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Auch nach Jahren hat die Finanzkrise die Welt noch fest im Griff. Viel ist in den letzten Jahren passiert, was nach einer Lösungssuche aussah, doch niemals zu einer Besserung der Lage geführt hat. Das Problem besteht dennoch. Besonders sticht bei der Problembekämpfung hervor, dass sehr oft Dinge ausgeschlossen wurden, die niemals passieren dürften. Sonst würde Ungeheuerliches passieren, so wurde gewarnt. Am Ende sind viele Dinge dann doch passiert. Das lässt an der Glaubwürdigkeit der Retter zweifeln.

Als zu Beginn der Finanzkrise im Jahre 2008 mehrere Großbanken drohten pleite zu gehen, hat man Schreckensszenarien ausgemalt, wie schnell die Welt an den Folgen einer Bankenpleite zu Grunde gehen würde. Man dürfe ja keine Bank pleite gehen lassen, wurde gebetsmühlenartig wiederholt. Dann kam der September 2008, die damalige Investmentbank Lehman-Brothers ging pleite und die Welt hielt die Luft an.

Was dann passierte ist schier unglaublich, jedenfalls in den Augen der Warner. Die Menschen konnten am Tag danach immer noch Sauerstoff atmen, die Welt war nicht untergegangen, wir alle waren am Leben. Die einfache Schlussfolgerung: Eine Bank kann durchaus pleite gehen.

Zu Beginn der Krise wankte Griechenland sehr schnell. Sofort war man auf politischer Ebene bemüht klarzustellen, dass Griechenland keine Hilfen erwarten darf. Dass das Land "sich selbst helfen müsse" und weitere Bekundungen gingen in die gleiche Richtung. Vor allem könne man ja gar nicht helfen (auch wenn man wollte), es gäbe europäische Verträge (Maastricht), die eine direkte Hilfe ausschließen würden. Heute kann man über solche Statements nur den Kopf schütteln.

Die europäische Gemeinschaft hat sich entgegen jeder Behauptung und entgegen geltendem Recht an der Griechenland Rettung sowohl beteiligt als auch gesteuert. Auch hier ist zu erkennen, Not macht erfinderisch und Papier (Verträge) ist geduldig. Die Politik hat genau das Gegenteil von dem getan, was sie vorgebetet hat. Eine Rettung ist doch passiert.

Beim Thema Schuldenschnitt das Gleiche: „Es darf keinen Schuldenschnitt geben“ hieß es vehement. „Das Vertrauen der Märkte muss erhalten werden", wurde oft wiederholt. Ein Schuldenschnitt würde verherende Folgen haben, wurde unermüdlich gewarnt. Europa wäre danach womöglich für immer von der Kapitalausfuhr abgeschnitten. Oh Gott, o Gott, es wäre nicht auszudenken, wenn es innerhalb der europäischen Union zum Äußersten kommen würde. Jeder, der das Wort Schuldenschnitt in den Mund nahm, wurde sofort böse angesehen. Es durfte einfach nicht sein.

Sie ahnen es schon. Als die Politik auf anderem Wege keine Lösung erarbeiten konnte, änderte sie ihre Meinung und der Schuldenschnitt fand doch statt. Auch hier fanden sich nach dem Prozess die Griechen und die Europäer noch kerngesund auf der Erde. Die einfache Schlussfolgerung daraus: Ein Schuldenschnitt ist kein Beinbruch.

Ein Schuldenschnitt ist möglich und auch sinnvoll. Für das Risiko, dass der Einsatz verloren gehen kann, erhält der Gläubiger im Gegenzug hohe Zinsen. Ein Verlust seiner Forderung sollte viel öfter als normal angesehen werden. 

Erinnern Sie sich noch, als am Anfang der Krise die kleinen Staaten wie Irland, Portugal und Griechenland die Hauptrolle spielten? Da wurde mit Überzeugung behauptet, die "Kleinen Nationen" werde die europäische Gemeinschaft schon handhaben können. Dann wurde schnell wieder die Droh-Kulisse aufgestellt, das machen die Politik und die Medien immer so. Wenn aber große Nationen wie Spanien oder Italien ins Wanken gerieten, dann wäre es vorbei mit der Union. Jeder Rettungs-Fonds wäre zu klein. Eine Hilfe wäre nicht möglich.

Bei Italien hat man sich schon lange an das Wanken gewöhnt, dann wankte auch Spanien. Plötzlich ist es scheinbar doch möglich, den großen Nationen unter die Arme zu greifen. Spanien erhält gar Geld ohne Gegenleistung. Erst gestern wurden für die spanischen Banken 100 Mrd. Euro freigemacht. Es geht also doch. Auch die großen Staaten können in die Knie gehen, ohne das Europa das Geld ausgeht.

Es wäre zur Abwechslung auch mal schön, wenn unmögliche Dinge auch unmöglich bleiben würden. Wenn Dinge, die man ausgeschlossen hat, auch ausgeschlossen würden.

Kurz: Wenn irgendjemand einmal zu seinem Wort stehen würde.

Die Hoffnung auf so viel Rückgrat in der weiter andauernden Finanzkrise ist allerdings sehr gering.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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