Buchtipp

Was soll denn jetzt das Rumgeheule wegen der Griechenlandpleite, könnte man als Beobachter geneigt sein zu fragen. Griechenland ist auf dem Weg in die Pleite, na und? Die Aktien rutschen tief in den Keller, der DAX ist bereits über 3% im Minus. Die Marktteilnehmer sind verunsichert, so hört man. In Wirklichkeit ist die kommenden Pleite eine gute Nachricht. Endlich hört das Kaschieren auf, endlich hören die endlosen Zahlungen auf, endlich weiß Europa, woran es ist und ebenso Griechenland. Ein Pleitebekenntnis ist etwas Gutes.

Am Wochenende hat zunächst der IWF und dann die Bundesregierung weitere Hilfen ausgeschlossen. Damit bekommen die Griechen kein frisches Geld mehr und wer kein Geld mehr hat, aber verschuldet ist, der muss Bankrott anmelden. Griechenland ist damit gefühlt schon pleite. Nur die offizielle Offenbarung der Helenen fehlt noch.

Es gibt gar keinen Grund, warum die Sorgenfalten jetzt zunehmen müssten. Griechenland ist pleite. Das ist nicht neu und schon gar nicht überraschend. Die Illusion, dass man einen Staatsbankrott hinauszögern kann, funktionierte nur so lange, wie man Geld nach Griechenland transferieren lassen konnte. Die Griechen mussten die Staatspleite nicht selbst eingestehen, solange Hilfszahlungen flossen. Sie nahmen, was man ihnen gab. Dieser Geldfluss soll jetzt vorbei sein.

Die Deutschen verlieren die Geduld mit den Griechen, heißt es in den Medien. Das ist insofern etwas "billig", da die Bundesregierung genau weiß, was sie gemacht hat. Die Geldgeber wussten, welches Risiko sie eingehen und müssen sich jetzt Fragen gefallen lassen, warum sie in Griechenland "investiert" haben, obwohl es nicht die kleinste Chance auf eine Besserung gegeben hat. Die Fragen werden bohrender und schmerzhafter, wenn in Folge der Pleite auch die zugesagten Bürgschaften abgerufen werden. Es kommen unruhige Zeiten auf die Bundesregierung zu.

Der IWF hat den Stein ins Rollen gebracht. Er hat klar Stellung bezogen, dass er sich nicht an weiteren Hilfszahlungen für Griechenland beteiligen werde. Die Deutschen springen damit nur auf den Trend auf, der sich nicht mehr hat vermeiden lassen. Es tut sich nichts in Griechenland, es tritt keine Besserung ein und da man sowieso keine neuen Gelder in den eigenen Ländern freimachen kann, spielt man den "Harten" und signalisiert ein Ende der Hilfen. Damit will sich die Bundesregierung in dem Licht präsentieren, dass sie die Entscheidung selbst getroffen hat, doch tatsächlich hat der IWF das Ende von Griechenland besiegelt.

Die Pleite von Griechenland war schon lange abzusehen. Das sie nicht abwendbar war, wurde schon in diesem Frühjahr in dem Artikel "Griechenland: Und die Pleite kommt doch!" festgehalten. Aber auch unser Artikel "Griechenland, der Euro, der Austritt" aus dem Mai 2011 brachte die Pleite schon damals auf den Punkt:

Die Pleitemeldungen in unserem Blog nehmen zu. Griechenland ist pleite, Italien ebenso, Spanien sowieso. Es passiert etwas in Europa, es bewegt sich etwas. Leider finden die Bewegungen ohne einen Kapitän statt. In Europa driften die Staaten steuerlos umher. Die sogenannten Euroretter "wissen nicht was sie tun". Das macht die Zukunft unkalkulierbar.

Es gibt keinen Grund, Trübsal zu blasen. Es ist endlich ein Ende der Zahlungen nach Athen absehbar. Hätte unter anderem die Bundesregierung diesen Prozess nicht so lange verzögert, hätte man die Pleite viel früher haben können, ohne dass so viel Geld ausgegeben wurde.

Auch für die Griechen ist eine Pleite positiv. Sie können endlich einen Neuanfang wagen. Das der schwer wird, ist ohne Frage. Die Befreiung von der Jochschaft der Troika wird das Land wieder etwas atmen lassen können. Die Griechen werden wieder selbst für sich verantwortlich sein, dass ist etwas Positives.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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