Buchtipp

Die Rösler-Empörung geht um. Die politische Landschaft in Deutschland gibt sich entrüstet. Wie konnte der junge Wirtschaftsminister nur aussprechen, was offensichtlich ist. In der Politik muss man nämlich bis zum bitteren Ende die Wahrheit ignorieren. Steuergelder verschwenden und Energie für sinnlose Rettungsmaßnahmen aufbringen. Nur solch ein Politiker der der gängigen Führungsmeinung nicht widerspricht, scheint ein guter Politiker zu sein. Alle anderen heucheln eine Zustimmung des bisher eingeschlagenen Weges, wider besseres Wissen.

So hat Rösler nur gesagt, „das eine Griechenland Pleite in seinen Augen "seinen Schrecken verloren" hat. Daran ist nichts Verwerfliches, denn es trifft zu. Das Land ist bereits abgenabelt von Europa. Die Banken haben ihre Investitionen zurück gefahren. Die einzige Lebenserhaltungsmaßnahme sind die Transferzahlungen, die Griechenland auf den Beinen halten. Sollte dieser abgekapselt werden würde man Griechenland abtrennen können, ohne das Europa stark davon betroffen wäre.

Der FDP Politiker vertrat ebenso die Meinung, dass er "mehr als skeptisch" sei, dass die Griechen die harten Sparauflagen erfüllen können. Auch das ist offensichtlich und für jeden sichtbar der einen genauen Blick auf die Situation in Griechenland wirft.

Hier treffen wir einen seltenen Fall eines Politikers, der entgehen der "Politiker-Benimm-Regel" seine Meinung offen ausspricht und vor allem den Sachverhalt so kommuniziert wie er ist. Das passt aber nicht zu der Politiker Gilde und deshalb ist die Entrüstung so groß.

Nicht nur von den anderen Parteien sondern auch von Parteikollegen zeigt man sich empört, entrüstet und sogar sprachlos. Wie kann einer aus Deutschlands "Wir retten Europa" Reihen ein Pleitezeugnis für Griechenland ausstellen. Solange man für Deutschland spricht, muss man scheinbar auch für eine Rettung sein. Abweichler sind nicht geduldet.

Hier zeigt sich ganz deutlich, dass eine eigene Meinung in der deutschen Politik nicht toleriert wird. Der junge Herr Rösler hat schon mal einen Rüffel erhalten, nämlich letzten Herbst als er ohne mit der Kanzlerin abzustimmen geäußert hatte "Griechenland ist pleite".  Sofort gab es einen Maulkorb von oberster Stelle. So geht man in der deutschen Politik mit dem Grundrecht auf Meinungsfreiheit um.

Die Politik fühlt sich nur dann wohl, wenn sie immer wiederholt was zwar nicht stimmt aber der gängigen Meinung des Führungsgremiums entspricht. So ist es ein einfaches das Politiker "die Rente als sicher" bezeichnen, den Euro nicht als "Teuro" gesehen haben wollen oder ganz aktuell in der ESM-Diskussion für eine Verlust der Souveränität Deutschlands gestimmt haben, trotz besseren Wissens.

Hier ist der wichtige Punkt: "Trotz besseren Wissens". Wenn jemand eine andere Meinung vertritt als seine eigene, dann ist das Heuchelei. Man mimt nur Interesse und befürwortet die Vorgehensweise eines anderen.  Das ist in der Politik leider so. Dieser Vorgehensweise hat sich sogar so weit eingebrannt, dass sich junge Politiker schnell den Mund verbrennen, wenn sie etwas anders aussprechen als die pateipoltische Meinung.

Sobald jemand aus diesem Muster ausschert ist der Aufschrei groß. Da hat es jemand gewagt an diesem unausgesprochenen "Gesetz der Politik" zu zweifeln, sich gar zu wiedersetzten. Herr Rösler hat es getan. Vielleicht aus einer momentanen Unachtsamkeit oder vielleicht aus einer Ausweglosigkeit heraus (um die FDP neu zu profilieren). Auf jeden Fall geht ein Aufruhr durch die politische Landschaft, die vielleicht den positiven Effekt haben könnte, dass eine Politik mit einer verlässlichen Stellungnahme den Bürgern zusagen würde, als das was man in den letzten Jahren vorgesetzt bekommt. 

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

start-trading Team

Share This