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Die Börsen haben derzeit mit der sich abschwächenden Konjunktur zu kämpfen. Die Investoren schlussfolgern, dass eine schwächere Wirtschaftsentwicklung zu geringeren Gewinnen führt. Damit wird zum einen die Dividendenausschüttung geringer bzw. eingestellt und zum anderen ist der aktuelle Aktienkurs im Verhältnis zu einer geringeren Gewinnlage in der Zukunft automatisch zu hoch. Als Folge werden Aktien verkauft. Dass die Konjunkturentwicklung in die Knie gehen wird, war vorherzusehen, nur wie stur die Anleger dies ausgeblendet haben, das konnte man nicht erahnen.

An der Börse ist nichts normal. Es gibt kaum eine Regel, die nicht widerlegt und unterschiedlich interpretiert werden kann. So haben sich die Investoren lange Zeit vor der jetzt nicht mehr zu ignorierenden Situation verschlossen, dass die wirtschaftliche Tätigkeit in der Welt erlahmen könnte. Betrachten wir die Denkweise eines mitteleuropäischen Anlegers, der in den deutschen Index DAX investiert hat. An diesem Anleger konnte man folgende Entwicklung beobachten:

Zunächst brach die Wirtschaft in den USA ein. Nun gut, der große Teich ist groß, die USA weit weg und nicht alle Produkte werden in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten verkauft. Die nachlassende Nachfrage aus den USA könnte ein deutsches Unternehmen verkraften. Sonst ist der Börsianer schnell bei der Hand, wenn er über "seine" Aktiengesellschaft erzählt, wie toll sie international aufstellt ist. Jetzt aber ist er aber blind und ignoriert diesen Umstand, dass global agieren auch global verlieren bedeuten kann.

Dann ließ sich die Schuldenkrise in Europa nicht mehr verleugnen. Als Käufer der deutschen Produkte fielen der Reihe nach Irland, Griechenland und Portugal weg. Diese Nationen mussten sparen und hatten für Importe kein Geld mehr übrig. 

Auch hier malte sich der Investor ein Bild, dass in seine Weltanschauung passte, die betroffenen Länder seien klein und viel würde dorthin sowieso nicht verkauft werden, das könnte das deutsche Unternehmen verkraften. Noch bevor diese Worte verhallten, zogen bereits dunkle Wolken in Italien und Spanien auf. Auch dort hatte man sich finanziell zu viel zugemutet und hatte plötzlich kein Geld mehr. Auch diese Länder mussten auf die Ausgabenbremse treten. Das bedeutete noch weniger Aufträge für deutsche Unternehmen.

Der Anleger ist nicht nur phantasiereich, sondern auch zäh, wenn es darum geht, schlechte Nachrichten zu ignorieren. Also flüchtete er sich in Scheinwelten. So war die  Konjunktur in den USA bereits am Boden, die Konjunktur in Europa auch dem Weg in die Rezession und doch machte sich der Anleger noch Hoffnung. Sein Unternehmen, in das er investiert hatte, verkaufe ja nicht nur nach USA und nach Europa, man müsse die Augen auf die aufstrebenden Nationen in Asien richten. China sei die Konjunkturlokomotive, daran müsse man sich orientieren. Und da wachse die Wirtschaft schließlich noch.

Aber auch China ist nicht alleine auf der Welt. China erhält sehr viele seiner Aufträge aus den USA. Logischerweise brechen diese ein, sobald die Wirtschaft in den USA den Rückwärtsgang einlegt. Zusätzlich kämpft China gegen eine starke Inflation und eine Immobilienblase. Es muss also zusehen, dass es die Konjunktur abkühlt, um damit eine Überhitzung zu vermeiden.

Ganz aktuell meldet auch Japan stark nachlassenden Konjunkturzahlen. Die Auftragseingänge im Maschinenbau sind um 15% eingebrochen. Auch hier kann man bereits jetzt absehen, dass sobald China und Japan im konjunkturellen Rückwärtsgang sind, auch die wirtschaftlichte Tätigkeit in den Nachbarstaaten zurück gehen wird.

Jetzt, nachdem die Anleger nicht mehr ignorieren können, was nicht zu vermeiden war, verkaufen sie ihre Anteile. An der Börse gewinnt derjenige, der als erster handelt; derjenige, der die kommende Entwicklung zuerst und vor allem richtig antizipiert. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben oder auf die Börse umgemünzt: Wer zu spät verkauft, bekommt weniger für seine Aktie.

Nicht die Konjunktur spuckt dem Investor in seine Suppe und bereitet ihm Sorgen, sondern der Investor selbst hat falsche Annahmen getroffen, die eben nicht in der Form eingetreten sind. Es ist wieder einmal an der Zeit, sich an die eigene Nase zu fassen, anstatt mit dem Finger auf andere zu zeigen.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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