieder, die ganzen Rettungsaktionen kosten den Staat kaum Geld. Man spreche nur Garantien aus oder jemand anderes haftet für das geliehene Geld. Die letzte Rettungsaktion kann hier als Beispiel dienen. Man hat spanische Banken mit 100 Milliarden Euro (vorübergehend) gerettet. Deutschland trägt davon knapp 30 Milliarden Euro. Nun wird der Finanzminister nicht müde zu behaupten, der spanische Staat sei haftbar für diese Verbindlichkeit. Das ist Augenwischerei.

Spanien ist bereits pleite. Wenn die offizielle Bankrotterklärung ausgesprochen wird, dann kann auf dem Papier für das verliehene Geld haften wer will, das Geld ist aber erst einmal weg.

Hier setzt die Ratingagentur an und lässt sich von den Verlautbarungen der deutschen Politik nicht irritieren. Die Gefahr, dass Deutschland in Folge der Schuldenkrise selbst in Schieflage gerät, ist groß. Schon der Wirtschaftminister Rösler kam nicht umhin, die Pleite Griechenlands einzugestehen. Sollte das passieren, dann haftet Deutschland als Bürge. Deutschland hat im Verlauf der Krise Garantien ausgesprochen, diese muss es im Falle einer Staatspleite erfüllen, wenn z.B. Griechenland das nicht mehr kann.

Moody's geht noch weiter und spricht schon von möglichem neuen Milliardenbedarf für Staaten wie Spanien und Italien. Auch hier muss das solvente Deutschland herhalten. Jede neue Schieflage in Europa, die neue Milliardenbeträge erfordert, steigert die "versteckten" Verbindlichkeiten Deutschlands.

Jetzt ist eine Verwarnung noch kein Spielverweis. Deutschland könnte sich nun endlich Gedanken machen, ob der bisher eingeschlagene Weg nicht vielleicht der falsche war. Denn immer nur mit frischem Geld aushelfen hat bisher nicht geholfen. Wenn aber jemand immer wieder mit dem Kopf gegen eine Wand rennt, dann darf er sich nicht wundern, dass er sich eine blutige Nase holt. Er hat es ja nicht anders gewollt.

Gemeinsam mit Deutschland wurden auch die Ausblicke für die Niederlande und für Luxemburg gesenkt. Für alle lautet der Ausblick nun "negativ". Es wurde aber nicht vergessen zu betonen, dass Deutschland trotz der Verwarnung eine tadellose Weste hat, denn es würde immer noch mit der Bestnote "AAA" bewertet.

Deutschland als Musterschüler sollte nicht zu sehr auf seine vergangenen Leistungen hoffen, sondern die eigene Lage neutraler bewerten, als man das bisher getan hat. Man hat sich zu lange mit  Rettungsaktionen gebrüstet und hat gar nicht gemerkt, wie tief man in den Schuldensumpf gerutscht ist.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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